On-Premise, Co-Location, Managed Service und Cloud

Die Zukunft des Rechenzentrumsbetriebs

| Autor / Redakteur: Lars Göbel* / Ulrike Ostler

Der Vorteil der datenschutzkonformen Datenverarbeitung ist dahin. Jetzt stellt sich die Frage neu, welches USPs deutsche Rechenzentrumsbetreiber ins Feld führen können.
Der Vorteil der datenschutzkonformen Datenverarbeitung ist dahin. Jetzt stellt sich die Frage neu, welches USPs deutsche Rechenzentrumsbetreiber ins Feld führen können. (Bild: © iStock 35839614/ DARZ GmbH)

Wie müssen sich deutsche Anbieter künftig positionieren, um erfolgreich zu sein? Der Autor Lars Göbel vom Rechenzentrumsdienstleister DARZ findet viele gute Argumente für den eigenen Betrieb, stößt aber auch ein grundsätzliches Nachdenken für On-Premise-Verfechter und Co-Locator an.

Als das Save Harbor-Abkommen vom Europäischen Gerichtshof gekippt wurde, schien die Stunde der deutschen Rechenzentrumsanbieter gekommen zu sein. War bis dato der Hinweis auf die Vorteile der Gültigkeit des strengen deutschen Datenschutzes zwar immer ein valides Argument, jedoch selten verkaufsentscheidend, schien sich das Blatt nun zu wenden. Zahlreiche Unternehmen entschlossen sich in der Folge bewusst für deutsche Rechenzentrumsanbieter, um ihre Daten gesetzeskonform speichern und verarbeiten zu können.

Doch die großen datenverarbeitenden Unternehmen aus den USA wie Google, Amazon und Facebook ließen den Standort Deutschland nachvollziehbarer Weise nicht lange brachliegen. Sie schlossen entsprechende Kooperationen oder errichteten an deutschen Standorten gleich eigene Rechenzentren.

Der Vorteil der datenschutzkonformen Datenverarbeitung ist vorerst perdu. Stellt sich die Frage, welches USPs deutsche Rechenzentrumsbetreiber heute ins Feld führen müssen, um die Nase vorn zu haben.

IT-Strategie im Wandel

In diesem Zusammenhang sollte man zunächst einmal das Thema IT-Strategie betrachten. Lag der Fokus von IT-Strategie früher auf Kosten und Stabilität und war die Rolle des CIOs entsprechend überschaubar, tun sich heute ganz neue Herausforderungen auf. Der CIO und sein Team stehen in der Pflicht, das Wachstum des Unternehmens zu fördern, Innovationen zu unterstützen und für Geschwindigkeit und Agilität zu sorgen.

Auf den ersten Blick scheint sich also zwischen dem langfristigen Plan und dem Zwang zum flexiblen Handeln ein Graben aufzutun. Stellt sich die Frage, wie die alte IT-Welt und die neue Welt des Digitalen Wandels in Einklang zu bringen sind. Wie ist eine „Bi-Modal IT“ umsetzbar?

Statisches Denken versus flexibles Handeln

Grundsätzlich lässt sich eine neue tragfähige Vorgehensweise nur noch sehr schwer mit den statischen Denkmustern der Vergangenheit nachbilden. Planung setzt auf Vorhersagbarkeit auf. Diese ist in den sich schnell wandelnden Zeiten nicht mehr gegeben.

Hinzu kommt, dass heute planende und umsetzende Mitarbeiter nicht mehr voneinander getrennt agieren können – die Resultate wären fatal. Zudem ist auch der Grad der Formalisierbarkeit von Prozessen nicht mehr wie früher gegeben.

Ergänzendes zum Thema
 
Die DARZ DmbH

Einzige Möglichkeit ist die maximale Flexibilisierung der Strategie. Dies ist nur möglich, wenn die technischen, organisatorischen und personellen Einflussfaktoren ganzheitlich betrachtet werden. In den geschäftskritischen Bereichen der Organisation wird es weiterhin um Kosteneffizienz und Ausfallsicherheit gehen, hinzu kommt dann noch die Fähigkeit, Produkte schnell zu entwickeln und marktfähig zu machen.

