Die Entwicklung von OpenStack hat festgefahrene Gewissheiten überholt

Mythen über Private Clouds

| Autor / Redakteur: Lauren Sell / Ludger Schmitz

(Bild: Ludger Schmitz / CC BY 3.0)

In gewisser Weise profitieren Public Clouds immer noch von Ansichten über Private Clouds, die vielleicht vor ein paar Jahren richtig waren. Die Technik hat sich weiterentwickelt. Momentan läuft es vor allem auf gemischte Nutzung hinaus.

Einige Meinungen über private Clouds halten sich hartnäckig: zum Beispiel, dass private Clouds sich am besten für statische Arbeitslasten eignen oder dass nur vertrauliche Informationen in einer privaten Cloud gespeichert werden sollten. Das war in der Vergangenheit zwar zutreffend, aber in den letzten zwei Jahren haben sich die privaten Clouds sehr stark weiterentwickelt.

Das Bild der Private Clouds verändert sich

Und das hat Wirkungen gezeigt. Viele Organisationen nutzen private Clouds jetzt auf andere Weise. Und sie verwenden private Clouds neben Hyperscale-Clouds und den öffentlichen Clouds. Inzwischen verteilen Organisationen die Workloads entsprechend ihrer Kapazitäten und der Kosten auf die verschiedenen Cloud-Ausprägungen.

Private Clouds sind selbstverwaltete, anpassungsfähige, API-basierte Infrastrukturen, die nur einer Organisation fest zugeordnet sind. Zu den Privaten Clouds zählen auch jene, die im Rechenzentrum der jeweiligen Organisation ein Dienstleister aus der Ferne verwaltet oder die vollständig in der Einrichtung des Dienstleisters gehostet und verwaltet werden. Früher erhielten private Clouds meist dann den Vorzug, wenn Sicherheit, Steuerung und Datenschutz Priorität hatten. Doch die subjektiv empfundenen Schwierigkeiten bezüglich Leistung, Skalierbarkeit, Komplexität und Kosten begrenzten die Nutzung privater Clouds in manchen Organisationen, vor allem bei Mittelständlern.

Natürlich müssen Firmen den Nutzen einer privaten Cloud abhängig von ihren individuellen geschäftlichen Belangen, Zielen und Ressourcen bewerten. Dennoch gibt es nur wenige Dinge, über die sich Organisationen hinsichtlich eines privaten oder hybriden Cloud-Modells Gedanken machen müssen. Zu privaten Clouds gibt es drei Missverständnisse:

Mythos 1: Eine private Cloud ist teurer als eine öffentliche Cloud.

Eine öffentliche Cloud hat den großen Vorteil, dass man sie schnell nutzen und Ressourcen beliebig daran anpassen kann. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass man für diese Flexibilität einen Preis bezahlt. Als Faustregel gilt: Falls man eine App mit einer Lebensdauer von mehr als 12 Monaten oder auf Dauer betreibt, sollte man eine private Cloud in Betracht ziehen.

Die Organisationen werden langsam auf die höheren Kosten für die öffentliche Cloud aufmerksam und lernen, öffentliche Clouds nur dort zu nutzen, wo es vernünftig ist. Gleichzeitig versuchen sie, die Kosten für die langfristigeren und sehr leistungsfähigen Arbeitslasten zu verringern. Der indische e-Commerce-Gigant Snapdeal hat vor kurzem berichtet, dass er durch den Strategiewechsel von einer öffentlichen Hyperscale-Cloud zu einer überwiegend privaten Cloud 75 Prozent der Kosten einsparen konnte. Eine Überraschung erlebte eine große Textilhandelskette der Fortune 500, die ihre webPoS-, CRM- und e-Commerce-Plattformen (darunter auch den Verkauf am Black Friday der letzten vier Jahre) bisher auf einer OpenStack-basierten privaten Cloud betrieben hatte. Als sie in eine öffentliche Cloud wechselte, kostet sie das pro Monat mehr aus als ihre OpenStack-Infrastruktur im ganzen Jahr.

Kostengründe sind meist entscheidend, wenn eine Organisation sich von einer ausschließlichen Public-Cloud-Strategie verabschiedet. Doch es gibt auch noch andere Faktoren, die ins Gewicht fallen.

Mythos 2: Private Clouds sind schwierig zu implementieren, und man braucht dazu ein großes Team.

Viele Organisationen nehmen an, dass private Clouds ein großes Team erfordern, im eigenen Rechenzentrum betrieben werden müssen und es Monate dauert, bevor man davon profitiert. Auch wenn das vielleicht vor fünf Jahren noch so war, haben sich die Technologien und das Ökosystem der Anbieter deutlich verbessert. Neuere Möglichkeiten wie Hosting und fernverwaltete private Clouds erfordern nur noch sehr wenig Personal und bieten vom ersten Tag an einen Mehrwert. Diese neuen Modelle haben private Clouds für mehr Organisationen, insbesondere für Mittelständler, zugänglich gemacht.

