Interview mit dem Initiator und Univention-Chef Peter Ganten

Ein Jahr Open Cloud Alliance

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Foto: Andreas Hermsdorf, pixelio.de)

Am 11. November 2014 starteten mehrere Unternehmen ein Projekt zum Angebot von Cloud-Services ohne Lock-in. Sie mussten einiges lernen. Aber jetzt, so Initiator Peter Ganten, sind die Grundlagen geschaffen, und es kann richtig losgehen.

Was hat die Open Cloud Alliance, OCA, in ihrem ersten Jahr erreicht?

OCA-Initiator Peter Ganten
OCA-Initiator Peter Ganten (Foto: Univention)

Unsere Idee war es ja, Cloud Service Anbieter und Softwarehersteller zusammen zu bringen, um gemeinsam mit einer offenen Plattform, Cloud-Angebote zu machen, die Endanwendern mehr Kontrolle, mehr Sicherheit und auch mehr Flexibilität geben als das bei den bisherigen Angeboten, insbesondere der großen Anbieter der Fall ist. Das ist gelungen, die ersten Angebote sind mittlerweile am Netz. Durch die Gründung der OCA wurde dazu ein sehr engagiert geführter Dialog zwischen den Beteiligten gestartet. Ziel war es, die Dinge, die solchen besseren Cloud-Angeboten noch im Wege standen, so schnell wie möglich zu beseitigen.

Was stand da im Wege?

Wir haben gemeinsam Vieles entdeckt, an das wir vorher nicht gedacht haben: Wie kann der Cloud Service Provider (CSP) auf Knopfdruck Anwendungen zur Verfügung stellen, so dass die ganze Provisionierung vollautomatisch läuft? Wie bekommt er Informationen, wie viele User eines Kunden den Service gerade nutzen? Woher weiß er entsprechend, wie viele Prozessoren und Speicher er einer virtuellen Maschine zuordnen muss? Dann mussten wir die Vertragsverhältnisse entwickeln: Wer verkauft wem was, und wer haftet wem gegenüber? Das sind massive Fragen, bei denen wir am Anfang etwas naiv waren und viel gelernt haben.

Sind diese Probleme denn nun ausgeräumt?

Wir sind ein großes Stück vorangekommen. So sind Aspekte der Vertragsgestaltung nun im Wesentlichen geklärt. Vor einem Jahr hatten wir noch nichts zum Thema Metering und Billing. CSPs müssen in der Lage sein, die Nutzung ihres Angebots durch Kunden zu messen und entsprechend abzurechnen. Das entwickeln wir in der OCA mit Partnern gemeinsam.

Zur Gründung der OCA hat Univention deren Basis, Univention Corporate Server (UCS), mit der Version 4.0 erst einmal überhaupt Cloud-fähig gemacht. Was ist seither geschehen?

UCS 4.0 war ein wichtiger Schritt, aber natürlich sollte es weiter gehen. Deshalb bringt jetzt die neue Version 4.1 eine ganze Menge mehr. Dabei stehen zwei Neuerungen besonders im Vordergrund: Die erste ist Single Sign-On, was wir darüber hinaus mit einem Self-Service-Portal verbunden haben. Hier können Benutzer ihr Passwort und andere Einstellungen an ihrem Account ändern, ohne dafür einen Admin zu benötigen. Dieses Single Sign-On lässt sich noch um eine Zwei-Faktor-Authentifizierung erweitern, um über Token die Sicherheit zu erhöhen. Die zweite wichtige Neuerung, die nicht nur durch das Cloud-Thema getrieben ist, besteht darin, dass wir jetzt in UCS Docker integriert haben. Durch Docker kann jede einzelne Applikation getrennt von den anderen in einem separaten Container laufen.

Warum ist das für UCS so wichtig?

Die Applikationen können sich nicht mehr gegenseitig behindern. Wir können die Applikationen in unserem App Center nicht perfekt kennen. Deswegen müssen wir sicherstellen, dass eine Applikation nur begrenzte Rechte hat und nicht andere behindern kann. Dazu ist Container-Technologie sehr wirkungsvoll. Außerdem werden verschiedene Apps immer in Widerspruch stehende Abhängigkeiten aufweisen, zum Beispiel von bestimmten PHP-Versionen. Das können wir in einer geteilten Umgebung nicht effizient auflösen, mit Containern ist das jedoch kein Problem.

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