Wo Leistung und Verlässlichkeit zählen

Midrange-Mainframe gönnt sich viele Open-Source-Tools

| Redakteur: Ulrike Ostler

"Linux ist ein Wachstumsmotor", sagt Andreas Thomasch, System z Platform Leader, IBM DACH. IBM will mit den Linux-One-Systemen davon profitieren.
"Linux ist ein Wachstumsmotor", sagt Andreas Thomasch, System z Platform Leader, IBM DACH. IBM will mit den Linux-One-Systemen davon profitieren. (Bild: IBM)

IBM überarbeitet seine Unix-only-Mainframes „Linux One“: Nun beruht auch die Ein-Rack-Variante „Rockhopper“ mit mehr auf dem System „z12“, sondern auf der Nachfolgeplattform „z13“. Das bedeutet mehr Leistung bei einem Einstiegspreis von 175.000 Euro. Darüber hinaus erhalten alle Linux-One-Systeme ein fortschrittliches Daten-Management und API-Werkzeuge.

Laut Andreas Thomasch, System z Platform Leader, IBM DACH, eignen sich die verjüngten Linux-One-Modelle insbesondere für das Hybrid-Computing bei Service-Providern und mittelständischen Unternehmen. Das erschließe sich aus den neuen Features und Funktionen, die die Mainframes nun mitbrächten.

So hat IBM die „Cloudant“- und „StrongLoop“-Technologien für Linux One optimiert, damit Kunden ihre Anwendungen für die Cloud schneller und einfacher entwickeln sowie einsetzen können. Bei Cloudant handelt es sich um eine NoSQL-Open-Source-Datenbank von IBM, die sich primär für das Bereitstellen Cloud-basierter Services eignet. Der gleichnamige Datenbankservice erfordert keine Konfiguration und basiert auf den Apache-Projekten „CouchDB“ und „BigCouch“. Sie speichert die Daten im JSON-Format, das gemeinhin gebräuchlich für Mobildaten ist. Anwender können dabei somit Zeit sparen, indem ihre Daten nativ auf dem System gespeichert werden, ohne dass sie konvertiert werden müssten.

Strongloop wiederum ist eine auf „Node.js“-Produkte und -Entwicklung spezialisierte Firma, die IBM im vergangenen Herbst übernommen hat. Node.js ist ein Framework, das zur Programmierung Server-seitiger Anwendungen dient. Strongloop basiert auf Javascript. Dies ermöglicht es Entwicklern, Anwendungen für die Server-Seite nativ zu entwickeln.

Die neuen Linux-One-Möglichkeiten erfordern somit keine Konvertierung zwischen Programmiersprachen mehr, was die Entwicklungs- und Einführungszeiten spürbar verkürzen kann.

Mehr Anwendungen und Tools

IBM hat die Linux-One-Systeme, im August 2015 eingeführt. Schon jetzt waren sie einsetzbar mit einer breiten Palette populärer Open-Source- und ISV-Tools wie „Apache Spark“, Node.js, „MongoDB“, „MariaDB“, „PostgreSQL“, „Chef“ und „Docker“. Nun erweitert sich das Ökosystem für die Hardware.

  • So wurde kürzlich die Programmiersprache „Go“ portiert, die von Google entwickelt wurde. Go dient zur Entwicklung einfacher, zuverlässiger und effizienter Software. Damit wird es für Entwickler noch einfacher, Softwarewerkzeuge einzusetzen, die sie kennen und schätzen. IBM wird ab dem kommenden Sommer aktiv Code zur Go-Community beitragen.
  • Zudem bietet Canonical nach der Absichtserklärung aus dem Jahr 2015 seine Ubuntu-Linux-Distribution jetzt Linux-One-Kunden an. Damit haben Unternehmen eine dritte Linux-Option neben Suse und Red Hat. Ubuntu wird für Linux One voraussichtlich ab April verfügbar mit der Canonical Release-Version 16.04.
  • Durch ein neues gemeinsames Projekt mit Suse zu Technologien im OpenStack-Bereich werden Tools des Linux-Distributors für das Management von public, private und hybrid Clouds zum Einsatz kommen, die auf Linux One laufen.
  • Im März dieses Jahres wird die IBM Open Platform (IOP) für das Linux-One-Portfolio kostenfrei verfügbar werden. IOP steht für ein breites Set an Industriestandard- und Apache-basierten Werkzeugen für Big Data und Analytics. Die unterstützten Komponenten umfassen Apache Spark, „Apache HBase“ sowie „Apache Hadoop 2.7.1“, und mehr.
  • IBM hat zudem das Open Managed Runtime-Projekt (OMR) für Linux One optimiert. Dies ermöglicht den Einsatz von IBM Innovation in Virtual-Machine-Technologie für neue dynamische Scripting-Sprachen und gibt diesen die benötigte Skalierbarkeit für den Unternehmenseinsatz.

