Typischen Mängeln im Datacenter auf der Spur

Praxistipps für einen sicheren Betrieb von Rechenzentren

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Kabelsalat gehört in kein Rechenzentrum.
Kabelsalat gehört in kein Rechenzentrum. (Bild: © tournee - Fotolia)

Nichts hilft so sehr wie der Augenschein: Fehler fallen auf, vor Ort können Verbesserungsvorschläge entwickelt werden. Die folgenden Tipps stammen von Praktikern und wurden bei Rechenzentrumsbegehungen durch Mitglieder des Uptime Institute entwickelt.

The Uptime Institute, bekannt als Erfinder der „Tier“-Zertifikation (), hat sich inzwischen zu einer Autorität in Sachen Rechenzentrumsbetrieb entwickelt. Die Einrichtung bietet Datacenter, die ihr angehören, regelmäßig gemeinschaftliche Begehungen von Mitglieds-Rechenzentren durch andere Mitglieder an.

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01.07.16 - Das US-Beratungs-, Schulungs- und Zertifizierungsunternehmen The Uptime Institute expandiert in Europa. So will man mehr europäische und insbesondere deutsche Rechenzentrumskunden von den eigenen Angeboten überzeugen. Mit dem Brexit hatte man allerdings nicht gerechnet, als das EMEA-Hauptquartier nach London gelegt wurde. lesen

Dabei können die Besucher Lob, aber auch Kritik äußern. Die gesammelten Erkenntnisse dokumentiert und veröffentlicht Uptime. Die folgenden Tipps und Tricks stammen aus diesem Fundus.

Der Betrieb des IT-Equipment bietet viele Gelegenheiten, Fehler zu machen. So wird dringend angeraten, regelmäßig die Unterböden der Rechnerräume aufzuräumen und zu säubern – wer dort dicke Kabelwürste ablegt, muss sich über schlechte Durchlüftung nicht wundern.

Nicht von Pappe

Pappe sollte in kritischen Räumlichkeiten am besten gar nicht herumliegen. Besucher der Rechnerräume und anderer kritischer Räumlichkeiten sollte man in die häuslichen Regeln und Gepflogenheiten einweisen und entsprechend zertifizieren.

An kritischen Systemen haben unbegleitete Externe nichts zu suchen. Schichtwechsel müssen nach bestimmten Regeln erfolgen, so dass der neuen Schicht alle wichtigen Informationen zu den Systemen bekannt sind.

Die Schienen, in denen Leitungssysteme (elektrisch und kommunikativ) verlaufen, müssen weit genug voneinander entfernt sein, um ein Überspringen von Problemen von Primär-auf das Sekundärsystem zu verhindern.

Viele Mängel im Rechenzentrum lassen sich tatsächlich schon bei Augenschein erkennen. Und trotzdem kommen einige Fehler immer wieder vor.
Viele Mängel im Rechenzentrum lassen sich tatsächlich schon bei Augenschein erkennen. Und trotzdem kommen einige Fehler immer wieder vor. (Bild: © Tino Hemmann - Fotolia)

Der Kampf mit den Kabeln

Netzwerkkabel aus Glasfaser sollte man nur mit ausreichend weit gebogenen Trägersystemen um Ecken führen. Wer hier Platz spart, riskiert Leistungsverluste. Wer Kupferkabel an- oder zusammenbindet, sollte auf ausreichend Spiel achten, sonst drohen auch hier Performance-Einbußen.

Viele Fehler kann man bei der Luftführung und Temperierung machen. So haben perforierte Bodenkacheln im Warmgang nichts zu suchen, tauchen aber dort häufig auf.

Lücken in Racks müssen abgedeckt werden, damit sich warme und kalte Luft nicht mischen. Die Klima-Anlage muss in erster Linie die Qualität der zuströmenden, nicht der abgesogenen Luft kontrollieren. Verstellbare Gitterroste sollen optimal eingestellt sein – oft stehen sie sperrangelweit auf.

Technik ist nicht alles

Noch immer werden die erlaubten Temperaturgrenzen für die Luft im Rechenzentrum nach oben nicht ausgeschöpft, was energetischen Aufwand verursacht. Auch Kühlwasser dürfte meist wärmer sein als es ist.

Die Luftfeuchtigkeit muss nicht völlig starr auf einem bestimmten Wert verharren, sondern darf sich in gewissen Grenzen auf und ab bewegen, Eingriffe sind nur in der Nähe der Ober- und Untergrenze erforderlich. Außerdem sollte man Prozesse für das Abschalten von nicht mehr benötigten Servern definieren. Denn was nicht arbeitet, muss auch nicht gekühlt werden.

