Managed IT Infrastruktur

Rackspace eröffnet erstes Rechenzentrum in Deutschland

| Autor: Ulrike Ostler

Bei voller Auslasung des Rackspace-Rechenzentrums in Frankfurt am Main werden 1.200 Server werkeln. Nicht im Angebot: Public Cloud von Rackspace, aber Managed Multi-Cloud mit Anbindung von AWS, Azure und alsbald auch Google Cloud Platform.
Bei voller Auslasung des Rackspace-Rechenzentrums in Frankfurt am Main werden 1.200 Server werkeln. Nicht im Angebot: Public Cloud von Rackspace, aber Managed Multi-Cloud mit Anbindung von AWS, Azure und alsbald auch Google Cloud Platform. (Bild: Rackspace)

Noch hat Rackspace Public-Cloud-Kunden, doch die möchte der Anbieter, der heute „Managed Hybrid Cloud Hosting“ offeriert, am liebsten los werden. Die eigenen Datacenter bieten auf der Basis von OpenStack, AzureStack und VMware Private Cloud sowie Services zur Bewältigung der Komplexität und Kosten bei der Verwaltung von AWS, Azure und der Google Cloud Plattform. Jetzt betreibt Rackspace ein Rechenzentrum in Frankfurt am Main.

Der Co-Locator, mit dem Rackspace weltweit und demnach auch in Frankfurt am Main zusammenarbeitet, ist Digital Reality. Damit betreibt Rackspace weltweit zwölf Rechenzentren: 114.000 Server, mehr als 50.000 Virtuelle Maschinen und rund 70 Petabytes an Daten. Nach eigenen Angaben reagiere das Unternehmen damit auf die sich verändernden Anforderungen von Kunden angesichts der gehobenen Datenschutzbestimmungen in der EU und der Schweiz.

Das sind die Leistungsdaten des IT-Dienstleisters Rackspace.
Das sind die Leistungsdaten des IT-Dienstleisters Rackspace. (Bild: Rackspace)

Darüber hinaus sehe Rackspace derzeit in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) das größte Wachstumspotenzial; in Großbritannien sei man schon „sehr stark“ vertreten. Der Markt, an den sich das hiesige Angebot richtet, gibt Alex Fürst, Vice President DACH bei Rackspace, mit (gehobenem) „Mittelstand“ und „Kunden mit multinationalem Workload“ an. Der Fokus liege auf „vollständig verwaltete VMware- und Azure-Umgebungen“; denn diese seien hierzulande hauptsächlich vertreten. Bare-Metal-Umgebungen würden hingegen gar nicht nachgefragt.

Darüber hinaus soll ein Team von lokal ansässigen Rackspace-Experten, genannt „Racker“, die Kunden im Umgang mit den Hyperscale-Clouds von Amazon Web Services (AWS) Microsoft Azure und Google Cloud Platform beraten und unterstützen. Elf Racker arbeiten am Rechenzentrumsstandort in Frankfurt am Main und 15 in München.

Hier werden aktuell weitere Service-orientierte Kräfte gesucht. „Wir wollen Leute, die das Potenzial haben, Experten zu werden, aber im Dienstleistungsgedanken verankert sind", beschreibt Fürst geeignete Kandidaten. “

Dazu sollen, anders als in anderen Erdregionen, Partner aus dem Channel und aus Systemhäusern kommen, die bereits traditionell in Kontakt mit den Kunden stehen, zum Beispiel für den Service rund um SAP-Anwendungen, speziell für „SAP HANA“. Den Anfang sollen „Individualisierte Partnerschaften“ machen.

Reinhard Waldinger kümmert sich um Accounting, Finance, Business Services und Supply Chain für das internationale Rackspace-Geschäft, kümmert sich um Kunden, Racker, wie sich die Rackspace-Mitarbeiter nennen, und um die Aktionäre.
Reinhard Waldinger kümmert sich um Accounting, Finance, Business Services und Supply Chain für das internationale Rackspace-Geschäft, kümmert sich um Kunden, Racker, wie sich die Rackspace-Mitarbeiter nennen, und um die Aktionäre. (Bild: Rackspace)

Um zu verstehen, was Rackspace auch hierzulande, unterstützt mit eigenem Rechenzentrum anbietet, muss man verstehen, an welchem Punkt der Cloud-Nutzung die Kunden stehen. Häufig sähen sich die Unternehmen mit Vorstandsbeschlüssen konfrontiert, die sich zusammenfassen lassen mit: „Wir gehen in die Cloud.“ Kommen die ersten Rechnungen, kommt auch oftmals der Schreck: „Die Kunden verstehen die AWS-, Azure-Rechnung nicht. Sie wissen nicht wofür sie überhaupt und warum sie so viel zahlen“, so Waldinger. „Wir helfen ihnen dabei, die Rechnungen zu verstehen und im zweiten Schritt die Anwendungen so zu optimieren, dass die Beträge kleiner werden. “

Fürst ergänzt: „Wir wollen die Kümmerer sein.“ Und das ist ein umfassender Anspruch. Früher habe Rackspace etwa den Support für das VMware geboten, also Managed VMware, jetzt biete das Unternehmen den Support innerhalb der VMware-Tools an, also Managed Software Defined Datacenter (SDDC).

