Rechenzentren verbrauchen mehr Strom als je zuvor

Nix green: Mehr als 100 Millionen IT-Geräte schlucken 9,3 Milliarden kWh

| Redakteur: Ulrike Ostler

Der Energiebedarf von Informationstechnik verschiebt sich in Richtung Rechenzentrn. Ist bei einem PC der Strombedarf des Endgerätes je nach Anwendungsgebiet im Durchschnitt noch fünf bis achtmal so hoch wie der in Rechenzentren verursachte Stromverbrauch, so kehrt sich das Verhältnis bei einem Tablet um.
Der Energiebedarf von Informationstechnik verschiebt sich in Richtung Rechenzentrn. Ist bei einem PC der Strombedarf des Endgerätes je nach Anwendungsgebiet im Durchschnitt noch fünf bis achtmal so hoch wie der in Rechenzentren verursachte Stromverbrauch, so kehrt sich das Verhältnis bei einem Tablet um. (Bild: Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit)

Der Gesamtstrombedarf in, durch, mit IT steigt. Das liegt vor allem an der zunehmenden Nutzung von Cloud-Rechenzentren. So nahm die Zahl der in Deutschland vorhandenen Computerendgeräte seit 2010 um über 30 Prozent zu und übersteigt 2014 in Haushalten, Unternehmen und Behörden die 100-Millionen-Grenze.

Nach Angaben des Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit ist für diesen Anstieg vor allem die zunehmende Ausstattung mit mobilen Geräten verantwortlich. So erhöhte sich die Zahl der Notebooks in Unternehmen und Haushalten von 31,5 Millionen um 40 Prozent auf über knapp 45 Millionen Geräte.

Auch wenn die Geräte immer effizienter werden, stieg somit der Gesamtstrombedarf durch die Nutzung von PC, Notebooks und Tablets zwischen 2010 und 2014 um 8 Prozent auf 9,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Wesentlicher Grund hierfür ist neben der wachsenden Zahl der Geräte vor allem der durch Endgeräte verursachte Energiebedarf in den Rechenzentren bei der Nutzung von Cloud-Diensten.

In Deutschland gibt es heute rund 15 Millionen Tablets. Auch wenn diese zum überwiegenden Anteil in Privathaushalten eingesetzt werden, nimmt die Verwendung in Unternehmen immer mehr zu. Einsatzgebiete sind hier insbesondere der Vertrieb und der Außendienst.

Zwar lässt die Dynamik beim Umsatz im Tablet-Markt laut einer Studie von Bitkom aktuell nach, da aber die verkauften Stückzahlen noch ansteigen, ist auch in Zukunft mit steigenden Ausstattungsraten in Haushalten, Unternehmen und Behörden zu rechnen. Hinzu kommt das wachsende Marktsegment der Smartphones mit großen Display (Phablets), mit denen zumindest teilweise auch die Aufgaben von Tablets und Notebooks zu erledigen sind.

Cloud Computing verursacht steigenden Strombedarf in Rechenzentren

In privaten Haushalten dominiert heute klar die Nutzung mobiler Geräte. Dennoch sind hier noch rund 26 Millionen Desktop-PC vorhanden. Mit zirka 17 Millionen ist die überwiegende Anzahl dieser Geräte aber älter als sieben Jahre und wird kaum noch genutzt. Sie dienen meist als Ersatzgerät oder verstauben in Abstellkammern, Kellern oder auf Dachböden.

Ergänzendes zum Thema
 
Methodik der Kurzstudie

Die Zahl der mobilen Computerendgeräte in privaten Haushalten hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt und liegt heute bei 44 Millionen. Aufgrund des verhältnismäßig niedrigen Stromverbrauchs von Notebooks und Tablets ist der Gesamtstromverbrauch aller Endgeräte in privaten Haushalten in dem Zeitraum um 8 Prozent auf 3,8 Milliarden kWh gesunken.

Der Trend zu Cloud Computing verursacht allerdings eine deutliche Zunahme des durch die Endgeräte verursachten Stromverbrauchs in Rechenzentren – seit 2010 hat er sich mehr als verdreifacht. Aktivitäten wie Online-Gaming, Video-Streaming und soziales Netzwerken verursachen heute einen Strombedarf von 1,8 Milliarden kWh in den Rechenzentren. In Summe stieg der durch die Endgeräte in Haushalten versursachte Energiebedarf um 20 Prozent auf 5,6 Milliarden kWh.

Thin Clients in Unternehmen und Behörden beliebter

In den Unternehmen und Behörden in Deutschland werden im Jahr 2014 knapp 31 Millionen Computerendgeräte eingesetzt, gut 15 Prozent mehr als im Jahr 2010. Auch hier stieg die Zahl der mobilen Geräte um fast 30 Prozent sehr deutlich an. Die Zahl der stationären Endgeräte blieb konstant.

Doch während die Zahl der PC etwas zurückging, stieg die Zahl der Thin Clients um mehr als 25 Prozent auf 2,9 Millionen Geräte an. Zusätzlich werden heute rund 300.000 sogenannte Software Thin Clients eingesetzt. Damit sind PC gemeint, die über eine Software zu einem Thin Client umfunktioniert werden. Hierzu werden zumeist ältere Geräte verwendet, die zwar noch funktionieren und genügend Leistung für einen Thin Client bieten, aber als PC ausgemustert würden.

Standard-Arbeitsplatz mit PC oder Notebook ausgestattet

Der Einsatz von Virtuellen Desktops (VDI) hat sich bislang nicht so durchgesetzt, wie es Analysten vor einigen Jahren vorhergesagt haben. Borderstep schätzt die aktuelle Zahl der Virtuellen Desktops in Deutschland auf rund 1,5 Millionen.

Aktuell werden zwar etwa 1,2 Miollionen Tablets in Unternehmen und Behörden in Deutschland eingesetzt, der Standard-Arbeitsplatz ist aber weiterhin mit einem PC oder Notebook ausgestattet. Neue Geräte wie das „Microsoft Surface“, die eine Kombination aus Tablets und Notebooks darstellen, konnten sich bisher nicht durchsetzen.

Energiebedarf der Computerendgeräte an Arbeitsplätzen gesunken

Der Energiebedarf der Computerendgeräte an Arbeitsplätzen ist im Vergleich zum Jahr 2010 um 14 Prozent auf knapp 3 Milliarden kWh gesunken – vor allem bedingt durch den relativ geringen Strombedarf der mobilen Geräte und den zunehmenden Einsatz vor Thin Clients.

Berücksichtigt man den durch die Endgeräte verursachten Strombedarf in Rechenzentren, so beträgt die Einsparung allerdings nur noch 5 Prozent. In Summe verursachen die Endgeräte in Unternehmen und Behörden im Jahr 2014 einen Strombedarf von 3,7 Milliarden kWh.

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