Gartner-Analyse der Lösungen für mittelständische und große Unternehmen

Die Top 10 für Backup und Recovery

| Autor: Ludger Schmitz

Backup ist längst keine Frage des Hardwarepreises mehr. Hier ein 2U-Storage-Server von Wiwynn.
Backup ist längst keine Frage des Hardwarepreises mehr. Hier ein 2U-Storage-Server von Wiwynn. (Bild: Wiwynn)

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner Inc. hat sich die Lösungen für Backup und Recovery in größeren Umgebungen genauer angeschaut. Von zehn Anbietern bieten fünf eine recht geschlossene Führungsgruppe.

Der Markt für Backup-Lösungen könnte in den nächsten Jahren viel Bewegung erleben. Denn Gartner schätzt, dass die Anwender bis zum Jahr 2021 die Hälfte der bestehenden Applikationen ablösen oder verbessern werden. Zusätzliche Dynamik erhält der Markt in den nächsten vier Jahren laut Gartner durch weitere Trends wie Backup in der Cloud, zunehmende Langzeitarchivierung und der begründeten Furcht vor einer Zerstörung der Datenbestände durch Hacker.

Zehn Anbieter für mittelständische und große Unternehmen

In Betracht kamen für Gartner nur Lösungen, die sich für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern eignen. Außerdem mussten die Anbieter weltweit vertreten sein. Nicht in Betracht kamen reine Service-Angebote (Backup as a Service, BaaS) oder Lösungen, die sich ausschließlich für eine Plattform, etwa von Microsoft oder VMware, eignen.

Der Magic Quadrant Backup and Recovery 2017 von Gartner; zum Vergrößern anklicken.
Der Magic Quadrant Backup and Recovery 2017 von Gartner; zum Vergrößern anklicken. (Bild: Gartner)

Es blieben zehn Anbieter übrig, genau die gleichen wie bei einer ähnlichen Gartner-Analyse aus dem Juni 2016. Diese bewerteten die Marktanalysten in einem Gartner-typischen „Magic Quadrant“ nach „Ability to Execute“, in etwa ihre funktionalen Tiefe, Nutzbarkeit und Kosten, und „Completeness of Vision“, eine Beurteilung der Marktpositionierung und Produktstrategie. In beiderlei Hinsicht bilden im Endergebnis fünf Anbieter eine Führungsgruppe (siehe Grafik, zum Vergrößern anklicken). Im Folgenden das Wichtigste aus den Bewertungen in alphabetischer Reihenfolge.

Actifio

Das Unternehmen ist Pionier des „Copy Data“-Konzepts, das nur mit Kopien der Ursprungsdaten arbeitet und immer ein „goldenes Image“ der Daten zurückhält, und schafft es damit an die Spitze der Visionäre in der Gartner-Beurteilung. Es sei damit besonders gut geeignet für große virtuelle Umgebungen und Applikationen, insbesondere für Oracle-Instanzen. Gartners Befragung von Anwendern ergab besonderes Lob für einfache Nutzbarkeit und guten Support. Auf der negativen Seite wurde erwähnt, dass die Ersteinrichtung viel Aufwand und Genauigkeit erfordere und die Verbreitung in Europa noch auf einige Länder begrenzt ist.

Arcserve

An die Stelle des ursprünglichen Produkts „Arcserve Backup“ ist „Unified Data Protection“ (UDP) getreten, womit sich der Anbieter aus seinen Wurzeln bei CA Technologies freimacht. Der Schwerpunkt des Angebots richtet sich auf die Ansprüchen von Unternehmen zwischen 250 und 2500 Mitarbeitern. Aus diesem Grunde ist es auch seltener in großen Oracle-Umgebungen zu finden. Kritische Anmerkungen gelten ferner dem technischen Support und der schwachen Präsenz in Nordamerika. Gelobt werden neben vielfältigen Preismodellen die Produktoptionen mit Steuerung über eine einheitliche Konsole sowie die problemlose Einrichtung.

Commvault

Das Unternehmen nimmt im Gartner-Ranking eine Spitzenposition ein. Gründe sind unter anderem die außerordentlich breite Unterstützung von Public-Cloud-Angeboten, Hypervisoren, Big-Data-Fähigkeit und die Eignung für viele Storage-Arrays, was Gartner als Zukunftssicherheit schätzt. Die Reputation als teurer Anbieter sei eigentlich unverdient. Die Anwendung sei nach Schulung anspruchslos, allerdings sei die Implementierung so komplex, dass sie oft professionelle Services erfordere. Für Umgebungen mit vielen virtuellen Maschinen pro CPU-Socket sei das Lizenzmodell nicht attraktiv.

