„Der Bedarf an Mainframe-Anwendungen bleibt.“

Micro Focus sorgt sich: Digital Natives stoßen auf Mainframes

09.09.2011 | Redakteur: Ulrike Ostler

Rainer Downar, Vice President für Central, Northern und Eastern Europe von Micro Focus, sieht Bedarf an Enterprise-Anwendungen und damit an Mainframe-Applikationen.

Gibt es eine Zukunft für den Mainframe? Alte IT-Hasen wissen es: Diese Frage stellt sich schon des Öfteren. Tatsächlich sind die neuen Mainframes Hybridmodelle. Die Programmiersprache Cobol ist für viele ein Synonym für das Mainframe-Computing. Im Interview sagt Rainer Downar, Vice President für Central, Northern und Eastern Europe von Micro Focus, Hersteller eines Cobol-Compiler, wie er die Mainframe-Zukunft sieht.

Nie war die IT und die Anwendungsentwicklung agiler als heute. Komplette Anwendungen lassen sich mit Plattform-(as-a-Service) Angeboten wie die von Salesforce und Web-Präsenzen wie die von Facebook quasi on the fly, in der Cloud entwickeln. Da ist die Frage berechtigt, was aus den Enterprise-Anwendungen wird, die heute ein Unternehmen zusammenhalten. Cobol-Anwendungen gelten trotz allen Neuerungen bisher als unverzichtbar.

Doch: Vor welchen Herausforderungen stehen die Mainframe-Anwender?

Rainer Downar: Einen Bedarf an Mainframe-Anwendungen sehe ich auch in Zukunft, da die Leistungsfähigkeit dieser Systeme bei hohen Anforderungen nicht so leicht zu übertreffen ist. Die eigentliche Herausforderung liegt mittlerweile aber auf einer anderen Ebene. Wir stehen in einem Generationenwechsel: Die „Babyboomer“ werden in den nächsten Jahren nach und nach aus dem Berufsleben ausscheiden, natürlich werden sie unter den „Digital Natives“ Nachfolger finden, aber diese haben auch bei der Software-Entwicklung andere Denkweisen und Herangehensweisen.

Sie sehen die Anwendungsentwicklung aus Sicht ihrer Frameworks und IDEs, beispielsweise „Visual Studio“ und „Eclipse“. Sie sind es gewohnt, mit modernen Tools und Methoden zu arbeiten, unabhängig davon, ob die Programmiersprache Cobol, Java oder C# heißt.

Hier müssen Mainframe-Anwender entsprechende Ressourcen auf attraktiven Plattformen anbieten. Nur dann können sie sicherstellen, dass auch in zehn Jahren die Anwendungen noch gewartet werden können.

Was bedeutet das für die Modernisierung von Enterprise Applikationen?

Rainer Downar: Der gesamte Entwicklungsprozess muss modernisiert werden. Er sollte ganz in die neuen Technologen eingebettet sein. Es geht hier ja darum, Business-kritische Funktionalität des Mainframes mit der Java- oder C#-Welt zu verbinden.

Auf diese Weise lässt sich die Wiederverwendbarkeit von Software verbessern und damit die Produktivität des ganzen Entwicklungsprozesses. Damit können Unternehmen das Risiko von Neuentwicklungen eingrenzen. Vor diesem Hintergrund wird die Modernisierung von Enterprise-Applikationen ein ganz entscheidender Faktor für den weiteren Betrieb von Mainframe-Anwendungen sein.

Welche Möglichkeiten der Umstellung gibt es und wann ist welche sinnvoll?

Rainer Downar: Der Big Bang hat sich als Methode der Umstellung auf eine neue Plattform nicht bewährt. Im Ergebnis hatten die Unternehmen eine Doppelbelastung, da die neuen Anwendungen die alte Funktionalität nicht komplett abdecken konnten.

Auch hier ist ein integrativer und damit pragmatischer Ansatz Erfolg versprechender: Man verwendet das jeweils Beste aus beiden Welten. Beispielsweise, indem man Teile von Applikationen auf eine neue, kostengünstigere Plattform portiert.

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