Migration vs. Cloud-Systeme von der Stange

Über Sinn und Unsinn von Altanwendungen in der Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Nicht jede Applikation eignet sich für die Migration in die Cloud.
Nicht jede Applikation eignet sich für die Migration in die Cloud. (© vallepu - Fotolia.com)

Migrieren oder neu entwickeln? Das sind im Prinzip die zwei Möglichkeiten, bewährte IT-Funktionalitäten in die Cloud zu bringen. Viele Unternehmen verfügen über altbewährte Anwendungen, die nun modernisiert und als Cloud-Services bereitgestellt werden sollen. Stellt sich die Frage: Sollte man diese alte Anwendungen Cloud-fähig machen - oder besser gleich neue Applikationen für die Cloud entwickeln?

Praktisch jedes Unternehmen steht, wenn es sich einmal für den Einsatz einer wie auch immer gearteten Cloud entschieden hat, vor der Frage: Wollen wir unsere bestehenden Anwendungen in eben diese Cloud migrieren – oder uns lieber nach einer Cloud-Lösung von der Stange, gerne als SaaS, entscheiden?

Dieser Frage sehen sich IT-Abteilungen weltweit gegenüber, die entsprechenden Diskussionen laufen erfahrungsgemäß teils sehr hitzig ab. So mancher Entwickler hängt an „seinem“ Baby, Cloud-Evangelisten raten aber nicht selten zu „reinrassigen“ Lösungen. Als dritte Alternative bietet sich eine Neuentwicklung von Anwendungen für die Cloud an.

Das sagen Analysten

Wozu raten bekannte Anaysten? Naturgemäß „kommt es wie so oft im Leben darauf an“, erklärt Heiko Henkes, Director Advisor der Experton Group. Es gelte, verschiedene Faktoren zu berücksichtigen.

In der Regel aber, so der Analyst, sollte man sich nicht zu schnell von seiner einmal etablierten Lösung verabschieden: „Sofern die Anwendung primär für den intern Gebrauch konzipiert wurde, also wenig externe Parteien aus unterschiedlichen Domänen bzw. Systemen zugreifen, und die Anforderungen hinsichtlich Lastaufkommen relativ stabil verlaufen, sowie der Anwenderkreis verhältnismäßig homogen hinsichtlich der Anforderungen an die ‘App‘ ist, der primär stationäre Zugriff ausreicht und kurz- bis mittelfristig wenig Innovationen im Dunstkreis dieser ‘App‘ zu erwarten sind, lohnt eine Migration in den meisten Fällen.“ Je nachdem wie alt die App ist, sei eine Migration allerdings nur als temporäre Lösung für zwei bis fünf Jahre zu sehen.

Auf der anderen Seite könne eine Neuentwicklung langfristig Kosten sparen, eine erhöhte Agilität fördern, den Eintritt in neue digitale Ökosysteme erlauben und auch Sicherheitslücken schließen. „Zudem kann ein neues System mit verbesserter Usability die Produktivität beziehungsweise die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen“, gibt Henkes zu bedenken.

Ein weiterer Grund, der für eine Neuentwicklung spreche, sei das Problem der Portabilität. Diese sei bei alten Anwendungen selten gegeben, so dass sich die Anwender in einer Art Lock-in wiederfänden. „Sandboden- und App-Virtualisierungsmechanismen sind meist nur temporäre Lösungen. Außerdem können moderne IaaS/PaaS-Container ihre Muskeln zur vereinfachten Migration nicht richtig spielen lassen“, so Henkes.

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