Gründliches Saubermachen ist nötig, manchmal aber kontraproduktiv

Wenn Rechenzentren im Dreck stecken

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Klicker, pixelio.de)

Offenbar werden häufig in Rechenzentren Reinigungsintervalle nicht eingehalten, oder es gibt dafür überhaupt keine Vorgaben. Die Folgen sind IT-Ausfälle und eine Verweigerung der Garantie. Mit dem Staubsauger ist es aber nicht immer getan.

Vielerorts ist es eine ungeliebte Arbeit für das IT-Personal. Denn das Reinemachen im Rechenzentrum ist nicht unbedingt etwas für die Büroputzkolonne, und dafür qualifizierte Dienstleister gibt es vielleicht nicht in der Nähe oder sind zu teuer. Auch wenn der Staub sich nicht mehr unter den Teppich, pardon: die Bodenplatten, kehren lässt, geht er einen studierten IT-Spezialisten eine feuchten Kehricht an, oder? Arbeit gibt es ohnehin genug.

Staub blockiert die Kühlung

Es gibt Gründe genug, sich einen Dreck um den Staub zu scheren. Das Ergebnis ist, dass die kleinen Ventilatoren und Kühlrippen der IT-Geräte langsam verdreckt werden. Weniger Luft zur Kühlung führt zu mehr Hitze, automatisch drehen die Ventilatoren schneller und Klimageräte arbeiten stärker, der Stromverbrauch steigt – und plötzlich fallen Server, Speichereinheiten und Netzwerksysteme ganz aus.

Anscheinend ist das nicht durchweg ein fantasievolles Szenario. So berichtet 8 Solutions, dass es in den letzten zwölf Monaten viermal häufiger als 2014 zu Unternehmen gerufen wurde, wo Verunreinigungen zu Ausfällen in ihren Rechenzentren geführt hatten. Nun könnte das ja noch daran liegen, dass dieses britische Unternehmen mit seinem Geschäftsbereich RZ-Reinigung und -Belüftung schlicht aktiver am Markt war.

Reinigungspläne? Papier ist geduldig

Allerdings ist die Feststellung von 8 Solutions auffällig, dass häufig Reinigungsintervalle nicht eingehalten worden waren oder dafür überhaupt keine Vorgaben existierten. Die aber sind vorgesehen in einem ISO-Standard 14644-1 für Maschinenräume, der Grundlage für die Garantien von Hardwareherstellern ist. Darüber hinaus empfehlen Hersteller wie IBM, HP und Cisco, dass der Raum unter den Bodenplatten zweimal im Jahr gereinigt wird, um die Luftzirkulation im Doppelboden nicht zu behindern.

Nun sogleich mit dem Staubsauger kräftig hinzulangen, auch unter den Bodenplatten, ist aber nicht unbedingt der beste Rat. Das hilft gegen die Staubflocken. Die sind allerdings der weniger gefährliche Gegner der IT-Geräte. Staub kann unsichtbar fein sein. Material ab 0,3 Mikrometern gilt als Staub, am ehesten noch sichtbar als feiner Belag.

Kontaminierung durch Menschen

80 Prozent der Verunreinigungen in Rechenzentren kommt über die Bekleidung rein, besonders über die Schuhe. Dagegen sind vor den Zugängen Matten hilfreich, die zugleich antistatisch wirken. Von der Kleidung lösen sich Stoffoberflächen, manchmal ganze Fussel, sowie Haare und Schuppen.

Ein Staubsauger beseitigt das Gröbste, aber auch Hinweise auf die wahre Quelle der Probleme. Die könnte nicht der Mensch, sondern der Rest der Umwelt sein. Wo zur Kühlung Frischluft zugeführt wird, gibt es zwar Filter, aber deren Wirkungsgrad ist begrenzt und schwindet mit der Zeit. In Meeresnähe und an Tidenströmen ist Salz in der Luft. Salz bildet sich außerdem an Wasserkühlungen. In der Nähe von Industrieanlagen und verkehrsreichen Straßen sind mehr Kohlensäure und Dieselemissionen in der Luft.

Kontaminierung durch Umwelt

Die Luft, die wir atmen, ist reichlich belastet, und einige Bestandteile bleiben auch für IT-Geräte nicht ohne Folgen. Es könnte also wichtig sein, sich mit den so genannten unerklärlichen Kontaminierungen zu beschäftigen. Das heißt: Eben nicht einfach mit dem kräftigen Staubsauger ans Werk gehen, sondern die Verunreinigung um Labor zu analysieren. Dann ließe sich mit speziellen Filtern vorbeugen.

Der Befund könnte Überraschungen bieten, die einem vielleicht schon mit einem Blick auf die Karte der Umgebung erspart geblieben wären. So berichtet 8 Solutions von einem Kunden, in dessen Rechenzentrum feinste schwarze Staubpartikel als mögliche Verursacher von Problemen auffielen. Eine Laboranalyse und eine Betrachtung der Umwelt ergab die Quelle: In unmittelbarer Nachbarschaft des Rechenzentrums arbeitet ein Krematorium.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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Ein hochinteressantes Thema, dass leider immer noch nicht bei den Betreibern von Rechenzentren so...  lesen
posted am 18.01.2016 um 14:16 von Adahlen

Luftverunreinigungen können aber auch anderer Natur sein. Bei einem Rechenzentrum wurde die Zuluft...  lesen
posted am 18.01.2016 um 09:36 von Unregistriert


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