Wirtschaftsaussichten, gutes Stromnetz und Datenschutz sind attraktiv

OVH baut erstes RZ in Deutschland

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Eine bei OVH beliebte Herangehensweise ist die Nutzung ehemailiger Industriegebäude für Rechenzentren. Hier ein OVH-RZ in Roubaix.
Eine bei OVH beliebte Herangehensweise ist die Nutzung ehemailiger Industriegebäude für Rechenzentren. Hier ein OVH-RZ in Roubaix. (Bild: OVH)

Die Nähe zum Internetknoten in Frankfurt und ein Umspannwerk nebenan ziehen die französische Hosting-Gruppe nach Limburg. Mit dem ersten von drei geplanten Rechenzentren in Deutschland will OVH hiesigen Datenschutzanforderungen gerecht werden.

Für Rechenzentren ist die Nähe zum weltgrößten Internetknoten in Frankfurt ein entscheidender Faktor. Die Preise für geeignete Örtlichkeiten in der Region sind in die Höhe geschossen. Die französische Hosting-Gruppe OVH hat in Limburg eine akzeptable Lösung gefunden. Rund 100 Kilometer beziehungsweise weniger als eine Millisekunde vom PoP in Frankfurt entfernt.

4000 Quadratmeter für mehr als 40.000 Server

Es handelt sich in Limburg um ein ehemaliges Industriegebäude, dass OVH jetzt umbauen lässt. Die Nutzung von bestehenden Bauten ist eine bevorzugte Anlagenstrategie des Hosters. Hier kommt der Vorteil hinzu, dass sich in unmittelbarer Nähe ein Umspannwerk befindet, was die Stromversorgung sicherer macht. OVH beginnt noch 2017 den RZ-Betrieb in Limburg zunächst mit sechs Technikern; mit dem schrittweisen Ausbau werden weitere Personaleinstellungen unumgänglich. Denn geplant ist eine Rechenzentrumsfläche von 4000 Quadratmetern, die Platz für bis zu 45.000 Server bieten soll.

Es ist das erste OVH-Rechenzentrum in Deutschland, zwei weitere sind geplant. Bisher wurden deutsche Kunden vor allem über die Tochtergesellschaft in Saarbrücken mit Rechenzentren der Gruppe verbunden. Demnächst wird OVH bessere Standortnähe bieten können. Zu den OVH-Kunden zählen nach Angaben des Hosters kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie große Konzerne, zum Beispiel Villeroy & Bosch.

Im globalen RZ-Netz von OVH

Die Kunden von OVH können wählen, in welchem OVH-RZ sie rechnen lassen. Die schnell wachsende Gruppe bietet momentan 27 Rechenzentren in elf Ländern. Diese sind über ein Glasfasernetz mit einer Kapazität von derzeit 7,5 Tbit pro Sekunde miteinander verbunden. Erst im Oktober 2016 hat der Anbieter Rechenzentren in Australien, Singapur und Polen eröffnet. Der Cloud-Spezialist hatte 2015 mit einer Beteiligung der Investmentfirmen KRR und TowerBrook Capital Partners eine Kapitalerhöhung um 250 Millionen Euro erreicht.

Das ist die Grundlage, um noch bis Ende dieses Jahres zwei OVH-Rechenzentren in den USA sowie je eins in Deutschland, England, Italien, den Niederlanden und Spanien einzurichten. Einerseits weitet der Hoster also sein Angebot für weltweit tätige Unternehmen aus. Andererseits zeigen die drei in Deutschland geplanten Rechenzentren, dass er auf hiesige Datenschutzansprüche besser eingehen möchte und den Markt für entsprechend groß hält.

Was Deutschland attraktiv macht

So hebt Peter Hohn, Director Germany bei OVH Deutschland, die „sehr gute wirtschaftliche Ausgangslage“, „strenge Datenschutzvorschriften und das „sehr zuverlässige Stromnetz“ für die Standortwahl hervor. „Und OVH ist der größte Cloud-Provider, der weltweit aufgestellt ist, nicht aus Amerika stammt und damit nicht dem Patriot Act unterliegt.“ Dieses Gesetz schreibt vor, dass auch ausländische Töchter von US-Unternehmen den amerikanischen Regierungsbehörden Zugang zu ihren Systemen geben müssen.

OVH wurde 1999 in Frankreich von Octave Klaba gegründet. Das unverändert inhabergeführte Familienunternehmen ist derzeit weltweit in 20 Ländern vertreten und beschäftigt in 32 Präsenzpunkten rund 1400 Mitarbeiter.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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