Donald Trump ist unser bester freier Mitarbeiter

Spacenet plant das fünfte Rechenzentrum groß

| Autor: Ulrike Ostler

Ende dieses Jahres oder im Frühjahr 2018 wird der erste Bauabschnitt des neuen Spacenet-Rechenzentrums seinen Betrieb aufnehmen können.
Ende dieses Jahres oder im Frühjahr 2018 wird der erste Bauabschnitt des neuen Spacenet-Rechenzentrums seinen Betrieb aufnehmen können. (Bild: Spacenet Datacenter)

Im Februar dieses Jahres war der erste Spatenstich für das fünfte Rechenzentrum des bayersichen Hosting-Unternehmens Spacenet. Unter der Firmierung „Spacenet Datacenter GmbH & Co. KG“ (SDC) plant das Unternehmen 5.600 Quadratmeter Whitespace für Co-Location und Hosting. Spacenet-Vorstand Sebastian von Bomhard erwartet gute Geschäfte und Hilfe vom US-Präsidenten.

Der Bedarf an Hosting-Flächen in Deutschland steigt. Obwohl der IT-Flächenbedarf von 2010 bis 2016 deutlich gesunken ist, etwa wegen des Moorschen Gesetzes, hat sich die IT-Fläche in deutschen Rechenzentren um über 28 Prozent erhöht und der Gipfel scheint noch nicht erreicht. Von Bomhard führt unter anderem die Gründe dafür im Interview mit DataCenter-Insider aus.

Reichen Ihnen die bisherigen Rechnerräume für das Spacenet-Geschäft nicht mehr oder wollen Sie Ihre Datacenter konsolidieren?

Sebastian von Bomhard: Wir planen in Kirchheim-Heimstetten ein Rechenzentrum, das im Endausbau 5.600 Quadratmeter Whitespace, verteilt auf zwei Stockwerke, haben soll. Das ist schon einmal eine Größenordnung, die nicht jeder zur Verfügung hat. Die Spacenet AG wird dort Kunde sein, aber wir halten das Datacenter für jeden offen, der einziehen will – selbst für unsere größten Mitbewerber – das ist im Übrigen nichts Neues, das halten wir in den anderen Rechenzentren ebenso.

Insofern bietet das Rechenzentrum zunächst einmal zusätzliche Fläche und bedingt keine Auflösung existenter Standorte. Allerdings kann es in Zukunft schon einmal sein, dass die Rechenzentrumsausstattung veraltet und sich eine Renovierung nicht mehr lohnt.

Warum planen Sie so groß? Wie viel müssen Sie investieren und wann tritt der RoI ein?

Sebastian von Bomhard: Erstens handelt es sich um ein modulares Konzept. Die erste Ausbaustufe wird vermutlich um Weihnachten herum, aber spätestens im Januar, fertig sein. Der RoI hängt somit nicht nur von der tatsächlichen Belegung, sondern auch von der Schnelligkeit der anderen Ausbaustufen ab. Aber tatsächlich hängt die Wirtschaftlichkeit von der Skalierung ab. Dann können wir einen niedrigen PUE-Wert von 1,25 erreichen.

Wird das Rechenzentrum zügig ausgebaut, also mit der Ausstattung, die jetzt State-of-the-Art ist, geben wir rund 60 Millionen Euro aus.

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Über Sebastian von Bomhard

E-Shelter eröffnet bald sein neues Rechenzentrum in München, Noris Network ebenso, EMC Hostco verdreifacht seine Kapazität … aber Sie sind sich sicher, dass sich die Investition rechnet.

Sebastian von Bomhard: Dahinter steckt die Frage: Warum bauen wir ein eigenes Rechenzentrum? Erstens brauchen wir uns nicht damit auseinandersetzen, ob es den Vermieter, den wir benötigten, auch morgen und übermorgen noch gibt. Zweitens hat Spacenet die Möglichkeit zu wachsen. Spacenet hat ein breites Angebot für die mittelständische Wirtschaft,das das Unternehmen fast immer begünsigt: Geht es der Wirtschaft schlecht, gehen die Unternehmen verstärkt ins Outsourcing und Spacenet verdient. Geht es der Wirtschaft gut, investieren die Unternehmen, so dass Spacenet auch hier profitiert. Aber klar: Spacenet kann sich nicht ausruhen und dazu gehört der Ausbau der Rechenzentrumskapazität.

Denn kaum ein Unternehmen baut noch selbst ein Rechenzentrum. Zum Beispiel braucht es dafür hoch spezialisierte Zulieferer und Auftragnehmer, die es im Markt kaum gibt. Sodann spielt der Faktor Skalierung eine bedeutsame Rolle, wie schon gesagt, und vor allem die Betriebskosten dank des außerordentlich hohen Strompreises.

Und dann spielt die zunehmende Digitalisierung eine zentrale Rolle. Sie erhöht den Bedarf an zentral zur Verfügung gestellter Rechenleistung in externen Datacenter enorm. Bis jetzt hat der Eigenbetrieb von Rechenzentren für den Mittelstand eine hohe Bedeutung. Laut Ralph Hintemann vom Borderstep Institut halten noch 93 Prozent der IT-Verantwortlichen den Betrieb eigener RZ-Infrastrukturen für wichtig. Das aber wird sich radikal ändern.

