Neuer Industriestandard für ausfallsichere IT gewinnt an Boden

IBM tritt der Initiative Zero Outage bei

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Uschi Dreiucker / pixelio.de)

Fast zwei Monate nach seiner Gründung hat der Verein „Zero Outage Industry Standard“ ein weiteres Gründungsmitglied bekommen: IBM möchte anscheinend Open Source zur Grundlage neuer Ansätze machen.

Das war bestimmt für früher geplant, aber bei Big Blue kann es schon mal etwas länger dauern, bis die Zuständigkeiten geklärt sind und alle Stimmberechtigte genickt haben. Jetzt aber ist es so weit, und IBM darf sich auch noch als Gründungsmitglied des Vereins Zero Outage Industry Standard bezeichnen. Neben Brocade, Cisco, Dell EMC, Hitachi Data Systems (HDS), NetApp, SAP, SUSE und T-Systems.

IBM dabei, Juniper draußen

Inzwischen ist auch etwas klarer, was der Verein will. Die Beteiligten möchten nämlich „ein Best-Practice-Modell für mehr Qualität in der IT“ definieren, so eine neue Pressemitteilung. Vage ist auch von Standards die Rede. Der Fokus liege dabei auf vier Kernthemen, nämlich: Plattformen, Personal, Prozessen und IT-Sicherheit.

Das ist noch nicht gerade eine umfassende Auskunft, offenbar müssen die Mitglieder sich erst einmal zusammenraufen. Das gibt wohl auch Reibereien, denn das Gründungsmitglied Juniper ist offenbar wieder ausgeschieden. Jedenfalls findet die Firma in der neusten Pressemitteilung keine Erwähnung mehr. (Siehe Richtigstellung am Textende.)

Offenkundige Anlehnung an ITIL

Auffallend ist die Verwendung des Begriffs „Best-Practice-Modell“, der an ITIL denken lässt. Tatsächlich nennt der Verein Zero Outage unter dem Kernthema Prozesse Incident-, Change- und Problem-Management, also exakt zentrale ITIL-Begriffe.

IBM will in den Verein offenbar eine Richtung einbringen, von der in dieser Initiative bisher nicht die Rede war: Open Source. Bei den unterschiedlichen Marktpositionen und strategischen Ausrichtungen der beteiligten Firmen könnte sich das auch als so eine Art Minimalkonsens anbieten. So erklärte Bernhard Klingenberg, CTO von IBM Resiliency Services: „IBM unterstützt seit Jahrzehnten Open-Source-Communities, hat zahlreiche Branchenkooperationen geschlossen… Nun können wir diese Erfahrungen ... gemeinsam mit dem Verband Zero Outage Industry Standard in diesen neuen Standard einbringen.“

Vorsitzender von T-Systems

Auf seiner ersten Sitzung hat das Board of Directors des Vereins am 25. November 2016 übrigens Stephan Kasulke, SVP Global Quality bei T-Systems, zu neuen Chairman gewählt. Kasulke verhehlte nicht, dass die Industrieinitiative vor einer schweren Aufgabe steht: „Dies ist der Beginn eines langen Weges hin zu einer stabilen Telekommunikation, IT und IoT-Technik.“

Richtigstellung: Die für Zero Outage Industry Standard tätige PR-Beauftragte Monika Thomasberger hat "Spekulationen" über Reibereien zurückgewiesen. Juniper sei weiterhin Mitglied im Verein und "wurde lediglich aus formalen Gründen" in der Pressemitteilung nicht erwähnt.

Außerdem merkt Frau Thomasberger an: "ITIL hat viel für die Industrialisierung der IT-Welt beigetragen und dient dem Industry Standard als Basis. ITIL beschreibt das WAS - der Industry Standard präzisiert das WIE."

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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