Ein weiterer großer Bereich soll Managed Security sein und das Angebot von Enterprise-Anwendungen zu verwalten. Das wird insbesondere durch die Akquisition von Tricore Solutions möglich, die im Juni dieses Jahres erfolgte. Das Unternehmen war spezialisiert auf Management-Tools für das Enterprise Resource Planning (ERP) und Business Analytics etwa von SAP und Oracle.

Die Tools

Außerdem gehörten zum Service-Umfang Angebote zur Unterstützung der IT-Transformationen, inklusive eines Cloud-Ready-Assessments und einer Kalkulation der Kosten. Zunehmend dächten die Kunden nicht nur über die Verteilung in verschiedene Verfügbarkeitszonen nach, sondern auch über verschiedene Clouds.

Darüber hinaus bietet Rackspace Software und Tooling für das Management der Cloud, der Clouds an, etwa für das Batch-Management und zur Skalierung. Die Hauptprodukte aus dem Hause Rackspace werden mit „Aviator“ und „Navigator“ bezeichnet.

Während Aviator das Werkzeug für Kunden einer vollends durch Rackspace verwalteten Cloud ist, eignet sich Navigator für die Kunden, „die selber am Steuer sitzen wollen“. Nach Angaben des deutschen Rackspace-Chef Fürst entscheiden sich generell über 85 Prozent der Kunden für Aviator, in Deutschland: alle Kunden. Navigator ist für viele attraktiv, weil sie so an die Verwaltungs-Tools gelangten. Über eine Partnerschaft mit Servicenow wird demnächst auch die IT Service Management (ITSM) Software „Snow“ verfügbar sein.

Pfui Spinne!

Außerdem ist nicht jede Cloud für jeden Anwendungsfall geeignet. Viele Einzel- und Großhändler und nicht nur seit Kurzem Walmart, haben ohnehin Vorbehalte gegenüber Amazon Web Services, wie Waldinger und Fürst berichten. Für Mittelständler scheint generell Microsoft Azure attraktiv zu sein. Für Kunden mit „New Age Technology", hingegen Google.

Das Unternehmen, das derzeit von Analysten und auch von Konkurrenten als das innovativste überhaupt angesehen wird, zieht Anwendungen an sich, die schnell auf den Markt gelangen sollen, aber auch KI-Applikationen, Machine-Learning- und Self-Healing-Anwendungen. Die Kunden müssen über das Tempo, das Google vorlegt, mithalten wollen. Immerhin gebe es fast täglich neue Services, so die Rackspace-Manager.

So sei Google auch mit dem Ansinnen, Rackspace möge Managed Cloud Services auch für die Google Cloud Platform anbieten, auf das Unternehmen zugekommen, nicht umgekehrt, erläutert Waldinger. „Google denkt nicht über den Mittelstand nach. Google will entwickeln.“

Die Abkehr von der Public Cloud

Mit dieser Art der Geschäftsentwicklung aber habe Rackspace nicht mithalten können, holt er weiter aus, um die Rackspace-Abkehr vom Public-Cloud-Geschäft zu begründen. Zwar habe das Unternehmen zu Spitzenzeiten selbst an die 1.000 Entwickler beschäftigt, „doch wir haben erkannt, dass wir auf diesem Gebiet nicht die Besten sind. Da muss man einfach den Hut vor solcher Innovationskraft ziehen.“ Zudem stecke hinter den Firmen AWS, MS und Google viel mehr Geld. Gerade Google gründe quasi schon als Hobby neue Firmen.

Allerdings seien die Rackspace-Public-Cloud-Kunden „happy“ und wollten nicht weg. „Das ist für uns ein kleines Problem", sagt Waldinger, da Rackspace in einen Bereich investieren müsse, der an sich nicht weiterentwickelt werden soll.

Das Rechenzentrum in Frankfurt

Kein Wunder also, dass es in Frankfurt keine Public-Cloud-Instanzen einer Rackspace-Cloud-geben wird. Das Rechenzentrum in Frankfurt umfasst eine Fläche von 283 Quadratmetern, „so groß wie ein Tennisfeld“, so Rackspace, die Kabellänge beläuft sich auf 6.642 Meter – das entspricht 1.5 mal der Skyline von Frankfurt-Airport. Zum Aufbau hat Rackspace 4 Monate benötigt,mehr als 2.880 Arbeitsstunden.

Platz ist für mehr als 1.200 Server, gestapelt entspräche das in etwa der Höhe des „Winx Tower“. Das Datacenter genügt den Zertifizierungen ISO 9001, ISO 27001, SSAE16 und ISAE 3402. Im vollen Ausbau und unter voller Last ist das Datacenter für 2 Megawatt ausgelegt. Die Ausbaukapazitäten habe sich Rackspace bereits gesichert, sagt Fürst.

Noch im Juli wurde der erste Bauabschnitt des Rechenzentrums eröffnet und Rackspace kann bereits eine Auslastung zu 60 Prozent vorweisen. Das entspreche etwa der Belegung von 80 Schränken und einer Leistungsaufnahme von rund 240 Kilowatt.

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