Kein Unternehmen kommt an Investitionen in Big-Data-Infrastruktur vorbei

Die Experton Group kürt „Big Data“ zum Megatrend

| Redakteur: Ulrike Ostler

Zunächst liegt das Gewicht bei Big-Data-Investitionen auf der Infrastruktur- und Softwareseite. Die Services ziehen später nach.
Zunächst liegt das Gewicht bei Big-Data-Investitionen auf der Infrastruktur- und Softwareseite. Die Services ziehen später nach. (Bild: Experton Group)

Die IT-Welt steht vor einer Datenexplosion. Allein im Jahr 2012 erzeugt die Menschheit voraussichtlich so viele Informationen wie in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor. Aber ist Big Data nicht nur ein Hype, um bekannte IT-Lösungen neu zu verpacken? Die Experton Group meint: Nein.

Das hochdynamische Datenwachstum in den Unternehmen stellt deren IT-Entscheider vor die Herausforderung, die IT- und Netzwerk-Infrastruktur aufzurüsten und anzupassen.

Im Jahr 2011 wurden weltweit insgesamt 3,38 Milliarden Euro in Big Data-Projekte und -Services investiert. Der Markt wächst zudem zwischen 2011 bis 2016 mit durchschnittlich mit 36 Prozent weit überdurchschnittlich und stellt eines der Zugpferde der IT-Konjunktur dar.

Big-Data-Lösungen haben somit eine starke Investitionskomponente in den Bereichen Hardware und Infrastruktur. Über neue Anwendungen und Delivery-Konzepte wie SaaS und IaaS steigt vor allem das Datenaufkommen in den Unternehmensnetzwerken und den Schnittstellen zur Public Cloud, was den Bedarf an Bandbreite und zugehörigen Acceleration-Services antreibt.

Neue Anwendungen, Neue Technik und neue Firmen

Ein weiterer zentraler Investitionsbereich sind die neuen Datenbank- und Analytics-Technologien, die derzeit auch die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich ziehen. So wurden in den letzten 24 Monaten über 30 neue Big-Data-Startups mit Kapital ausgestattet, um ihre Technologien und Services zur Marktreife zu entwickeln und global zu vertreiben.

Die Lösungs- und Service-Unternehmen bilden den Kern der spezialisierten Big-Data-Anbieter, deren Unternehmensstrategie und Portfolio ausschließlich auf dieses Thema ausgerichtet sind. Vielfach agieren diese als Technologie- und Know-how-Partner der etablierten und globalen Technologie- und IT-Serviceanbieter, die im Rahmen der oft komplexen und investitionsintensiven Projekte die Verantwortung übernehmen.

Laut Carlo Velten Senior Advisor bei der Experton Group seien diese spezialisierten Big-Data-Anbieter für rund 8 Prozent der globalen Ausgaben und Investitionen verantwortlich und belegten damit die These, dass Big Data ein neues Marktsegment bildet und nicht ein „recyceltes Business Intelligence“ (BI) darstelle, wie mitunter vermutet werde.

Die prognostizierte Wachstumskurve

Im vergangenen Jahr wurden weltweit über 3,3 Milliarden Euro in Big-Data-Lösungen und -Services investiert . Bis zum Jahresende 2012 werden sich die Ausgaben und Investitionen auf 4,5 Milliarden Euro erhöhen.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit über 3,3 Milliarden Euro in Big-Data-Lösungen und -Services investiert . Bis zum Jahresende 2012 werden sich die Ausgaben und Investitionen auf 4,5 Milliarden Euro erhöhen. (Bild: Experton Group)

Der Wachstums-Peak wird in den Jahren 2013 (38 Prozent) und 2014 (40 Prozent) erwartet, getrieben durch die initialen Infrastrukturinvestitionen. In den Folgejahren wird sich das Wachstum global wieder leicht abflachen; 2016 liegt er bei 31 Prozent.

Dies ergibt sich einerseits durch den Preisverfall auf der Technikseite, als andererseits durch den verstärkten Einsatz von internem Know-how in den Unternehmen. Diese sind dann in der Lage, Big-Data-Projekte auch mit eigenen Mitarbeitern umzusetzen, während diese Kompetenzen in den nächsten zwei bis vier Jahren „sehr teuer“ zugekauft werden müssen.

Betrachtet man die Aufteilung der Big-Data-Investitionen nach Hardware, Software und Services, fällt auf, dass die derzeitige Marktphase eine leichte Übergewichtung auf Infrastruktur- und Softwareseite mit sich bringt. Die Auf- und Ausrüstung auf Server-/Storage- und Netzwerkseite sowie die Lizenzierung neuer Software- Lösungen und Tools ist in den meisten Unternehmen allerdings die Grundvoraussetzung, um Big-Data-Projekte zu realisieren.

Big Data setzt sich bei deutschen Firmen fest

Zukünftig wird mit wachsender Marktreife wieder eine Verschiebung in Richtung Services stattfinden; für das Jahr 2012 rechnet die Experton Group mit 43 Prozent aller Ausgaben. Elementare Voraussetzung ist hier der Aufbau von Vertrauen in die Big-Data-Dienstleister in Bezug auf Integrität und Leistungsfähigkeit.

Auch in Deutschland ist der Big-Data-Trend angekommen, stellt die Experton Group fest. Für die Studie, die das belegt, hat das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen 155 IT-Verantwortliche in mittelständischen und großen Unternehmen befragt und kommt zu dem Schluss Big Data sei „der aktuell geschäftsrelevantesten Trend für deutsche IT-Anwender.“

Die Investitionen sind entsprechend: In diesen Jahr werden hierzulande rund 350 Millionen Euro für Big Data investiert. In den kommenden Jahren steige dieser Anteil im europäischen Vergleich stark an.

Holm Landrock, Senior Advisor der Experton Group, sagt: „Die Anwender haben verstanden, dass selbst Maschinen- und Betriebsdaten „Daten“ sind, aus denen sich wichtige Geschäftsinformationen und Erkenntnisse ableiten lassen.“

Business Intelligence taugt nur bedingt für Big-Data-Analysten

Allerdings seien sie mit vielen klassischen Analytics-Lösungen nicht wirklich zufrieden. Er folgert: „Die Anbieter von Big-Data-Lösungen müssen sich hier viel mehr als bisher um die Bedarfe der Anwender kümmern, statt Lösungen mit einem Big-Data-Etikett zu versehen, nur weil die Rechentechnik leistungsfähiger geworden ist.“

Die kompletten Ergebnisse der Anwenderstudie „Big Data 2012“ wird die Experton Group Ende Oktober 2012 veröffentlichen.

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