Sündenbock LiMUx

LiMux in München vor dem Aus

| Autor: Thomas Drilling

Drillings Open-Source-Eck
Drillings Open-Source-Eck (Bild: Thomas Drilling)

Die IT der Stadtverwaltung wird nach 10 Jahren Linux mittelfristig zu Windows-Software zurückkehren. Ein entsprechender Antrag der schwarz-roten Regierungskoalition ist absehbar der Anfang vom Ende für das Linux-Vorzeigeprojekt in München.

Ich verfasse in der Regel keine politischen News, aber diese Meldung berührt mich, wenn auch die Entwicklung seit dem Regierungswechsel 2014 absehbar war.

So wie Reiters Vorgänger Ude Linux-Verfechter und LiMux -Mitinitiator war, findet Linux im Stadtrat der jetzigen Regierungsparteien nicht viel Unterstützung hat, denn Bürgermeister Reiter und sein Stellvertreter torpedierten das LiMux-Projekt offen und häufig. Dass Reiter eher den Produkten von Microsoft „nahe steht“ kann dieser kaum verbergen.

Sündenbock  LiMux

Leider fungiert LiMux, eine freie Softwarelösung für die Desktop-PCs der Stadtverwaltung, die auf Ubuntu, KDE, LibreOffice und WollMux als Vorlagensystem basiert, als Sündenbock für nahezu alle Mängel, die eine große IT-Landschaft wie in Münchens Stadtverwaltung prinzipiell aufweist.

Nachdem sich die Fraktionen bereits  zu Monatsbeginn auf eine Neuorganisation verständigt hatten, hat nun die schwarz-rote Regierungskoalition einen Antrag (PDF) eingereicht, der eine Rückkehr zu Microsoft vorsieht.

Konkret plädiert der Antrag zunächst für die Installation eines „schlanken“ IT-Referats mit einer/einem für die gesamte städtische IT zuständigen Referentin/Referenten. Er oder ihr sollen kleinere Einheiten für das „fachliche Anforderungsmanagement“ zugeordnet werden. Ferner wird ein „Windows-Basis-Client“ entwickelt, der bis Ende 2020 in eine stadtweit einheitliche Client-Architektur eingebunden sein soll, wobei „marktübliche Standardprodukte“ dafür sorgen, dass der Austausch intern und extern (z. B. mit den Bürgern) so gut wie möglich funktioniert. Ferner sollen die städtischen Anwendungen unabhängig vom Betriebssystem des Endgerätes funktionieren.

Allerdings ist es den Referaten bis 2021 freigestellt, ob sie sofort den neuen Windows-Client einsetzen oder übergangsweise weiter LiMux verwenden möchten.