CLOUD COMPUTING & VIRTUALISIERUNG Technology Conference 2014

USV ist eine Angelegenheit für Cloud-Macher und Virtualisierer

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Harald Trapp, Software Connectivity Engineer bei Eaton: „Viele kennen die Möglichkeit einer Integration der USV-Anlage in einen Hypervisor gar nicht. “
Harald Trapp, Software Connectivity Engineer bei Eaton: „Viele kennen die Möglichkeit einer Integration der USV-Anlage in einen Hypervisor gar nicht. “ (Bild: Eaton)

Am 11. September beginnt heuer erneut ein kleiner Veranstaltungsreigen der Vogel IT-Akademie zum Thema „Cloud Computing und Virtualisierung“. Mit einem Vortag dabei ist Harald Trapp, Software Connectivity Engineer beim USV-Hersteller Eaton. Das mag verwundern. Doch im Interview erläutert er, wie ausgerechnet unterbrechungsfreie Stromversorgung sich in den Kontext einfügt.

Cloud Computing sollte vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen Vorteile verschaffen, doch diese scheinen sich eher mit den eigenen IT-Mitteln und ihrer Optimierung zu beschäftigen. Was geschieht da?

Harald Trapp: Im Mittelstand herrschen spätestens seit der NSA-Affäre einige Sicherheitsbedenken gegenüber reinen Cloud-Lösungen. Vor allem dann, wenn von Anbieterseite keine Garantie existiert, dass die anfallenden Daten in der Cloud ausschließlich in Deutschland vorgehalten werden.

Viele Unternehmen setzen deshalb schon allein aus Datenschutzgründen auf eigene Lösungen. Diese nutzen zwar Cloud-Technologien wie etwa Desktop-Virtualisierung, jedoch ausschließlich auf unternehmenseigener Hardware in einer Private Cloud. Als Basis dienen dazu oft Converged-Infrastructure-Lösungen, da sie leicht zu integrieren sind und eine hohe Skalierbarkeit bieten.

Begegnen die Anwenderunternehmen dabei Problemstellungen, mit denen sie nicht unbedingt gerechnet haben?

Harald Trapp: Einer der großen Vorteile von „Flexpod“, „EMC VSPEX“ oder auch anderen konvergenten Lösungen ist ja die einfache Integrierbarkeit durch einheitliche Oberflächen und entsprechende Management-Tools. Hinzu kommt: Spezialisierte Lösungsanbieter haben mittlerweile viel Erfahrung beim Roll-out solcher Lösungen, so dass die meisten Problemstellungen vorher schon bekannt sind.

Anders sieht es jedoch bei der Integration der Stromversorgung in die Virtualisierungsebene aus. Hier wird oft noch wichtiges Potenzial verschenkt. Einfach, weil viele Möglichkeiten wie etwa die direkte Integration der Anlage zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) in den jeweiligen Hypervisor, gar nicht bekannt sind.

Flexibilisierung durch virtuelle Maschinen und Service-Orientierung soll die IT-Kosten senken. Wird dabei der Facility Layer, also die Kosten für Klimatisierung, Energie, unterbrechungsfreie Stromversorgung, oftmals vergessen?

Ergänzendes zum Thema
 
Hinweise zur Veranstaltung:

Harald Trapp: Man merkt deutlich, dass das Interesse an Stromspartechnologien, wie etwa dem „Eaton Energy Saver System“ (ESS), steigt. Die Gewichtung des Energieverbrauchs ist jedoch von der Größe der eigenen IT-Landschaft abhängig. Großunternehmen setzen schon seit mehreren Jahren auf globale Energiesparkonzepte, um damit unternehmensweiten Energie-Management-Systemen Rechnung zu tragen und ihren PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) stetig zu verbessern. Im Bereich des Mittelstandes sind es vor allem die steigenden Stromkosten selbst, die das Interesse an einer USV mit möglichst hohem Wirkungsgrad vorantreiben.

Lässt sich Virtualisierung mit einem Konzept zur sicheren Energieversorgung direkt verbinden?

Harald Trapp: Ja, Softwarelösungen wie der Intelligent Power Manager von Eaton ermöglichen heute eine direkte Integration der USV-Technik in den Hypervisor selbst. Wichtige Parameter wie Netzzustand, verbleibende Batteriestützzeit und Lastzustand des USV-Systems stehen damit in der Virtualisierungsebene zur Verfügung und können aktiv genutzt werden, um Wirkungsgrad und Verfügbarkeit zu erhöhen. Gerade Cloud-Umgebungen gewinnen so deutlich an Flexibilität.

Was können solche Lösungen leisten?

Harald Trapp: Grundsätzlich überwachen solche Produkte zunächst einmal sämtliche Komponenten des Stromversorgungssystems, also USVs und Stromverteilungsleisten, und stellen alle wichtigen Statusinformationen in einem Dashboard dar. Über ein System von Software-Agenten können dann Events ausgelöst werden, beispielsweise bei einem Stromausfall.

Zu den häufigsten Anwendungen zählt dabei das gezielte Herunterfahren von weniger wichtigen VMs, um Batteriekapazität für kritische Anwendungen zu gewinnen. Bleibt bei einem Stromausfall das Netz für längere Zeit weg, können einzelne Instanzen auch auf andere Standorte verschoben werden, ohne dass es zu einer Unterbrechung kommt.

Auf welche Dinge sollten Anwender beim Aspekt der sicheren Stromversorgung besonders achten?

Harald Trapp: Bei weitem der größte Teil aller IT-Anwendungen im professionellen Umfeld werden heute virtualisiert bereitgestellt, dies erfordert auch ein Umdenken bei der sicheren Stromversorgung. Will man das volle Potenzial von Cloud-Anwendungen und Virtualisierung nutzen, muss auch das USV-System miteinbezogen werden. Dabei geht es nicht nur um Kostensenkung, sondern in erster Linie um die Minimierung von Ausfallrisiken. Deshalb sollte vor der Planung einer passenden USV-Infrastruktur unbedingt eine Netzanalyse durchgeführt werden.

Der Autor:

Ludger Schmitz ist freier Journalist aus Kehlheim.

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