Aus der Integrationspraxis

Wohin mit SaaS-Anwendungen?

| Autor / Redakteur: Michael Morton* / Ulrike Ostler

Die Integration in bestehende IT-Landschaften ist nicht unbedingt ein Vorteil von SaaS. Als: Was tun mit dem Angebotenen?
Die Integration in bestehende IT-Landschaften ist nicht unbedingt ein Vorteil von SaaS. Als: Was tun mit dem Angebotenen? (Bild: © Jakub Jirsák/stock.adobe.com)

Die Integration von Software-as-a-Service ins Unternehmen ist kein Selbstläufer. Michael Morton kennt als CTO und Vice President von Dell Boomi die Herausforderungen der Integration aus erster Hand. Er schildert, welche Strategien zum Erfolg führen und wie Business und IT zusammenarbeiten können.

Software-as-a-Service (SaaS) ist für Unternehmen heute ein Thema, um das sie nicht mehr herumkommen. Die Digitalisierung macht es nahezu zum Pflichtprogramm, sich mit der Cloud und den neuen Auslieferungsmodellen von Software auseinanderzusetzen – damit ist übrigens auch der Vorstand gemeint. Die Versprechungen der Cloud sind auch CEOs heute bereits bekannt und in der Tat bringt Cloud-basierte Software in Gestalt von SaaS-Diensten viele dieser Vorteile mit sich – nur die Integration in bestehende IT-Landschaften ist nicht unbedingt einer davon.

Das Problem ist schnell benannt: IT-Entscheider suchen technische Lösungen für ein Business-Problem. Ein unternehmerischer, lösungsorientierter Ansatz ist in diesem Fall deutlich hilfreicher. Unternehmen brauchen eine konkrete Strategie zur Integration von Cloud-Anwendungen – von einfachen SaaS-Diensten über Cloud-CRM wie Salesforce bis zu handgestrickten Lösungen sollten dabei alle erfasst werden.

Wichtig ist, dass die Strategie den Erhalt der Geschäftstätigkeit zum Ziel erklärt; dafür jedoch muss man zunächst herausfinden, wie man Business-Prozesse am effizientesten gestaltet. Das mag trivial klingen – einfach ist es nicht.

Umdenken im IT-Betrieb

Kein Unternehmen ist ganz in der Cloud und nur die wenigsten sind komplett in ihrem eigenen Rechenzentrum. Die Mischung aus On-Premise und SaaS gehört heute zum Alltag, und sie schafft komplexe Arbeitsumgebungen. Mitarbeiter müssen jeden Tag zwischen On-Prem-Programmen und Cloud-Diensten hin- und herwechseln, was den Workflow mehrfach unterbricht und so die Effektivität einschränkt.

Und auch die Anwendungen selbst überschreiten die Grenze mehrfach am Tag: Viele SaaS-Apps arbeiten natürlich nicht nur in der Cloud – sondern nutzen auch lokale Daten. Die Folge sind mehrfach vorhandene Kundendaten und eine neue Silobildung von Informationen, die niemals ein Gesamtprofil ergeben.

Wenn Daten auf mehreren Apps verteilt sind, können Unternehmen zudem keine aussagekräftigen Analysen ihrer Daten vornehmen und demnach nur eingeschränkt Nutzen aus ihren wertvollen Informationen ziehen. Wollen sie die Daten zusammenführen, können Cloud-Data-Movement-Gebühren anfallen, deren Höhe die gewonnen Einsichten im schlimmsten Fall nicht einmal rechtfertigen.

Das Cloud-Rein-Raus kann teuer kommen

Unternehmen bremsen sich somit selbst aus. Ihre Mitarbeiter müssen mit komplexen Umgebungen zurechtkommen, die sie verleitet, Fehler zu machen, und die Unternehmen niemals ihr Potenzial erreichen lässt. Mit einer robusten Integrationsstrategie für SaaS-Apps ist Schluss damit. Doch dafür muss erst ein Umdenken einsetzen.

Die IT sucht unter Zeit- und Kostendruck üblicherweise die einfachste und günstigste Lösung für ein bestimmtes Business-Problem. Dieser Ansatz ist an sich richtig, kann jedoch nicht zu einem sinnvollen Ergebnis führen, wenn es um die Integration von SaaS in eine komplexe Landschaft geht – vor allem, wenn unterschiedliche Konstellationen von Anwendungen, Abteilungen und anderen Variablen noch hinzukommen.

Hier ist es notwendig, einen Schritt zurück zu treten und die technische Ebene im größeren Zusammenhang zu betrachten: Wo laufen die Workflows im Unternehmen? Wo sind Brüche? Um den Kontext zu erkennen, ist der Business-Blick notwendig – so lässt sich die Customer Journey ebenso wie Unternehmensprozesse als Ganzes erfassen.

