Das Schweigen der Börse

Geschäftsmodell der DBCE soll wiederkehren

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Zwischen genialer Idee und Scherbenhaufen: Das Konzept der DBCE könnte doch noch Zukunft haben.
Zwischen genialer Idee und Scherbenhaufen: Das Konzept der DBCE könnte doch noch Zukunft haben. (Bild: DBCE/VIT)

Nachdem die Deutsche Börse Cloud Exchange den Betrieb vorerst eingestellt hat, bleibt die Zukunft des IaaS-Marktplatzes offen. Der Anbieter selbst schweigt, Kunden bedauern den Stopp der Plattform und prognostizieren eine Wiedergeburt des Konzepts dahinter.

Mit gerade einmal 625 Zeichen verkündet die Deutschen Börse Cloud Exchange (DBCE) seit Anfang Februar auf ihrer Homepage, dass sie den operativen Geschäftsbetrieb ihres IaaS-Marktplatzes einstellt. Wenngleich der Text Raum für optimistische Deutungen lässt, bleibt unklar, wie genau „Geschäftsmodell und der Vermarktungsansatz weiter evaluiert“ werden sollen.

„Die Aktionäre der DBCE haben entschieden, den operativen Geschäftsbetrieb des Marktplatzes einzustellen“ - so die einleitenden Worte des aktuellen Popups auf der Website der DBCE
„Die Aktionäre der DBCE haben entschieden, den operativen Geschäftsbetrieb des Marktplatzes einzustellen“ - so die einleitenden Worte des aktuellen Popups auf der Website der DBCE (Bild: Deutsche Börse Cloud Exchange)

Nachforschungen zur Zukunft des 2013 von Deutscher Börse und Zimory gegründeten Joint Ventures sowie seiner 44 Mitarbeiter laufen ins Leere: Xing-Anfragen bleiben unbeantwortet, Telefonhörer werden nicht abgehoben. Immerhin bestätigt die für die DBCE tätige PR-Agentur auf Nachfrage, dass derzeit kein Ansprechpartner des Unternehmens zur Verfügung stehe.

Die Idee war gut...

Offene Worte finden derweil die Analysten Heiko Henkes und Arnold Vogt von der Experton Group und schreiben: „Leider musste man einsehen, dass das Geschäftsmodell der Deutschen Börse Cloud Exchange (DBCE) nicht tragfähig war. Dabei muss man anerkennen, dass die Idee wirklich gut war.“

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Das bestätigen übrigens auch Nutzer der Plattform. Nicolas Röhrs, Geschäftsführer von Cloud&Heat, einem Anbieter cloudbasierter Rechenleistungen, findet das Geschäftsmodell immer noch sehr sinnvoll und besonders für die Zukunft relevant. Per DBCE abgewickelte Anfragen und Umsätze seien zum Schluss hin sogar leicht gestiegen, die Volumina angefragter und angekündigter Tender deutlich gewachsen. Von Cloud&Heat bediente Kunden kamen laut Anbieter hauptsächlich aus dem B2B-Bereich, insbesondere aus der Forschung.

...doch die Nachfrage zu klein

Die für den Erfolg kritische Masse konnte die DBCE aber nicht erreichen, mutmaßen die oben genannten Experton-Analysten und sprechen derweil von einem Henne-Ei-Problem: Ein Marktplatz lebe von Angebot und Nachfrage, die sich gegenseitig bedingen. An beidem hätte es bei der DBCE aber gefehlt.

Vorsichtige Kritik äußert schließlich auch Nicolas Röhrs. Grundsätzlich sei das Produkt als solches bereits auf gutem Stand gewesen – bei Usability und Marktgröße hätte es aber noch Optimierungspotenzial gegeben.

Wie geht es weiter?

Ganz abgeschrieben ist das Konzept hinter einem IaaS-Marktplatz anscheinend noch nicht. Hierzu nochmal Nicolas Röhrs: „Wir denken aber, dass es nicht lange dauern wird bis die Idee und das Geschäftsmodell der DBCE wieder aufgegriffen [werden.]“

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