Mit Datenbank und Mainframe-Alternativen auf Konfrontation mit IBM und Oracle

Tmaxsoft bietet Re-Hosting von Mainframe-Anwendungen und Oracle-Migration

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die finnische Regierungsbehörde Kela wechselt vom Mainframe zum Re-Hosting mit "Open Frame ", eine Software von Tmaxsoft; im Bild: das Regierungsgebäude in Helsinki.
Die finnische Regierungsbehörde Kela wechselt vom Mainframe zum Re-Hosting mit "Open Frame ", eine Software von Tmaxsoft; im Bild: das Regierungsgebäude in Helsinki. (Bild: Tmaxsoft)

Tmaxsoft ist einer der interessantesten Neuzugänge in Sachen Unternehmenssoftware auf dem deutschen Markt. Denn das 1997 in Südkorea gegründete Unternehmen bietet nun auch hierzulande mit „Tibero“ eine Oracle-kompatible relationale Datenbank zu weitaus günstigeren Konditionen als das Original an und mit „Open Frame“ einen Software Defined Mainframe. Die finnische Behörde Kela zeigt sich begeistert.

Tibero soll eine der leistungsstärksten relationalen Datenbank-Management-Systeme (RDBMS) für virtualisierte Rechenzentren sein. Mit dem Produktangebot, das zu 90 Prozent kompatible zur Oracle-Datenbank ist, adressiert Tmaxsoft direkt die Oracle-Kundschaft, die die Datenbank des Herstellers einsetzt. So soll das Datenbanksystem nur etwa die Hälfte dessen kosten, was Kunden ansonsten für Orcale-Lizenzen ausgeben. Zudem soll das Preismodell transparent und einfach zu verstehen sein und ohne versteckte Extras auskommen.

Wem RDBMS von Oracke zu teuer ist, könnte sich bei Tmaxsoft gut aufgehoben fühlen. Das Release 6 der Software "Tibero" ist für den Einsatz in Big-Data-Umgebungen konzipiert.
Wem RDBMS von Oracke zu teuer ist, könnte sich bei Tmaxsoft gut aufgehoben fühlen. Das Release 6 der Software "Tibero" ist für den Einsatz in Big-Data-Umgebungen konzipiert. (Bild: Tmaxsoft)

Und das Angebot zieht. Nach Angaben des Herstellers sind schon über 150 Kunden von Oracle-Datenbanken auf Tibero migriert, so Tmaxsoft, inklusive Transaktionsverarbeitung, Entscheidungsunterstützung und Big Data. Insgesamt sollen weltweit rund 1.600 Tibero-Implementierungen vorhanden sein; die meisten davon in Süd-Korea, China und Japan.

Migrieren in Rekordzeit

Kunden, die migrieren, kennen sich im Software-Clustering, in den Befehlen, Datentypen und SQL-Erweiterungen aus, weil diese denen in den Oracle-Produkten entsprechen. Darum dauere eine Migration nach Herstellerangaben gerade einmal sechs Wochen im Schnitt.

Die Software lässt sich sowohl on-premises und in der Cloud nutzen. Zu den Partnern, die Tmaxsoft nennen kann, zählen IBM, Amazon Web Services, Red Hat, Hewlett Packard Enterprise, CSC and Infosys. Die Software läuft unter Linux, Windows auf x86-Hardware, unter „AIX“ auf „Power“-Systemen sowie Solaris auf Sparc-Rechnern. Die Software trägt zudem die Kennzeichnung „Vmware Ready“.

Neben des RDBMS bietet Tmaxsoft auch einen Web Application Server an. Die Software „Jeus“ bietet J2EE 1.4-, Java EE 5- und Java EE 6-Zertifizierung und damit erhöhte Sicherheit gegenüber so manchem bekannten Konkurrenzprodukt.

Der Software Defined Mainframe

Das Versprechen: Legacy-Rehosting mit Open Frame ermöglicht „die Migration aller Anwendungen, Ressourcen und Daten von Mainframe-Systemen auf ein kostengünstigeres, hochleistungsfähiges Open- oder Cloud-System bei minimalem Migrationsrisiko und effektiver TCO-Reduzierung“.