Vier Kategorien der Integration

Für die Integration von SaaS-Anwendungen gibt es unterschiedliche Produktkategorien, die jeweils die Anforderungen eines bestimmten Integrationsszenarios besser erfüllen können als andere. Die Basis für eine Integrationsstrategie bilden vier Hauptkategorien:

  • Integration Platform-as-a-Service (iPaaS),
  • Hybrid-Integration,
  • Cloud-Stammdaten-Management (MDM) und
  • API-Management.

In der Praxis werden von den vier Möglichkeiten jedoch nur zwei bevorzugt. Die meisten Unternehmen greifen bei der Software-Integration nämlich auf Produkte aus den Kategorien Hybrid-Integration und iPaaS zurück.

Produkte aus der Kategorie Hybrid-Integration punkten mit einem breit gefächerten Angebot an technischen Adaptern, was den meisten Anwendungen eine durchgängige Interkonnektivität ermöglicht. Leider bieten sie allerdings kaum Unterstützung bei der Entwicklung eigener APIs. Ihre Vielfältigkeit macht sie insgesamt nahezu universell einsetzbar und daher für viele Unternehmen attraktiv.

Das „Magic Quadrant for Enterprise Integration Platform as a Service“ von Gartner, März 2017
Das „Magic Quadrant for Enterprise Integration Platform as a Service“ von Gartner, März 2017 (Bild: Dell Boomi/ Gartner)

Produkte der zwei kleineren Kategorien API-Management und Cloud-Stammdaten-Management erfüllen ebenso die Anforderungen einer Integrationslösung. Das Cloud-Stammdaten-Management (MDM) kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn sich Daten-Silos auf mehrere SaaS-Apps verteilt haben. Sobald die Daten bewegt und ihre Qualität und Integrität sichergestellt werden müssen, ist es Zeit für MDM. Diese Variante wählen Unternehmen oft in Kombination mit einem iPaaS- oder Hybrid-Produkt.

Zusätzlich dazu kann das Integrationsfundament anschließend mit weiteren Produkten bestückt werden, ausgerichtet auf spezielle Bedürfnisse und Szenarien. Denn keine Produktalternative bietet eine Lösung für alle Probleme. Der richtige Mix ist entscheidend.

Integration mit Vorbereitung

Wie immer ist eine gute Vorbereitung unerlässlich. So sollten Unternehmen zunächst wissen, wo ihre Pain Points liegen, um diese gezielt angehen zu können. Analysen sollten sich darauf beschränken, herauszufinden, welche Lösung gebraucht wird, um eine Effizienz- und somit Outcome-Optimierung erzielen zu können.

Doch zuerst geht es darum, die Fähigkeit zum Digital Business Design zu entwickeln. Damit ist gemeint, dass Lösungsarchitektur, Implementierung und Integration aus Business-Sicht erfolgen. Die Design-Priorität liegt dabei auf Nutzer-Rollen, Geschäftstransaktionen, Prozessen, kritischen Informationen und anderen Business-Aspekten, die zusammen das Geschäft ausmachen.

Zuweilen geht es darum, ein dringliches Problem sofort zu lösen. Dann bleibt weder Platz noch Zeit oder Ressourcen, um langfristig alle Lösungen in Einklang zu bringen. In diesem Fall kann ein Unternehmen beispielsweise zu einem Produkt aus den Kategorien iPaaS oder Hybrid-Integration greifen, um diese Probleme direkt angehen zu können. Doch dies ist eine kurzfristige Lösung, die IT-Experten nicht davon entbindet, sich darüber klar zu werden, was ihr Plan ist.

Michael Morton ist CTO und Vice Prsident von Dell Boomi.
Michael Morton ist CTO und Vice Prsident von Dell Boomi. (Bild: Dell Boomi)

IT-Entscheider müssen ihren eigenen Stand auf der Software-as-a-Service-Roadmap bewerten und feststellen, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Sollen alle Apps auf SaaS umgezogen werden oder nur einzelne, bestimmte, die ein schwaches Glied in mehreren Prozessen sind? Diese Entscheidung hängt oftmals vor allem davon ab, ob die gewählte Strategie die Anforderungen erfüllt und wie hoch die Kosten für das Vorhaben sind. Daher ist es unerlässlich, immer wieder einen Schritt zurück zu gehen und zu priorisieren.

Eine Strategie, die niemals endet

Die Integration von SaaS-Apps kann nur dann effektiv erfolgen, wenn Business Design auf die passenden Integrationsprodukte und durchdachte Integrations-Flows trifft. Jede Produktklasse nutzt eigene Mechaniken zur Integration von SaaS-Apps. Um die Implementierung von Produkten so reibungslos und anschließende Prozesse so fehlerfrei wie möglich zu gestalten, sind also für jedes Produkt Muster zur Integration zu erstellen.

Die Reise ist an dieser Stelle jedoch noch nicht beendet. Eine Strategie, einmal beschlossen, muss ständig geprüft und eventuell weiterentwickelt werden. Nur so lässt sich das Ergebnis der Integration verbessern – und mit ihm der Erfolg des Unternehmens.

*Michael Morton ist CTO und Vice Prsident von Dell Boomi

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