Die kleine vSphere-6.5-Schule - Text und Video

Die vCenter 6.5 Linux-Appliance

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Die neue vCenter-Appliance 6.5 bringt zahlreiche Verbesserungen und einen deutoich vereinfachten Setup-Prozeß.
Die neue vCenter-Appliance 6.5 bringt zahlreiche Verbesserungen und einen deutoich vereinfachten Setup-Prozeß. (Bild: Thomas Drilling)

Nachdem am 26. Januar der erste Bugfix für die Ende November letzten Jahres veröffentlichte „vSphere-Version 6.5“ erschienen ist, starten ersten Unternehmen mit dem Upgrade ihrer vSphere-Umgebung. Da der „vCenter-Server“ die wichtigste Infrastruktur-Komponente jeder vSphere-Umgebung ist, beginnt der Upgrade-Pfad stets mit der neuen vCenter-Version.

Mit vSphere 6.5 macht VMware die Linux-Appliance (VCSA) zur strategisch bevorzugten vCenter-Variante, wobei das unterliegende Linux erstmals nicht mehr von Suse kommt. VMware setzt stattdessen auf die Eigenentwicklung Photon.

Dass VMware die Appliance-Variante strategisch favorisiert, lässt sich an mehreren Eigenschaften ablesen: So verfügt die Linux-Appliance erstmals über einige exklusive Funktionen, die der „Windows“-Versionen fehlen, wie „vCenter High Availability“, eine Backup-and-Restore-Funktion oder den integrierten Update Manager.

Die Neuerungen der vCenter-Version 6.5 lassen sich grob in sechs Bereiche klassifizieren:

  • 1. API/SDK
  • 2. Bereitgestellte Clients
  • 3. Neue Funktionen
  • 4. Vereinfachte Bereitstellung
  • 5. Migrations-Option
  • 6. Erweiterte VAMI-Oberfläche

Die Punkte 1 und 2 gelten auch für die Windows-Verson gelten. Im Folgenden werden die Neuerungen am Beispiel der VCSA in dieser Reihenfolge durchleuchtet; die Installation lässt sich im Video unten anschauen.

API/SDK

Neuerungen gibt es zum Beisoiel bei der VMware vSphere API, was „ESXi“- und vCenter gleichermaßen betrifft. Kein Geheimnis ist, dass VMware seit geraumer Zeit daran arbeitet, von Version zu Version die bestehende SOAP-API durch REST-basierte APIs und SDKs zu ersetzen, was aufgrund zahlreicher Abhängigkeiten ein langwieriger Prozess ist.

Relativ neu ist auch die mit Version 6.0 eingeführte lMulti Platform CLI (DCLI), welche ein vereinfachtes VM-Management und die Automatisierung der vCenter Server Appliance per Kommandozeile erlaubt und in Version 6.5 Verbesserungen erfahren hat.

Bereitgestellte Clients

Mit der Veröffentlichung von vSphere 6.5 hat VMware, wie schon öfter versprochen, den alten nativen Client für Windows ausgemustert und löst damit weitere Abhängigkeiten zur Windows Welt auf. Einzelne ESXi-Hosts lassen sich jetzt nur noch durch den modernen, HTML5-basierten Host-Client unter der URL https://<ESXi-Host/ui verwalten. Da er eine Host-Eigenschaft ist, stellen wir den Host-Client im Beitrag zu den Neuerungen von vSphere 6.5 vor.

Der Web-Client hingegen ist eine Eigenschaft des vCenter beziehungsweise wird von diesem bereitgestellt und damit der bevorzugte Client in Enterprise-Umgebungen. Auch hierzu gibt es Neuerungen zu vermelden.

Schon länger arbeitet VMware daran, auch diesen durch einen moderneren HTML5-Client zu ersetzen. Das gestaltet sich aber auf aufgrund der Komplexität des Clients, des ungleich größeren Funktionsumfangs, der Abhängigkeiten zu diversen andern Modulen sowie der vorhanden APIs und SDKs ungleich schwieriger.

Der Flash-Client

Den ungeliebten Flash-Client gibt es daher immer noch, weil nur er momentan den kompletten Funktionsumfang zum Verwalten einer vSphere-Umgebung bereitstellt, sieht man mal von den diverses CLI-Schnittstellen ab. Nichtdestrotz modernisiert VMware auch ihn von Version zu Version.