Sebastian von Bomhard, Vorstand der Spacenet AG.
Sebastian von Bomhard, Vorstand der Spacenet AG. (Bild: Spacenet AG)

Intelligente Kühlsysteme und Virtualisierung sind in externen Rechenzentren einfach energieeffizienter. Zudem werden immer mehr Prozesse ausgelagert. Als Beispiel will ich die Änderungen im Gesundheitswesen nennen. Hier ist auszumachen, dass Bedenken und Widerstände des Personals gegen die Digitalisierung sinken. So stimmen laut einer Studie der Inverto GmbH fast 90 Prozent der Krankenhausmitarbeiter zu, dass der Nutzen einer Digitalisierung die Risiken übertrifft. Durch das E-Health-Gesetz, das ab Mitte 2018 wirksam werden soll, gibt es auch die gesetzliche Grundlage für eine sichere digitale Infrastruktur der Gesundheitsversorgung: Bundesweit werden dann alle Arztpraxen und Krankenhäuser angeschlossen. Hier wir alles an RZ-Fläche gebraucht, was verfügbar ist.

Das Beispiel Industrie 4.0 beziehungsweise IoT ist ohnehin in aller Munde: 50 Millionen Geräte werden laut Gartner in den kommenden fünf Jahren vernetzt.

Bedeutet diese Entwicklung für Spacenet eine andere IT-Ausstattung? Bauen Sie wie OVH die Server selbst oder ziehen Sie gar Asics von Canaa in Erwägung?

Sebastian von Bomhard: Wir bauen die Rechner nicht mehr selber. Jemand, der waschen will, baut ja auch keine Waschmaschine. Für Kryptowährungs-Mining genau wie für das HPC-Computing braucht man diese oder vergleichbare vergleichsweise günstigen aber spezialisierten Number-Cruncher. Doch unser Geschäft basiert hauptsächlich auf Storage.

Tatsächlich aber verbrauchen diese über den Daumen gepeilt momentan ein Drittel des Energiebedarfs der IT in Rechenzentren. Während der Strombedarf der Server in Deutschland im Jahr 2016 um knapp 4 Prozent angestiegen ist, hat sich der Energiebedarf der Storage-Systeme in demselben Zeitraum um fast 7 Prozent erhöht.

Das neue Spacenet-Rechenzentrum wir nach der DIN EN 50600 und gemäß ISO 27001 gebaut.
Das neue Spacenet-Rechenzentrum wir nach der DIN EN 50600 und gemäß ISO 27001 gebaut. (Bild: Spacenet AG)

Da müsste sich etwas tun? Für welche Dichte planen Sie?

Sebastian von Bomhard: 1,5 Kilowatt pro Rack. Übrigens wird mit insgesamt 3 Milliarden Kilowattstunden nach wie vor sehr viel Energie für die Klimatisierung in Rechenzentren benötigt. Im Jahr 2020 wird insgesamt mit einem Energiebedarf von 14.3 Kilowattstunden gerechnet. Unsere sehr hohen Strompreise, die schon vor der EEG-Umlage hoch waren, und jetzt noch mehr, sorgen bei so manchem Datacenter-Betreiber für Kopfzerbrechen.

Aber Sie legen doch die Preise, zumindest beim Co-Location über die Flächennutzung auf die Kunden um.

Sebastian von Bomhard: … sofern die Kunden meine Kunden sind. Denn ist ihnen der Preis zu hoch, gehen sie womöglich dorthin, wo der Strom günstiger ist und pfeifen auf den viel gepriesenen Datenschutz hierzulande.

Und das Sicherheitsbedürfnis ist nach wie vor hoch. Für drei Viertel der deutschen Unternehmen ist es bei der Nutzung von Cloud-Diensten ein Muss, dass die Rechenzentren in Deutschland betrieben werden. Die Datenschutzverordnung der EU, die „DSGVO“, die im Mai 2018 in Kraft gesetzt wird, dürfte die Entwicklung noch beeinflussen.

Und dann gibt es in den USA noch unseren „besten Mitarbeiter“: Donald Trump. Der US-Präsident hat nämlich zu Beginn seiner Amtszeit per „Executive Order“ das EU-US-Privacy-Shield gekündigt. Er hat Behörden wie CIA und FBI dazu aufgefordert, bei Ausländern nicht mehr denselben Schutz der Privatsphäre gelten zu lassen wie bei US-Bürgern. Als ich das hörte, habe ich im Geist einen Sekt aufgemacht.

Warum wird das neue Rechenzentrum in Kirchheim stehen?

Sebastian von Bomhard: In München selbst wird der Platz knapp und er ist zudem teuer. In Kirchheim gibt es eine drei Meter dicke Kiesschicht, die verhindert, dass das Rechenzentrum bei Wetterkatastrophen unversehens im Wasser steht. Sodann war der Gemeinderat aufgeschlossen. Das ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Für so manchen ist das Internet der „böse rechtsfreie Raum“, den sie nicht beherbergen wollen.

Zudem werden wir, wie das umgebende Gewerbegebiet ausreichend mit Strom versorgt, die Internet-Austauschknoten ALP-IX und INXS MUC sind dank unserer eigenen Dark-Fibre-Verkabelung quasi um die Ecke.

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Ich hoffe die 3Milliarden kW/Std die ja zu 80 % in Wärme umgewandelt werden, werden als Fernwärme...  lesen
posted am 17.05.2017 um 11:00 von AlexW


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