Autor Lars Göbel, Leiter Strategie und Innovation der DARZ GmbH, zu den Herausforderungen für Rechenzentren.
Autor Lars Göbel, Leiter Strategie und Innovation der DARZ GmbH, zu den Herausforderungen für Rechenzentren. (Bild: DARZ GmbH)

Die Zukunft liegt in der Hybrid Cloud

In diesem Zusammenhang wird schnell deutlich, dass Marschrichtungen wie pures On Premise, die vollständige Auslagerung der IT in die Co-Location eines Rechenzentrumsanbieters, eine reine Private Cloud-Lösung vom IT-Dienstleister um die Ecke oder auch das „All in“ mit Hyperscalern nicht zielführend sein können. In Zukunft werden Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchenzugehörigkeit auf Full IT Service Provider setzen, die Hybrid Cloud-Plattformen anbieten.

Diese Ökosysteme erlauben die gleichzeitige Nutzung von Co-Location sowie Public- und Private Cloud-Ressourcen mit einem einzigen Datentopf, also einem zentralen Speicher. Auf diese Weise werden die Daten selbst nicht verschoben, was bei früheren Hybrid Cloud-Lösungen die Achillesferse war, sondern lediglich die Compute-und RAM-Ressourcen stammen aus einer dieser drei Instanzen.

Auf diese Art ist es möglich, genau die IT-Services zu beziehen, die man aktuell gerade benötigt – flexibel skaliert nach Quantität, Qualität und zeitlichem Umfang. Mit Unterstützung von solchen Full IT Service Providern wird der CIO zum IT Service Broker innerhalb seiner Organisation und kann die Wünsche der Fachabteilungen erstmals punktgenau erfüllen.

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Nicht jeder Standort ist geeignet

Durchaus relevant in diesem Kontext ist jedoch der Standort des Rechenzentrumspartners beziehungsweise des Full IT Service Providers. Frankfurt ist seit mehr als einem Jahrzehnt als Deutschlands führender Datenumschlagplatz bekannt. Neben dem Internet-Austauschknoten sind hier auch die großen fünf auf dem deutschen Markt tätigen Co-Location-Anbieter angesiedelt. Der Standort ist aufgrund der ausgeprägten Performanz und der geringen Latenz bei der Datenverarbeitung auf Jahre heraus nicht replizierbar.

Für Rechenzentrumsanbieter außerhalb des Rhein-Main-Gebiets ist dies grundsätzlich eine schlechte Nachricht – auch wenn sie eine Strategie mit Hybrid Cloud-Plattform fahren. Latenz ist letztlich Physik und diese ist unbestechlich. Im Vorteil ist letztlich der Full IT Service Provider, der mithilfe von Dark Fiber-Verbindungen ähnliche Latenzwerte aufweisen kann, wie Rechenzentren in Frankfurt, gleichzeitig aber außerhalb der Bannmeile von 30 Kilometern von der Main-Metropole liegt.

Hintergrund ist die Tatsache, dass hochdigitalisierte Unternehmen aus der Finanzbranche über Regularien der „BaFin“, „Basel III“ sowie der Luxemburger Verordnung über Zweitstandorte verfügen müssen, die mindestens in dieser Entfernung vom Hauptsitz entfernt sind. Ein Rechenzentrumsstandort wie Darmstadt liegt sowohl in einer anderen Erdbebenzone als Frankfurt und weist eine Roundtrip Time für den Datentransport von lediglich 0,4 Millisekunden auf.

Zertifizierungen machen den Deckel drauf

Letztlich, und hier schließt sich auch wieder der Kreis, geht es für Service Provider auch immer darum, Standards zu gewährleisten. Der Goldstandard im IT-Servicebereich ist ISO 27001. Wenn es beispielsweise künftig für zahlreiche Organisationen darum geht, den Vorgaben des IT-Sicherheitsgesetzes zu entsprechen, dann sollten sie darauf achten, dass der Partner vollumfänglich zertifiziert ist.

Das heißt. Dann eben nicht mehr nur Zertifizierung für die Rechenzentren, sondern ISO 27001 auf alle angebotenen Services. Aktuell ist es für die von „KRITIS“ betroffenen schwer, die richtigen Optionen zu erkennen. Ein weiteres Thema ist in absehbarer Zeit auch die Europäische Datenschutzgrundverordnung. Auch hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Zertifizierungen gewährleisten gesetzeskonformes Handeln und deshalb ist die Zusammenarbeit mit Full IT Service Providern mit Hybrid Cloud-Plattform, dem richtigen Standort sowie den richtigen Zertifikaten der richtige erste Schritt. Die Zukunft ist vernetztes Handeln und das bedeutet für den IT-Betrieb kombinierbare und modulare Lösungen.

* Lars Göbel ist Leiter Strategie & Innovation bei der DARZ GmbH

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