Dell EMC

Die diversen Editionen der „Data Protection Suite“ bieten neben den grundlegenden Funktionen zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten, die bis zur Unterstützung von Big-Data-Workloads reichen. Die Kombination aus funktionaler Vielfalt, Anpassbarkeit und günstigen Kosten ergeben eine hohe Bewertung. Für das laufende Jahr ist ein zentrales Dashboard für alle Komponenten angekündigt, was bisher fragmentiert lief und Komplexität schaffte. Der Anbieter arbeitet mit aggressiven Preisnachlässen beim Kauf von Hardware. Dies könnte, so warnt Gartner zu einer Lock-in-Situation führen.

HPE/Microfocus

Seit im letzten Jahr ein verbessertes grafisches User Interface erschien, hat sich ein alter Kritikpunkt erledigt. Der „Data Protector“ bietet, so Gartner, „good, heterogeneous OS, database and file system support“. Unter Kostengesichtspunkten sei es ein gutes Angebot für traditionelle On-premise-Umgebungen, allerdings fehle es an einem Preismodell für virtualisierte Maschinen. Die größte Unsicherheit scheint es bei Gartner hinsichtlich der Folgen des Verkaufs der Softwaresparte an Microfocus zu geben. Zu diesem Deal gehört auch das Backup-Produkt.

Skalierbarkeit in extreme Dimensionen und hohe Transferraten deuten das Großrechner-Erbe von „Spectrum Project“ an. Längst aber unterstützt das IBM-Produkt zahlreiche physische und virtuelle Landschaften, Betriebssysteme, Applikationen und Speicherhardware. Gute Noten vergeben Anwender dem technischen Support. Die einzigartige „Two-Tier-Architecture“ könnte laut Gartner auf einen Kostenvorteil bei den Infrastruktur-Anforderungen hinauslaufen. Jedoch resultiert die alte Kostenberechnung nach „Processor Value Units“ zum Hochpreis-Image, obschon es in vielen Ländern ein an Kapazitäten orientiertes Kostenmodell gibt. In Sachen Usability gibt es sehr schlechte Bewertungen, allerdings ist noch für 2017 eine neue Administrationskonsole angekündigt.

Rubrik

Dies ist ein Newcomer auf dem Markt, dem Gartner „moderne Backup- und Recovery-Techniken“ bescheinigt, die „Abhängigkeiten von externen Datenbanken und Storage-Controllern beseitigt un drastisch die Backup-Software und Hardware-Infastruktur vereinfacht“. Außerdem seien die Kosten einfach zu kalkulieren und günstig. Allerdings sei der Support für physische Server und Applikationen noch nicht breit genug. Trotz seines Namens „Cloud Data Management“ sei das Produkt vor allem auf On-Premise-Umgebungen angelegt.

Unitrends

Der Anbieter ist mit „Unitrends Enterprise Backup“ (UEB) vor allem auf kleine bis mittelgroße IT-Umgebungen ausgerichtet. Die Unterstützung von physischen und virtualisierten Umgebungen ist breit, Einschränkungen gibt es noch in Sachen Cloud. Anwendern empfiehlt Gartner, bei der Installationsplanung sehr großzügig zu kalkulieren, weil die Hardwareanforderungen umfangreicher ausfallen könnten als gedacht. Einige Module der Software seien nicht vollständig in das User-Interface integriert.

Veeam

Aus der Virtualisierungsszene kommt Veeam und ist mit ihr nach Umsatz zum viertgrößten Backup-Anbieter geworden. Für diese Anwendungsumgebungen erntet der Anbieter von Gartner Respekt. Insbesondere gibt es Lob für die unkomplizierte Administration von Backups und auch Recovery. Reserviert äußern sich die Marktforscher über die noch nicht lange mögliche Unterstützung physischer Umgebungen und deren Integration in das Produkt. Trotz einiger kostenloser Promotion-Angebote sei „Veeams Straßenpreis oft nicht mehr wettbewerbsfähig“.

Veritas Technologies

Von diesem Anbieter stand nur „NetBackup“ für größere Umgebungen im Fokus, weil das alternative „Backup Exec“ stärker den Mittelstand fokussiert. Das Produkt sei, so Gartner, bewährt und sehr skalierbar für einen vielfältigen Mix physischer, virtueller und Cloud-Umgebungen. Außerdem sei die Lösung einfach einzurichten und „kosteneffektiv“. Zur guten Produktqualität komme ein bisher kompetenter technischer Support. In diesem letzten Punkt aber habe es wie bei den Verkaufsteams in letzter Zeit starke personelle Veränderungen gegeben, was die Analysten skeptisch stimmt. Und das Unternehmen habe zuletzt mehr für die Weiterentwicklung anderer Managementprodukte getan.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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