Für große Implementierungen oder auch bei besonderen Anforderungen, beispielsweise hinsichtlich der Netzwerkleistung, kann es durchaus vernünftig sein, in ein Team zu investieren und eine eigene Cloud zu betreiben. Gemäß einer aktuellen Studie von 451 Research sind bei einem Verhältnis von 400 virtuellen Maschinen pro Systemingenieur die Kosten einer eigenen privaten Cloud auf Basis einer OpenStack-Distribution niedriger als die einer öffentlichen Cloud oder auch einer fremdverwalteten privaten Cloud.

Ein Beispiel bietet die Firma Betfair. Sie betreibt eine private Cloud mit 1,7 Millionen Nutzern und konstatiert, dass „alle Tätigkeiten über OpenStack automatisiert sind und wir kein großes Team für den Betrieb der Plattform benötigen.“

Am Ende hängt es also davon ab, welchen Mehrwert sich ein Unternehmen von einer privaten Cloud verspricht und welche Ressourcen für die Implementierung zur Verfügung stehen. Für Unternehmen, die eine optimale Kostenersparnis, Flexibilität und Anpassung wünschen und notwendige Know-how besitzen, ist der Betrieb der eigenen privaten Cloud ohnehin sinnvoll. Unternehmen, die gerne eine private Cloud nutzen würden, es aber nicht alleine schaffen, sollten eine gehostete oder extern verwaltete private Cloud in Betracht ziehen. Auch das wird Personal für die Verwaltung und den innerbetrieblichen Support benötigen, aber man kommt so einfacher und schneller ans Ziel.

Mythos 3: Die Möglichkeiten der privaten Cloud sind begrenzt und durch neue Technologien wie Container schnell wieder überholt.

Private Clouds werden günstiger und einfacher im Betrieb – außerdem aber auch leistungsfähiger. Die erste Generation der privaten Clouds ermöglichte Virtualisierung mit selbstverwalteter und anpassungsfähiger Bereitstellung. Die zweite Generation privater Clouds unterstützt auch Funktionen wie Container, Virtualisierung von Netzwerkfunktionen (NFV), Edge-Computing und Hochleistungs-Datenverarbeitung. Einige dieser neuen Anwendungsmöglichkeiten, besonders Edge-Computing für Telekommunikation und Handelsunternehmen, sind mit zentralisiertem Hyperscale-Computing einfach nicht machbar.

Anfang 2016 kamen Container-Orchestrierungssysteme wie Kubernetes, Mesos und Swarm ins Spiel, die viele Experten als Bedrohung der vorhandenen, traditionell auf virtuelle Maschinen fokussierten privaten Cloud-Technologien betrachteten. In Wirklichkeit aber halfen diese Technologien bei der Einführung der nächsten Generation privater Clouds, indem sie die Anwendungsmöglichkeiten programmierbarer Infrastruktur ausweiteten. Sie machten die Implementierung und Aktualisierung privater Cloud-Infrastrukturen sehr viel einfacher, indem sie die Cloud-Dienste selbst in Container verpackten.

Die meisten Organisationen nutzen eine Kombination verschiedener Technologien einschließlich virtueller Maschinen, reiner Hardwaresysteme und jetzt auch Container. Private Cloud-Plattformen erlauben es ihnen heutzutage, diese Rechnerressourcen in ihre vorhandene Unternehmensinfrastruktur, also ihre Netzwerk-, Speicher- und Managementsysteme, zu integrieren. Tatsächlich setzen die Nutzer von OpenStack-basierten privaten Clouds Container dreimal schneller ein als der Rest des Markts.

Es hat sich viel getan, damit private Clouds heute erstens Infrastrukturen mit hoher Verfügbarkeit unterstützen. Zweitens können auch mehr „traditionelle“ Arbeitslasten, bei denen eine Neuentwicklung sinnlos wäre, von der Cloud-Infrastruktur profitieren.

Multi-Cloud-Umgebungen der Zukunft

Der Cloud-Markt ändert sich sehr schnell, und alle Unternehmen werden davon profitieren, wenn sie dafür sorgen, dass alte Ideen Innovationen nicht behindern. Die heutige zweite Generation von privaten Clouds ist einfacher im Betrieb und leistungsfähiger als die früheren Versionen. Dadurch sind sie kostengünstiger und für mehr Nutzer verfügbar.

Außerdem bieten sie mehr und erledigen alle möglichen Arbeitslasten, von NFV-Anwendungen bei Telekommunikationsanbietern bis hin zu klassischen unternehmenskritischen Systemen wie SAP und Oracle. Letztlich können clevere Unternehmen den passenden Mix aus den verschiedenen Cloud-Technologien finden und ihre unterschiedlichen Arbeitslasten geschickt auf sie verteilen.

* Lauren Sell ist Vice President Marketing & Community Services bei der OpenStack Foundation.

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