Die Software von Tmaxsoft steht nun ebenfalls Unternehmen im deutschsprachigen Markt zur Verfügung und soll ihnen dabei helfen, ihre Legacy-Anwendungen in eine Open-Systems-Umgebung zu migrieren. Diese Migration sei für die Unternehmen interessant, die Standard-Hardware als wirtschaftlichere Alternative nutzen wollten, zugleich aber auf die auf typische Mainframe-Eigenschaften hinsichtlich Sicherheit, Performance und Zuverlässigkeit nicht verzichten möchten.

Thomas Hellweg, Vice President und Geschäftsführer DACH-Region bei Tmaxsoft, äußert auch gerne einnmal Spitzen gegen Oracle und Mainframe-IBM.
Thomas Hellweg, Vice President und Geschäftsführer DACH-Region bei Tmaxsoft, äußert auch gerne einnmal Spitzen gegen Oracle und Mainframe-IBM. (Bild: Tmaxsoft)

Denn die Vorzüge des Mainframe lägen im Widerstreit mit den Kosten für die Bereitstellung und Wartung von Assets, Applikationen und Daten. Allein in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) bewegten sich diese sich im zweistelligen Milliardenbereich.

Die Kunden

Vor diesem Hintergrund bietet Tmaxsoft ab sofort einen Software defined Mainframe. Den Begriff teilt sich das koreanische Unternehmen mit LZlabs aus der Schweiz. „Doch im Gegensatz zu deren Angebot“, führt Thomas Hellweg aus, Vice President und Geschäftsführer DACH bei Tmaxsoft in München, „ist unsere Software bereits vielfach im Einsatz - bei Unternehmen, Behörden und Verwaltungsorganisationen.“ (siehe dazu auch: Ein neues Universum für Mainframe-Anwendungen, Die Kunst des „Re-Hosting“) Zu den Open-Frame-Kunden gehören die finnische Behörde Kela, GE Capital, Citi, Samsung, McDonalds, Wells Fargo und Hyundai.

Die Kunst des „Re-Hosting“

Ein neues Universum für Mainframe-Anwendungen

Die Kunst des „Re-Hosting“

17.07.17 - Bei einer „Re-Hosting“-Migration von Mainframe-Applikationen könnte schnell und unkompliziert stattfinden, wenn der Anwendungscode nicht geändert werden müsste. Das ist die These. Und so soll das funktionieren: lesen

Als ein wesentliches Leistungsmerkmal liefert Open Frame ein Set an Werkzeugen zur automatischen Konvertierung von Daten und Geschäftslogik, die ursprünglich in Cobol, PL/1 oder Assembler programmiert wurden. Dadurch ist bei der Migration weder eine Modifizierung der Programmcodes noch eine Neu-Programmierung von APIs (Advanced Programming Interface) zur Verschmelzung der physikalischen Infrastruktur mit digitalen Aktionen erforderlich.

Diese Eigenschaft reduziere den Aufwand, die Kosten und das Risiko der Konvertierung für Anwender signifikant und begrenzt Projektlaufzeiten auf sechs bis 18 Monate, wirbt der Hersteller. Darüber hinaus könnten künftige Anwendungserweiterungen in der modernen Umgebung mit heute üblichen Programmierkenntnissen umgesetzt werden.

Tmaxsoft bietet Anwendern verschiedene Optionen zur vollständigen oder teilweisen Mainframe-Ablösung. Auch einzelne Applikationen, wie etwa Core Databases, können vom Mainframe abgetrennt werden, um Administrationskosten einzusparen und den Aufbau eines virtulaisierten Datacenter zu forcieren.

Die Einsparungen

Hellweg sagt: „Unsere Kunden rund um den Globus bestätigen eine deutlich bessere Performance im Vergleich zu Mainframe Transaktionsprozessen bei gleichzeitiger Reduzierung der Gesamtbetriebskosten in einer Größenordnung um 50 Prozent. In nahezu allen Kundenprojekten hat sich die Investition in die Legacy Modernisierung mit Open Frame innerhalb von 24 Monaten amortisiert.“

Der Anwendungsfall Kela

Bei der bei der finnischen Behörde für Sozialleistungen Kela liegen die Einsparungen noch deutlich höher. Tmaxsoft Open Frame ermögliche 75 Prozent Kostenersparnis.

Wie andere auch suchte die Verwaltung nach einer Möglichkeit, ihre Mainframe-Infrastruktur zu modernisieren, da diese immer teurer und schwieriger zu warten wurde und nach eigner Einschätzung der Digitalisierung im Wege stand. Zugleich war ihr jedoch wichtig, die Performance und Stabilität eines Mainframes für die sensiblen und hochvolumigen Transaktionen beizubehalten.