So besteht er zwar nach wie vor aus einer Adobe Flex Client Applikation und einer Java-Komponente, allerdings ist der Java-Server in Version 6.5 in die vCenter Server Appliance 6.5 eingebettet, sodass zumindest das ebenfalls ungeliebte Java-Client-Integration-Plugin (CIP) nicht mehr benötigt wird.

Die Zukunft wird Flash-frei

Optional liefert VMware mit Version 6.5 erstmals den neuen HTML5-Web-Client mit, der funktional allerdings noch nicht an den Flex-Client heranreicht, aber bereits offiziell unterstützt wird. Nutzer von vSphere 6.0 können den neuen HTML5-Client übrigens ebenfalls ausprobieren, indem Sie ihn von den VMware-Labs herunterladen. Bereitgestellt wird er hier (vSphere 6) als separate virtuelle Maschine, die sich ins 6.0´er vCenter registriert.

Der neue HTML5-basierte Web-Client (vSphere Client) ist in vSphere 6.5 offiziell unterstützt.
Der neue HTML5-basierte Web-Client (vSphere Client) ist in vSphere 6.5 offiziell unterstützt. (Bild: Thomas Drilling)

Mit dem Wegfall des nativen vSphere-Clients - eine vSphere-6.5-Umgebung lässt sich übrigens auch mit der Version 6.0 des alten Clients nicht mehr verwalten - räumt VMware auch mit den Begrifflichkeiten auf. Der Flex-Client wird nach wie vor als „Web Client“ bezeichnet, der neue HTML5-Web-Client hört jetzt auf den Namen „vSphere Client“. Konsequent ist VMware aber hierbei nicht. Schaut man sich auf der Kommandozeile die zugehörigen Dienste/Daemons, zum Beispiel mit ….

service-control –list all

Die vCenter-spezifischen Services lassen sich unter Photon mit der service-control-Schnittstelle verwalten.
Die vCenter-spezifischen Services lassen sich unter Photon mit der service-control-Schnittstelle verwalten. (Bild: Thomas Drilling)

an, korrespondiert der Flex-Client mit dem Service “vsphere-ui (VMware vSphere Client)“ und der Web-Client mit „vsphere-client (VMware vSphere Web Client)“. Und um die Verwirrung vollständig zumachen, zeigen sich beide Client auf der vCenter-Landing-Page unter https://<VCSa>mit

vSphere Web Client (Flash)

vSphere Client (HTML5) - partial functionality

Die "Startseite" des vCenter-Servers bietet Zugriff auf gleich zwei "Web-Clients".
Die "Startseite" des vCenter-Servers bietet Zugriff auf gleich zwei "Web-Clients". (Bild: Thomas Drilling)

Selbstverständlich kann man den Web-Client aber auch jederzeit direkt mit https://<vCenter-Appliance>/vsphere-client adressieren, ebenso wie den HTML5-Client mit

https://<vCenter-Appliance>/ui

Die zugehörige Port-Angabe 9443, die man bei der Version 5.5 noch anfügen musste, entfällt dank konfigurierter Redirection. Die gewünschte Lokalisierung wählt man wie gehabt mittels

https:///<vCenter-Appliance>/vsphere-client/?locale=DE_de

Neue Funktionen

Ein exklusives neues Feature der VCSA ist der vCenter-High-Availability-Service. Der „Posten“ einer Hochverfügbarkeitslösung für das vCenter selbst - der wichtigsten Infrastrukturkomponente in einer vSphere-umgebung - war „vakant“, seit VMware seine wenig glückliche Lösung „vCenter Heartbeat“ eingestellte hatte. In vSphere 6.0 kann der Admin das vCenter, sofern es virtualisiert ist, nur über das gewöhnliche HA-Feature absichern, das allerdings selbst zumindest teilweise ein funktionierendes vCenter voraussetzt, ein klassische Henne-Ei-Problem.

Die neue „eingebaute“ HA-Lösung unterstützt dagegen eine echte Active/Passive-Konfiguration mit eigenem Witness-Knoten. VMware garantiert für die VCSA-interne HA-Lösung ein RTO von zirka fünf Minuten. Außerdem wird die Funktion nicht nur beim Ausfall der kompletten VCSA-VM aktiv, sondern greift bereits, wenn einzelne Dienste ausfallen.

