Kritik an unberechenbarer und stockender Produktentwicklung

Ein Fork von OTRS entsteht

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Rainer Sturm, pixelio.de)

Offenbar gibt es große Unzufriedenheit mit der Entwicklung des Open Ticket Request Systems durch die OTRS AG. Einem Unternehmen, das in diesem Umfeld sehr aktiv ist, reicht es jetzt. Die Cape IT GmbH will eine Eigenentwicklung abspalten.

Nicht neue Produkte belebten die Anwenderkonferenz des Chemnitzer IT-Service-Spezialisten Cape am Donnerstag vergangener Woche, sondern ein Thema: Cape verabschiedet sich vom Open Ticket Request System (OTRS), das bisher die technische Basis des eigenen Hauptprodukts KIX4OTRS ist. Stattdessen wird das Unternehmen einen Fork herausbringen, einen abgespalteten, eigenen Entwicklungszweig, und den Code-Kern als Open Source komplett unabhängig von OTRS weiterentwickeln.

Das Vorgehen der OTRS AG sorgt für Ärger

Die überraschende Ankündigung war mit massiver Kritik an der OTRS AG aus Bad Homburg verbunden. Deren Hauptgeschäft ist das einst bei SUSE begonnene Open Ticket Request System, und sie hält bei dessen Entwicklung die Fäden in der Hand. Deren Absichten sind anderen Unternehmen, die Produkte im OTRS-Umfeld entwickeln, offenbar zu vage, um ihr eigenes Business planvoll aufzubauen.

So hieß es von Cape, die OTRS AG kommuniziere „keine Roadmap“ für ihr Kernprodukt. Gleichzeitig verfolgen die Bad Homburger eine Cloud-Strategie, was nicht überrascht. Wichtigster Kritikpunkt von Cape ist wohl das Fehlen eines „offiziellen Commitments zur langfristigen Verfügbarkeit“ des Ticketing-Systems, was den Verdacht nährt, die Bad Homburger zielten auf eine reine Cloud-Strategie.

Alleingänge werden übelgenommen

Der Hintergrund dieser Klage ist wohl, dass OTRS in der heutigen IT-Welt vor allem on premise zum Einsatz kommt. Auf diese Gegebenheit setzen Erweiterungsprodukte wie die von Cape. Wenn nun der Hersteller des Kernprodukts in die Cloud umziehen will, so gehört es zumindest zu den guten Gepflogenheiten (nicht nur) in der Open-Source-Welt, Firmen aus dem „Environment“ über Pläne und Schritte zu informieren. Alles andere steht in Open-Source-Kreisen unter Verdacht, mit dem Wechsel in die Cloud stillschweigend Closed Source einzuführen. Denn in der Cloud werden in der Regel Services bezogen, während in den meisten Fällen ein offener Sourcecode der dahinter stehenden Software nicht zur Verfügung steht.

Fehler in OTRS, inkonsistentes Bug-Fixing

Offenbar geht es aber nicht nur um künftige Unsicherheiten, sondern auch um Dinge in Vergangenheit und Gegenwart des Ticketing-Systems. Gründe wie „teilweise fehlerhafte OTRS-Versionen“ und das „teils inkonsistente und nicht planbare Bug-Fixing“ wurden genannt. Das verursache bei Cape „jährlich mehrere Monate Arbeitsaufwand, um auf neue OTRS-Versionen zu migrieren“. Diese könnten besser in Innovationen gesteckt werden.

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