Kela will x86-Server statt Mainframes.
Kela will x86-Server statt Mainframes. (Bild: Tmaxsoft)

Kela trägt die Verantwortung für die Zuteilung von Sozialversicherungsleistungen, einschließlich Renten, Kranken- und Wohngeld sowie Krankenversicherungen. Dazu verwaltet die staatliche Organisation rund 40 verschiedene Leistungszahlungen und zahlt jährlich rund 14 Milliarden Euro an finnische Staatsbürger aus.

Das Kernelement der IT-Infrastruktur bei Kela war seit Jahrzehnten ein Mainframe – einer der größten in ganz Skandinavien. Markku Suominen, ICT Director bei Kela, beschreibt jedoch den wachsenden Unmut: „Der Betrieb unseres Mainframes hat uns rund 8 Millionen Euro im Jahr gekostet – Tendenz steigend. Hinzu kommt ein zunehmender Mangel an Fachkräften, die Mainframes betreuen können. Die Technologie gilt als veraltet, so dass Nachwuchskräfte nicht mehr für diesen Bereich geschult werden.“ Die somit inflexible Infrastruktur habe die Organisation insbesondere darin behindert, die Online- und Digital-Services weiterzuentwickeln.

10 Millionen Zeilen PL1-Code

Ein komplettes Re-Engineering der Applikationen für eine neue Umgebung war keine praktikable Option. Denn die Programme und Datenbanken, die auf dem Mainframe liefen, umfassten weit über 10 Millionen Zeilen PL1-Code. Um diese Menge an Neuprogrammierung zu bearbeiten, gab es nicht nur zu wenige Ressourcen bei Kela, es wäre auch eine sehr demotivierende, nicht endende Aufgabe für jeden Programmierer gewesen.

In Zusammenarbeit mit dem lokalen Systemintegrator CGI entschied sich Kela aus somit für ein Rehosting seiner Programme und Datenbanken auf Open Frame von Tmaxsoft. Denn damit werden die Programme und Datenbanken mehrstufig 1:1 in eine x86-Umgebung migriert. Für Kela war es entscheidend, dass die CICS-Programme (CICS = Customer Information Control System), die hochvolumige Online-Transaktionen verarbeiten, ohne großen Aufwand in die neue Umgebung verlagert wurden.

Das Open-Frame-Model im Schema
Das Open-Frame-Model im Schema (Bild: Tmaxsoft)

Tatsächlich bietet Open Frame Web-Server, Web-Applikations-Server, Mainframe-Level-Sicherheitsfunktionen sowie Tools zur weitgehend reibungslosen Datenmigration. Darüber hinaus erkennen Analyse-Tools „toten“ oder fehlerhaften Code. Ein Test-Tool hilft dabei sicherzustellen, dass Software und Anwendungen auch nach der Migration funktionsfähig sind.

Der Anwender ist angetan

Suominen äußert sich begeistert: „Beim Wechsel vom Mainframe zu der neuen gehosteten Umgebung mit Tmaxsoft, gewinnt man etwas, das wir bei keiner anderen Lösungen gesehen haben. „Mit dem Rehosting auf OpenFrame können die Mitarbeiter genauso weiterarbeiten, wie sie es gewohnt sind – mit der gleichen Terminologie und auf gewohnten Oberflächen. Darüber hinaus sind wir in der Lage, den Code problemlos weiter zu pflegen.“

"OF Studio", die Programmierumgebung von Tmaxsoft auf Basis von Eclipse.
"OF Studio", die Programmierumgebung von Tmaxsoft auf Basis von Eclipse. (Bild: Tmaxsoft)

Bei der Arbeit mit Open Frame haben die Programmierer die Wahl, mit einem klassischen 3270 Interface zu arbeiten, so dass sich die Mainframe-Spezialisten nicht umstellen müssen, oder mit einem GUI für die Nicht-Mainframe-Experten. Die auf Eclipse basierende Programmierumgebung von Open Frame, „OF Studio“, erleichtert die Programmierung und Pflege des Codes und sorgt für eine hohe Akzeptanz.

Nach Abschluss des Rehosting erwartet Kela eine Senkung der Mainframe-Betriebskosten von 8 Millionen Euro im Jahr auf 2 Millionen Euro.

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