Best Practises für die Energieversorgung

Ohne Strom steht das Rechenzentrum still, deshalb ist hier besondere Sorgfalt geboten. Der vorhandene Generator sollte monatlich getestet und dabei zweimal angefahren werden. Wer öfter permanente Spannungsspeicher statt Batterien für die regelmäßigen Lasttests verwendet, verlängert die Batterielebensdauer.

Der Ölstand – sowohl von Brennstoff als von Schmieröl – sollte regelmäßig geprüft werden. Neue Öllieferungen fließen am besten erst einmal in einen isolierten Tank, um bei eventuellen Qualitätsmängeln die Vermischung mit den noch bestehenden Ölbeständen zu verhindern.

Übrigens: Auf die Module von USV-Systemen gehören keine metallenen Filter, weil sie leitfähig sind und unter Umständen mit den unter Strom stehenden Elementen der UPS in Berührung kommen, was die Stromschlaggefahr erhöht. Am besten verwendet man Filter aus anderen Materialien.

Batterien müssen ausreichend gefüllt sein und regelmäßig gewartet werden. Am besten zeichnet man diese Aktivitäten auf, um jederzeit überprüfen zu können, was wann getan wurde.

Sicherheitsmängel und -maßnahmen

Automatische Notabschaltungen sind nicht immer funktional – sie schalten in der Regel ab, sobald Löschgas freigesetzt wird, manchmal aber auch schon, wenn ein einzelnes Gerät seinen Geist aufgibt. Dann sind unerwünschte Unterbrechungen die Folge. Daher sollte man sie durch ausreichende Besetzung des Rechenzentrums mit qualifiziertem Personal oder entsprechende Überwachungseinrichtungen ersetzen.

Natürlich ist es wichtig, im Rechenzentrum auf jeden Ernstfall vorbereitet zu sein. Dazu gehört, dass keine brennbaren Gegenstände in Batterie- und Stromraum gelagert werden. Entsprechende Elemente müssen mittels definierter Prozesse von Hardware entfernt werden, bevor diese im Computerraum aufgebaut wird. Was nicht in einen kritischen Raum gehört, hat dort nichts zu suchen und sollte entfernt werden.

Feuerschutzwände dürfen keine Löcher haben, Feuerlöscher sollen regelmäßig getestet werden.

Eigentltlich selbstverständlich

Chemikalien zur Wasserbehandlung sollten doppelt ummantelt gelagert werden, werden flüssigkeitsgefüllte Leitungen über Strom- oder Kommunikationseinrichtungen geführt, brauchen sie eine Schutzunterlage, so dass beim Austreten von Flüssigkeit diese Leitungen nicht geschädigt werden. Drucktanks sind angemessen zu sichern.

Häufig vergessen wird die deutliche Kennzeichnung von Betriebszuständen und Gefahrenzonen. Zum Beispiel findet man nur selten die Normalfließrichtung an wichtigen Ventilen in der Kühlwasseranlage deutlich dargestellt, die Normalposition von Unterbrechern und Schaltern oder die Stellen, an denen im Stromverteiler und Schaltschränken Lichtbögen entstehen können.

Wer qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen will, muss dafür sorgen, dass sie diese Qualifikationen bekommen.
Wer qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen will, muss dafür sorgen, dass sie diese Qualifikationen bekommen. (Bild: © Peggy Blume - Fotolia)

Über sicherheitsrelevante Ereignisse ist das Security-Team umgehend und möglichst automatisiert zu informieren. Um das Risiko Mensch möglichst gering zu halten, sollten nur wenige, ausgesuchte und sicherheitsüberprüfte Mitarbeiter kritische Räume betreten dürfen. Nur Änderungen, Installationen und Ähnliches rechtfertigen es, den Computerraum zu betreten. Wenn nicht vorhanden, sollte der Raum und sollten auch die Schränke mit verschließbaren Türen ausgerüstet werden, die nur autorisierte Mitarbeiter öffnen dürfen.

Information und Schulungen

Für einen optimalen RZ-Betrieb benötigt man ausreichendes und ausreichend geschultes Personal. Uptime prüft bei seiner M&O-Zertifizierung beispielswesie auch, wie viele Überstunden anfallen und ob alle Mitarbeiter die für ihre Funktion nötigen Schulungen besitzen. Außerdem ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter ersetzt werden kann.

Dafür muss jeder Mitarbeiter mindestens die Funktionen eines weiteren Mitarbeiters beherrschen, gleichzeitig sollten alle wichtigen Funktionen so dokumentiert sein, dass sich im Notfall ein Vertreter unkompliziert die wichtigsten Prozesse übernehmen kann.

Wer diese Ratschläge berücksichtigt, sollte viele Fallstricke für sein Rechenzentrum vermeiden können.

* Ariane Rüdiger ist freie Journalistin und lebt in München.

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