Das betriebssichere Rechenzentrum

Stresstests für das digitale Herz

| Autor / Redakteur: Manfred Thieben* / Susanne Ehneß

(Bild: Oleksiy Mark - Fotolia)

Ausfallsichere Rechenzentren sind für Behörden und öffentliche Einrichtungen genauso wichtig wie für die Privatwirtschaft. Ein ernster Störfall beeinträchtigt unmittelbar das Verhältnis der Verwaltung zu ihren Bürgern und kann auch sensible und persönliche Daten betreffen. Die Experten von TÜV Rheinland decken Schwachstellen in der Betriebssicherheit von Rechenzentren auf.

Wer ins Bürgeramt geht und abgewiesen wird, weil die IT nicht funktioniert, ärgert sich zu Recht. Umso mehr in einer Stadt wie Berlin, wo freie Termine rar sind.

Genau das passierte an einem Vormittag im August: Ein Stromausfall in einem Rechenzentrum legte das Computersystem in den Verwaltungen und Ämtern der Hauptstadt lahm. Viele Bürger, die an diesem Tag ihr Auto anmelden oder einen neuen Pass beantragen wollten, hatten Pech. Teile der Gerichte sowie Feuerwehr und Polizei waren ebenfalls betroffen.

Der Schaden hielt sich glücklicherweise in Grenzen: Am Nachmittag war das Problem behoben, Daten gingen nach offiziellen Angaben nicht verloren. Dennoch hinterlässt der Vorfall ein ungutes Gefühl. Was, wenn beim nächsten Mal persönliche Daten gelöscht werden, wenn Gesundheitseinrichtungen oder Energieversorger betroffen sind, wenn ­Polizei und Feuerwehr über einen längeren Zeitraum nicht richtig arbeiten können?

Zusammenspiel vieler Disziplinen

Genauso wie private Unternehmen müssen Behörden und öffentliche Institutionen gewährleisten, dass ihre Rechenzentren ausfallsicher sind – und damit zukunftsfähig. Denn die digitale Vernetzung und die Weiterentwicklung der Informationstechnologie schreiten rasant voran.

Wer seine IT-Struktur nicht dafür rüstet und die Sicherungsmaßnahmen anpasst, riskiert Systemausfälle. Bei TÜV Rheinland kümmert sich das Team „Datacenter Services“ seit Jahren um die Betriebssicherheit von Rechenzentren. Sechs erfahrene Experten decken alle themenrelevanten Disziplinen ab: Elektro- und Klimatechnik, Brand- und Einbruchschutz, Architektur, Organisation und Prozess-Management.

Für die Bewertung eines Rechenzentrums existieren unterschiedliche internationale Normen, etwa DIN EN ISO 50600, Uptime und TIA 942. Anhand der dort festgelegten Vorgaben und eigener Best-Practice-Erfahrungen haben die Spezialisten von TÜV Rheinland den Kriterienkatalog „Betriebssicheres Rechenzentrum“ entwickelt.

Dieser versteht sich als praktikabler Standard, der insgesamt 19 Anforderungen für den Bau eines Rechenzentrums beschreibt. Dafür betrachtet er alle sicherheitskritischen Bereiche, darunter „Elektrische Versorgung“, „Klimaversorgung“, „Gebäudeleittechnik“ und „Wartung".

Anforderungen klar definieren

Die IT unterliegt einem ständigen Wandel, deshalb ist vorausschauendes Handeln beim Aufbau eines Rechenzentrums enorm wichtig. Denn sonst drohen durch aufwendige Umbauten hohe Folgekosten. Wichtige Fragen sind:

  • Was soll das Rechenzentrum in den nächsten fünf bis zehn Jahren leisten können?
  • Ist mit Branchenauflagen oder Compliance-Vorgaben zu rechnen?
  • Welche Zertifizierung ist gefordert?

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