Viel mehr Leistung

Wesentliche Verkaufsargumente für die Linux-Mainframes sind allerdings Leistung und Geschwindigkeit. Diesen gehorcht auch die neue Version des Rockhopper. Das überarbeitete System beruht jetzt wie Emperor auf der Hardwareplattform z13. Bislang war die Grundlage „zEC12“. Somit sind derzeit bis zu 4 Terabyte Hauptspeicher möglich. Die Leistungssteigerung einer CPU gibt IBM-Manager Thomasch mit 34 Prozent an.

IBM verpflanzt Rockhopper von z12auf z13.
IBM verpflanzt Rockhopper von z12auf z13. (Bild: IBM)

Rockhopper könne maximal 20 Linux-Cores enthalten. Eine Prozessoreinheit besitzt 8 Kerne und einen Ko-Prozessor beziehungsweise Kryptokarte für Verschlüsselungen, ist mit 4,3 Gigahertz getaktet und in 22nm Strukturgröße gefertigt (siehe auch: Abbildung 5). Das bringt Leistung. Laut IBM steigt die Single-CPU-Leistung bei Java-Anwendungen um bis zu 50 Prozent und die SQL-Datenbank MariaDB lässt sich bis zu 78 Prozent beschleunigen.

Beachtlich ist auch die Leistungsfähigkeit in puncto Docker-Persistenz. Die Unwägbarkeiten in heutigen Systemen Container-Anwendungen bezögen sich auf Security und Verfügbarkeit, so Thomasch, der Knackpunkt die Kapazität des Hauptspeichers. Dank der Kryptokarte, die den Prozessor nicht mit Verschlüssselungsberechnungen belaste, und der „RAIN“-Technik (ein RAID-System für Hauptspeicher, das beim Ausfall von Cores transparent Ersatz zuschaltet) werde beides adressiert.

Docker-Persistenz und Anwendungen

„Ein Linux-Mainframe kann derzeit bis zu 1 Million Docker-Container verwalten“, so Thomasch, „und wir glauben nicht, dass das Ende der Fahnenstange schon erreicht ist.“

So lässt sich zwar der Hypervisor „KVM“verwenden, doch z-Systeme bringen eine eigene Hardware-seitige Abschottung von Instanzen mit, so genannte Logical Partitions, LPARs. „Im Vergleich zu x86-Systemen, in denen die Container auf Hypervisoren laufen, sparen wir uns diesen Overhead und stellen die Persistenz viermal schneller her“, sagt der IBMer. Gebraucht würde die Schnelligkeit etwa bei der Überprüfung „verdächtiger Transaktionen“.

Zu dem Linux-One-Anwendern, die von den Echtzeit-Analytik-Möglichkeiten profitieren, gehört das UK Met Office, ein Service-Unternehmen mit Klima- und Wetterdiensten für die Öffentlichkeit, Unternehmen und Behörden. Das Unternehmen setzt die Plattform für die Transaktionsverarbeitung Analysen ein.

„Für uns ist es essentiell, Dienstleistungen zu erbringen, die auf exakten Daten basieren und die ein vollständiges Bild zeichnen - schnellstmöglich" erläutert Graham Mallin, Executive Head of Technology des Met Offce. „Linux One hat unsere Organisation befähigt, Dienstleistungen basierend auf Wetter- und Klimadaten schneller zu erbringen. Die jetzige Ankündigung kann diese unter Umständen lebenswichtigen Dienste noch weiter beschleunigen.“

Preise und Probierstube

Allerdings steigt der Einstiegspreis von Rockhopper von rund 100.000 auf 175.000 Euro (mit einem Linux-Kern und 64 Gigabyte Hauptspeicher, ohne Support). Jedoch können die Systeme auch gemietet und nach vorab geschätzter sowie darüber hinausgehender Nutzung bezahlt werden. In der Community Cloud können Entwickler ihre Projekte auf Linux One testen

Die neuen Linux-One-Systeme werden voraussichtlich ab März generell verfügbar. Einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung haben die IBMer aus dem Böblinger IBM Labor. Ihre Arbeit erstreckt sich schon aus traditionellen Gründen auf die Hardware-nahe Seite und darüber hinaus kümmern sich die Entwickler um Linux auf z-Systemen und haben gemeinsam mit der Open-Source-Community an der Skalierbarkeit von Docker gearbeitet.

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