Gerangel um die Dominanz der Hypervisoren und schon steht neue Hardware parat

Verdrängt der Open-Source-Hypervisor KVM nun Xen?

09.02.2011 | Autor / Redakteur: Wolfgang Sommergut / Ulrike Ostler

Spätestens seit der Entscheidung von Red Hat für KVM mehren sich die Stimmen, wonach Xen keine Zukunft mehr habe. Tatsächlich stellt sich die Frage, welche Hypervisoren eine Marktkonsolidierung überleben. Doch stehen bei dieser Art Software keine großen technischen Fortschritte an, so dass Citrix als Hauptverantwortlicher für Xen wenig Grund hat, das Projekt einzustellen, solange es ihm noch von Nutzen ist.

Als Basis-Software, die direkt auf die Hardware aufsetzt, unterliegen Hypervisor einer ähnlichen Marktdynamik wie Betriebssysteme. Die um sie herum entstehenden Ökosysteme aus Hard- und Software-Anbietern sind daran interessiert, möglichst wenige Plattformen zu unterstützen.

Daher tendieren Märkte für Betriebssysteme zur Bildung von Monopolen, sowohl bei proprietären als auch bei quelloffenen Produkten. So wiederholte sich der von Windows bekannte Verdrängungswettbewerb auch bei Enterprise-Linux, wo Red Hat mit rund 90 Prozent Anteil der klar dominierende Player ist.

Die Tendenz von Anbietern, ihre Produkte zuerst für die erfolgreichste Plattform zu entwickeln beziehungsweise Software und Hardware erst für sie zu zertifizieren, setzt eine Erfolgsspirale in Gang, die den Starken immer stärker macht. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Virtualisierungsschicht.

VMware als klarer Marktführer schart die meisten Partner um sich, die auf sein System aufbauen, sei es durch ergänzende Tools oder indem sie für ihre Software Support gewähren, wenn sie auf „ESX“/“ESXi“ läuft. Auch Microsoft trauen die meisten Hersteller zu, mit „Hyper-V“ und dem darauf aufbauenden Portfolio einen bedeutenden Marktanteil zu gewinnen.

Richtungswechsel von Red Hat

Neben diesen beiden proprietären Virtualisierungslösungen gibt es nach allgemeiner Einschätzung auch einen Bedarf an zumindest einem Open-Source-Hypervisor. Bis 2008 schien dieser Platz für Xen reserviert. Als Red hat in diesem Jahr Qumranet übernahm, die Firma hinter KVM, begann die Position von Xen zu wanken.

Die Linux-Company kündigte an, sich strategisch auf KVM festzulegen und Xen fallen zu lassen. Auf diesen Kurs schwenkte seitdem die ganze Linux-Community ein, auch wenn sich nicht alle Anbieter so radikal von Xen verabschiedeten. Auch die IBM kündigte die Mitarbeit an Xen auf und trägt nun zur Entwicklung von KVM bei.

Auf den ersten Blick scheint es unverständlich, warum die Linux-Gemeinde eine ausgereifte Technik wie jene von Xen über Bord wirft und auf KVM setzt, das anfangs noch einen erheblichen Entwicklungsrückstand aufwies. Aus der Sicht von Linux-Distributoren scheint dieser Schritt jedoch nachvollziehbar, weil die Integration des Hypervisors mit zusätzlichem Aufwand verbunden war.

Xen erfordert für die privilegierte Domain 0 („Dom0“) einen modifizierten Linux-Kernel, der zudem meist in einer älteren Version benötigt wird als jener, der in der Distribution enthalten ist. Dagegen beruht KVM („Kernel Based Virtual Machine“) auf Erweiterungen des Linux-Kernels, die seit der Version 2.6.20 zu dessen Lieferumfang gehören.

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