PAC-Berater fragen nach: Wie weit gehen Unternehmen im F&A BPO?

Interesse an komplettem Outsourcing von Finanzprozessen steigt

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die Finanzorganisation, also das Rechnungswesen und die Finanzbuchhaltung (Finance & Accounting: F&A) stellen einen wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg dar. CFOs stehen zunehmend unter Druck, stetig wachsende Geschäftsanforderungen zu erfüllen und dabei gleichzeitig die Prozesse kostenoptimiert zu betreiben.
Die Finanzorganisation, also das Rechnungswesen und die Finanzbuchhaltung (Finance & Accounting: F&A) stellen einen wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg dar. CFOs stehen zunehmend unter Druck, stetig wachsende Geschäftsanforderungen zu erfüllen und dabei gleichzeitig die Prozesse kostenoptimiert zu betreiben. (Bild: Pierre Audoin Consultants)

Das Interesse an einer kompletten Auslagerung und dem Betrieb von Prozessen des Finanz- und Rechnungswesens wächst, stellt das Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) fest. Bereits jedes fünfte Unternehmen hat bereits einen entsprechenden Outsourcing-Vertrag mit einem externen Dienstleister.

Finanzabteilungen und ihre CFOs in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) setzen heute schon mehrheitlich auf die Unterstützung durch externe Dienstleister. Diese bieten Prozessexpertise, Technologie und niedrigere Arbeitskosten. Die Zusammenarbeit ist aus Kundensicht überwiegend erfolgreich, bleibt aber bis jetzt noch oft auf einzelne Projekte beschränkt.

Projekte zur Prozessoptimierung/-konsolidierung oder die Unterstützung beim Aufbau von Shared-Service- oder GBS-Strukturen sind derzeit typische Einsatzgebiete für externe Berater in der Finanzorganisation. Fast 70 Prozent aller Unternehmen in den DACH-Märkten beschränken die Zusammenarbeit bislang hierauf.

Andererseits lagert mittlerweile jedes fünfte Unternehmen Teile seines Finanz- und Rechnungswesens im Rahmen eines F&A BPO ( Finance and Accounting Business Process Outsourcing) an einen externen Dienstleister aus. Wie die Kundenerfahrungen hierbei sind und welche Pläne Finanzabteilungen haben, zeigt jetzt die Untersuchung „Auslagerung von Prozessen der Finanzabteilung: Chance oder Risiko für den CFO?“ des Marktanalyse- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC).

Auch (große) Mittelständler zeigen Interesse

So zeigt sich, dass F&A BPO nicht nur in Großunternehmen, sondern in gleichem Maße in kleineren und mittleren Unternehmen zum Einsatz kommt. Bislang geben die befragten Finanzabteilungen allerdings nur einen kleinen Teil der Finanzaktivitäten außer Haus, beispielsweise einzelne Prozessbereiche oder Teilprozesse. Andererseits haben 43 Prozent der F&A BPO-Nutzer bereits mehr als ein Drittel der gesamten Aktivitäten ausgelagert. Dies ist vor allem in größeren Unternehmen der Fall.

Das Vertrauen in die Dienstleister ist durchaus da, aber begrenzt.
Das Vertrauen in die Dienstleister ist durchaus da, aber begrenzt. (Bild: Pierre Audoin Consultants)

Ergänzendes zum Thema
 
Informationen zur Studie

Zugleich schienen die bisherigen Erfahrungen mit F&A BPO-Dienstleistern sind sehr positiv zu sein. So sind 94 Prozent der auslagernden Unternehmen mit ihren F&A-Dienstleistern zufrieden, etwa ein Viertel der Befragten hat nach eigenen Aussagen sogar „sehr gute“ Erfahrungen gemacht.

Für eine funktionierende geschäftliche Beziehung spricht auch, dass 78 Prozent bereits über mehr als drei Jahre mit ihrem Dienstleister zusammenarbeiten. Dies gilt auch für Auslagerungsvorhaben, in denen Near- oder Offshore-Standorte des Dienstleisters zum Einsatz kommen, was rund 40 Prozent aller Kooperationen betrifft.

Near- und Offshoring nicht unbedingt gefragt

Allerdings zeigt die Umfrage, dass sich das Near- und Offshoring nur langsam weiter verbreiten wird: Wo noch keine Erfahrungen bestehen, will die Mehrheit (71 Prozent) dies auch vorerst nicht in Betracht ziehen. Anders als es in der Öffentlichkeit häufig zu hören ist, sind daher Lohnkostenvorteile für Kunden in der DACH-Region nicht unbedingt die ausschlaggebenden Faktoren für ihre Entscheidung für oder gegen BPO.

Die größten Vorbehalte gegen F&A BPO (F&A = Finance and Accounting) in Finanzabteilungen beruhen auf einer Angst vor Know-how-Verlust (81 Prozent) und Sicherheitsbedenken (71 Prozent). Bei einer möglichen Auslagerung stellen sich Fragen des Umgangs mit vertraulichen und sensiblen Daten, um die Kontrollierbarkeit der Geschäftsvorfälle und um die wertvollen Beziehungen zu eigenen Mitarbeitern sowie auch zu Kunden und Lieferanten sicherzustellen.

Anwenderunternehmen lassen sich überzeugen

Interessant (wenn auch aus Sicht der PAC-Berater nicht überraschend) ist, dass die Vorbehalte generell dort größer sind, wo noch keine Erfahrungen mit F&A BPO bestehen. Hier ist also noch Überzeugungsarbeit zu leisten! „F&A-Dienstleister müssen ihre Fähigkeiten, etwa durch Referenzprojekte, unter Beweis stellen und in besonderem Maße den speziellen Ansprüchen – und Vorbehalten – der Kunden in der DACH-Region Rechnung tragen“, kommentiert Katharina Grimme, Principal Consultant bei PAC.

In angelsächsischen Ländern setzen Unternehmen zunehmend externe Dienstleister (also Berater oder F&A Business Process Service-Anbieter) ein, die die Finanzabteilung mit Technologie, Expertenwissen und niedrigeren Arbeitskosten unterstützen. In den Ländern der DACH-Region wird die Nutzung externer Dienstleister jedoch bisher oft noch mit Skepsis betrachtet.
In angelsächsischen Ländern setzen Unternehmen zunehmend externe Dienstleister (also Berater oder F&A Business Process Service-Anbieter) ein, die die Finanzabteilung mit Technologie, Expertenwissen und niedrigeren Arbeitskosten unterstützen. In den Ländern der DACH-Region wird die Nutzung externer Dienstleister jedoch bisher oft noch mit Skepsis betrachtet. (Bild: Pierre Audoin Consultants)

Trotz dieser Bedenken wollen viele Unternehmen laut PAC-Umfrage die Zusammenarbeit in der kommenden Zeit ausweiten. Treiber sind insbesondere der Zwang zur Kostensenkung und der Fachkräftemangel.

So wollen 41 Prozent aller Finanzabteilungen mit BPO-Praxis ihre Ausgaben für externe Dienstleister erhöhen. Und auch 30 Prozent der Unternehmen ohne Erfahrung wollen in den nächsten zwei bis drei Jahren verstärkt auf externe Dienstleister setzen. Wichtigste Kriterien bei der Auswahl des Partners sind dessen Branchen-Know-how und die Qualität des Projektteams (Expertise, Vertrauensbasis und effektive Kommunikation).

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42978861 / Services)