Aktuelle Anwenderbefragung der OpenStack Foundation

OpenStack hat die Probezeit bestanden

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Das Interesse an OpenStack ist einfach riesig. Foto vom letzten Summit in Austin.
Das Interesse an OpenStack ist einfach riesig. Foto vom letzten Summit in Austin. (Bild: OpenStack)

Jetzt gewinnt die Umsetzung von OpenStack-Projekten in die alltägliche IT-Praxis an Schwung. Jenseits der Kernkomponenten zeigen Anwender größeres Interesse für einige jüngere OpenStack-Produkte.

Derzeit findet in Barcelona der europäische OpenStack-Kongress 2016 statt. Zu diesem Event hat die OpenStack Foundation die Ergebnisse der zweiten ihrer jeweils halbjährlichen Umfragen unter Anwendern veröffentlicht. Demnach hat die Zahl der OpenStack-Projekte, die in die Produktion übergegangen sind stark zugenommen. Die Anwender interessieren sich über die Kernmodule hinaus für bestimmte Projekte aus der großen OpenStack-Umgebung „Big Tent“.

Jeder Zweite empfiehlt OpenStack weiter

Fast 400 Anwender haben sich an dieser Umfrage beteiligt, darunter 260 mit OpenStack-Installationen in unterschiedlichen Fortschrittsgraden und weitere 44 mit mehr als einer. Etwas mehr als die Hälfte dieser Anwender (53 %) würde OpenStack anderen Anwendern weiterempfehlen. Dieser Wert ist seit dem Frühjahr 2015 konstant.

Auffallend ist, dass der Anteil der OpenStack-Clouds in Produktion um 20 Prozent zugelegt hat. 71 Prozent der Anwender haben OpenStack in vollem Betrieb, während es vor drei Jahren ein Drittel waren. In der Entwicklungs- und Testphase befindet sich OpenStack bei 18 Prozent der Anwender, elf Prozent sind beim Proof of Concept – 2013 waren es jeweils ein Drittel. Das heißt: OpenStack hat die Probezeit absolviert, jetzt ist es im IT-Alltag angekommen.

Die DefCore-Komponenten stehen im Zentrum

Ein Befund aus vorherigen Umfragen hat weiterhin Bestand: Die früher „integrated“ genannten Komponenten bilden heute als so genannte DefCore-Projekte den Kern von OpenStack. Es versteht sich, dass diese Produkte sich in meist mehr als 90 Prozent der Installationen wiederfinden, auch wenn sie nicht zwangsweise erforderlich sind. Einige wenige Anwender verwenden auch Eigenentwicklungen oder Drittprodukte. Die weiteste Verbreitung haben Nova (Compute), Neutron (Networking), Keystone (Identity), Glance (Image), Horizon (Dashboard) und Cinder (Block Storage).

OpenStack ist geradezu explosiv gewachsen durch Projekte aus der unmittelbaren Umgebung. Zu diesem so genannten „Big Tent“, deren Projekte bestimmte Regeln der Foundation befolgen müssen, zählen inzwischen mehr als 60 Projekte.

Die "Big Tent"-Umgebung wächst rasant

Einige davon haben bei OpenStack-Anwendern spürbar Verbreitung gewonnen. Das sind allen voran Heat (Orchestration), Ceilometer (Telemetry) und Swift (Object Storage), vertreten bei der Hälfte bis zu zwei Dritteln der Anwender. Es folgt eine zweite Gruppe mit 17 bis 25 Prozent Verbreitung: Ironic (Bare Metal), Rally (Benchmark), Designate (DNS) und Trove (Database). Im Kommen sind Projekte mit Container-Bezug wie Magnum und Kolla.

Die Anwender sind offenbar relativ schnell dabei, jüngere OpenStack-Versionen zu verwenden. Momentan führt die Version Liberty (2015.2) mit 44 Prozent knapp vor Kilo (2015.1) mit 40 Prozent. Kilo war neben Folsom und Grizzly eine der erfolgreichsten Versionen in der OpenStack-Geschichte. Aber alle diese alten Versionen spielen keine bedeutende Rolle mehr. Die junge Version Mitaka (2016.1) kommt aktuell auf 16 Prozent, das kürzlich freigegebene 14. und jüngste Release, Newton, ist in der Umfrage noch nicht berücksichtigt.

Hauptinteresse gilt Containern, SDN/NFV und Bare Metal

Aufschlussreich ist, für welche Technologien sich Anwender derzeit am meisten interessieren. Mit Abstand am meisten der Befragten, nämlich vier von fünf, nennen Container. Es folgen mit 61 Prozent Software-defined Networks beziehungsweise Network Function Virtualization vor Bare Metal. 32 Prozent der Anwender interessieren sich für das Internet of Things. Diese Nennung zwischen lauter Cloud-relevanten Technologien lässt sich auch so interpretieren, dass Anwender sich beim Internet of Things Hoffnung auf OpenStack machen.

Sehr viele Anwender ergänzen OpenStack um weitere Tools für das Cloud Computing. Das mit Abstand interessanteste ist Kubernetes, bei 31 Prozent der Anwender bereits in Gebrauch und bei weiteren 16 Prozent in Proof of Concept oder Testphase. Es folgen Cloud Foundry, OpenShift und Mesos mit 20 bis 25 Prozent Gesamtverbreitung.

Bei vergleichender Beobachtung mit den Befunden früherer OpenStack-Umfragen fällt auf, dass vor allem das Interesse an Kubernetes schnell wächst. Eine leichte Steigerung kann noch OpenShift vorweisen, während Mesos auf gleichem Level geblieben ist. Deutlich abgenommen hat das Interesse an Docker Swarm und vor allem CloudFoundry.

Die Motive der Anwender

Welche Motive bewegen Anwender zu OpenStack? Drei Viertel, genau 72 Prozent, nannten an erster Stelle Kosteneinsparungen. Eine höhere Effizienz des IT-Betriebs stellten 17 Prozent der Befragten auf Platz Eins und 63 Prozent auf Platz 2. Der dritte Grund ist, innovativer und wettbewerbsfähiger zu werden, indem Applikationen schneller in Betrieb gehen können. Diesen Faktor nenne 86 Prozent. Weitere für Anwender wichtige Argumente sind die Vermeidung von Herstellerabhängigkeit (Vendor Lock-in), Standardisierung auf einer einheitlichen offenen Plattform und ihren APIs, als Unternehmen für IT-Spitzenkräfte attraktiv zu sein sowie Sicherheit und Datenschutz durch die Kontrolle der Plattform zu verbessern.

Eindeutig lässt sich die Ansicht nicht mehr aufrecht erhalten, dass OpenStack eigentlich nur etwas für Großunternehmen ist, die in ihren IT-Stäbe viel Expertise für das komplexe OpenStack haben. 18 Prozent der befragten OpenStack-Anwender sind Unternehmen mit zehn bis 99 Angestellten. Genau ein Viertel haben 100 bis 999 Mitarbeiter, 30 Prozent 1000 bis 9999 Anwender. Noch größer sind 21 Prozent der befragten Unternehmen. Der Schwerpunkt der OpenStack-Anwender liegt also eindeutig bei kleinen bis mittelgroßen Unternehmen.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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