Mit dem neuen Feature "vCenter High Availability" lässt sich das vCenter selbst hochverfügbar betreiben.
Mit dem neuen Feature "vCenter High Availability" lässt sich das vCenter selbst hochverfügbar betreiben. (Bild: Thomas Drilling)

Vereinfachte Bereitstellung

Das Deployment der VCSA hat sich gegenüber der Version 6.0 noch einmal vereinfacht. Während bereits Version 6.0 die prinzipielle Notwendigkeit des Ausrollens einer OVA-Datei hinter einem, direkt aus dem gemounteten ISO startbaren HTML5-basierten-Installers verbarg, muss der Nutzer in Version 6.5 nur noch die Datei <Laufwerk>:\vcsa-ui-installer\win32\installer.exe aus dem gemounteten ISO aufrufen, möchte der Installation von einem Windows-PC aus anstoßen. Alternativ gibt es einen GUI-Installer für Mac und Lin64 im übergeordneten Verzeichnis <Laufwerk>:\vcsa-ui-installer und zudem einen CLI-Installer <Laufwerk>:\vcsa-cli-installer.

Der Setup-Prozeß der VCSA ist in Version 6.5 hübscher und funktionaler geworden.
Der Setup-Prozeß der VCSA ist in Version 6.5 hübscher und funktionaler geworden. (Bild: Thomas Drilling)

Migration und Upgrade

Der grafische unter Windows oder Linux ausführbare vCenter-Installer beherrscht neben dem Upgrade von einer VCSA 6.0-Appliance auch die Migration von einem Windows vCenter. Allerdings funktioniert die Migration nur in der Richtung von Windows zu Linux. Das Migrations-Tool gab es zwar auch vorher schon, allerdings nur als separates Werkzeug, das bis dato nur den Sprung von vSphere 5.5 auf 6.0 beherrschte. Mit der im Installer der Version 6.5 integrierter Version gelingt selbstverständlich auch eine Migration auf die neuste Version. Die Neu-Installation der VCSA zeigt folgendes Video.

Das Migrations-Feature setzt allerdings voraus, das VCSA-6.5-ISO zunächst auch auf dem Windows-vCenter-Quellsystem zu mounten und dort aus dem Unterverzeichnis „migration-asssitant“ das Tool VMware-Migration-Asssitant.exe zu starten. Es führt einen Pre-Migration-Check durch und nimmt anschließend Verbindung mit dem Migration-Tool auf, das letztendlich das Ziel-System generieren soll. Erst dann lässt sich der Punkt „Migrate“ auswählen. Das Quell-System überträgt dabei u. a. auch Migrations-Logs an die Ziel-VCSA.

Der neue Migrations-Assistant in VCSA 6.5.
Der neue Migrations-Assistant in VCSA 6.5. (Bild: Thomas drilling)

VAMI

Zusätzlich bietet die VCSA-Appliance wie die meisten VMware-Appliances eine zusätzliche Konfigurationsoberfläche für das unterliegende Linux auf Port 5480, die so genannte VAMI-Oberfläche (Virtual Appliance Management Interface ). Hier lassen sich traditionell Dinge konfigurieren wie Root-Account, Netzwerk, Timeserver usw. . Außerdem kann der Admin hier ein Update (nicht Upgrade) der Appliance durchführen. Mit der Version 6.5 der VCSA, hat VMware die Konfigurationsmöglichkeiten hier deutlich erweitert

So findet sich hier nun eine Backup- und Wiederherstellungs-Funktion. Mit ihr lassen sich Konfiguration und Daten eines vCenters sichern, einschließlich der Einstellungen der integrierten Dienste Auto Deploy und Update Manager. Alternativ kann das Feature auch über die APIs durch externe Tools angesteuert werden.

Neu in VCSA 6.5 ist auch eine Backup-Funktion.
Neu in VCSA 6.5 ist auch eine Backup-Funktion. (Bild: Thomas Drilling)

Jedes Backup enthält eine Reihe von Dateien, die sich problemlos via HTTP(S), SFTP oder SCO auf ein Ziel-Storage-System übertragen lassen. Um eine Wieder¬herstellung zu starten, muss man das System mit dem Installations-ISO booten, von dem aus die VCSA ursprünglich eingerichtet wurde. Hier klickt man dann auf „Restore“.

VMware hat der VCSA in Version 6 auch eine Monitoring-Funktion spendiert.
VMware hat der VCSA in Version 6 auch eine Monitoring-Funktion spendiert. (Bild: Thomas Drilling)

Die VCSA-Appliance stellt in Version 6.5 außerdem erweiterte Management-Funktionen in Form von zusätzlichen Health- und Konfigurations¬daten an der VAMI-Oberfläche zur Verfügung. Der Admin findet dort außerdem erweiterte Statistiken zu CPU- und RAM-Auslastung, Netzwerk oder verfügbaren Speicherplatz.

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