Auf Spurensuche im Rechenzentrum

Einfach grausig (oder lustig) – Bestandsaufnahmen im RZ

| Autor: Ulrike Ostler

(Bild: VBM-Archiv)

Stolperfallen und Wärmenester, Server-Leichen und Kakerlaken, Putzteufel, Wüstenwinde und Gefrierbrand. DataCenter-Insider, immer auf der Suche nach unbekannten Phänomenen, klärt auf. Schonungslos. Echt. Jetzt.

Diesen Sommer war es heiß, ganz heiß - nichts für schwache Gemüter und Kreislaufkranke. Doch wenn die Getränke sich wärmten und die Körper sich erhitzten, kein Problem in der Firma eines Freundes, eines Bekannten meiner weitläufigen Bekannten. Das Rechenzentrum seines Arbeitgebers mutierte flux zum Multifunktionswunder: Man hilt fest: Das Datacenter eignet sich wunderbar als Flaschenlager, Sommer-Zufluchtsort und auch schon einmal als Krankenstation der Kollabierten.

Der nachhaltige Erfolg? Das Niemandsland Rechenzentrum kennen nun viel, viel mehr Kollegen und die sind überzeugt: Super Sache.

Geistergeräusche

In einem Rechenzentrum irgendwo, nicht nirgendwo in Deutschland: Dem Administrator geht es an die Nieren, ein Summen, ja Brummen und dann: tagelang nichts. Alle Geräte laufen, keine Störung und doch immer wieder dieser Ton.

Ein Poltergeist? Ein defekter Switch? Das Deckenlicht? Oder gar Fledermäuse?

Doch in jedem Fall: Ein periodisch auftretendes Mysterium bis, ja bis im Rechenzentrum genau gemessen wurde, wo, wann wie viel Strom gebraucht wurde. Eigentlich sollte es darum gehen, wie sich mit intelligenten Stromleisten und Sensoren im Rechenzentrum Energie sparen lässt. Doch beim Messen konnten mit dem Störgeräusch geringfügige Stromschwankungen in Verbindung gebracht werden.

Als diese auch noch lokalisierbar sind, stellt sich heraus, dass ein Administrator nach einer Nachtschicht dort seinen Rasierapparat vergessen hatte. Dieser summte jeweils bei der Selbstreinigung munter vor sich hin.

Kalt erwischt

Klar, so etwas gibt es eigentlich nicht und ist ja auch schon sooo lange her. Zu dieser Zeit gab es einmal recht empfindliche Unterbrechungsfreie Stromversorgungen. Und selbstverständlich hatte der Rechenzentrumsbetreiber einige davon.

Doch leider hatten die seit einiger Zeit die Angewohnheit sich abzuschalten. Das ist naturgemäß keine gute Idee für eine USV-Anlage, die doch das Rechenzentrum vor Stromschwankungen und bei Stromausfällen schützen soll.

Das Phänomen trat im Winter auf. Dem Wachpersonal war kalt. Und weil die USV-Systeme ansonsten eigentlich immer liefen, stöpselten die Wachmänner ihren Heizlüfter dort an. Das aber mochten die Anlagen gar nicht.

Auch dort, wo anscheinend nur Rechner vor sich hinwerkeln, passieren Malheure, die je nach Sichtweise und Auswirkungen zum Schmunzeln anregen oder Gruselschauer verusachen.
Auch dort, wo anscheinend nur Rechner vor sich hinwerkeln, passieren Malheure, die je nach Sichtweise und Auswirkungen zum Schmunzeln anregen oder Gruselschauer verusachen. (Bild: phokrates / Fotolia.com)

Doppelter Nutzen

Ein Unternehmen, das selbst ein kleines Rechenzentrum betreibt, hatte mit unerklärlichen Schwankungen bei der Kühlleistung zu kämpfen: Im Abstand von einigen Wochen wurde die Leistung der Klimatisierung schlagartig schlechter – um dann langsam wieder besser zu werden.

Und das wiederholte sich regelmäßig. Die Fehlersuche war lange Zeit erfolglos. Des Rätsels Lösung: Eine neue Reinigungskraft hatte mangels sonstigen Stauraums das gelieferte Toilettenpapier und die Papierhandtücher für die Klosetts in den „praktischen Fächern im Fußboden der Rumpelkammer“ verstaut. Damit war der Luftdurchsatz entsprechend beeinträchtigt.

Weil sie aber jeden Abend etwas davon herausholte –wurde der Durchsatz wieder besser. Bis zur nächsten Lieferung…

Wir suchen weiter

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Sie brauchen weder Starfotograf noch Literaturpreisträger zu sein – und selbstverständlich wird der Rechenzentrumsbetreiber nicht namentlich preisgegeben.

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