Fujitsu-CTO Josph Reger über Grenzen im IT-Wolkenhimmel

Die 5 größten Missverständnisse des Cloud Computing

| Redakteur: Ulrike Ostler

Fujitsu-CTO-Joseph Reger: Homomorphe Verschlüsselung wäre die Lösung.
Fujitsu-CTO-Joseph Reger: Homomorphe Verschlüsselung wäre die Lösung. (Bild: Fujitsu)

Bevor Joseph Reger, Chief Technology Officer bei Fujitsu Technology Solutions, auf die Probleme des Cloud Computing eingeht, stellt er klar: „Die Cloud ist da und wird nicht weggehen!“ Zudem seien er oder sein Arbeitgeber keine Gegner der Cloud, ganz im Gegenteil. Doch mit ein paar Missverständnissen räumt er auf.

Ist Cloud-Computing nun sicher oder nicht?

Joseph Reger: Einen 100prozentigen Schutz kann es in der Cloud nicht geben. Somit stellt insbesondere der Schutz persönlicher Daten eine Herausforderung dar. Was fehlt, ist schlichtweg die physische Kontrolle des Rechenzentrums. Diese ähneln heute Festungen. Somit bleibt ein Residuum an Unsicherheit.

Der Datentransport ist das Problem, nicht unbedingt die Verarbeitung. Homomorphe Verschlüsselung, zum Beispiel von Pascal Pailler, könnte dieses Problem möglicherweise lösen. Hier hat nur der Besitzer der Daten einen Schlüssel. Doch mit Hilfe entsprechender asymmetrischer Algorithmen lassen sich auch verschlüsselte Daten verarbeiten. Allerdings sind solche Verfahren noch weit weg von kommerziellen Anwendungen.

Bedeutet Cloud Computing das Aus für den klassischen IT-Betrieb?

Joseph Reger: Dienste sind kein Allheilmittel. Weitgehend durchgesetzt haben sich Computing-, Storage, und -Dienste: as a Service (IaaS). Doch hier zeigt sich eine ökonomische Seite, die man so nicht erwartet hat. Das Modell „Pay as you use“, also nur das zahlen, was tatsächlich gebraucht wird, scheint Moores Law nicht zu folgen: Das geht davon aus, dass die Stückkosten bleiben, aber die Leistung sich verdoppelt – etwa alle 18 Monate. Umgekehrt heißt das: Die Stückkosten für dieselbe Leistung halbieren sich.

Vergleicht man die Preise für eine virtuelle Maschine von vor zwei Jahren und heute sind VMs relativ gesehen zwar günstiger geworden, doch nicht in dem erwarteten Rahmen. Das ist ein Problem, insbesondere für die Cloud-Anbieter, die ihre Facilities, zum Teil neu gebaut, und Rechenkapazitäten, mit neuen Abläufen und Tools versehen, möglichst hoch auslasten wollen. Moores Law bezieht sich eben hauptsächlich auf Hardware; die Hardware-Kosten aber schlagen in Cloud-Umgebungen nicht wie gewohnt durch.

Die Attraktivität für Cloud-Computing ergibt sich aber aus anderen Faktoren: damit einhergehende Flexibilität, Agilität. Wenn ein Unternehmen jedoch IaaS aus Kostengründen gewählt hat, kann es sein, dass Cloud-Angebote nicht mehr interessant genug sind. Aus Fujitsu-Sicht bedeutet das: - und Speichersysteme bleiben attraktiv.

Ist bei IaaS Schluss?

Joseph Reger: Die Schlacht um das Cloud Computing wird nicht auf der -Ebene entschieden, sondern auf der Anwendungsschicht. IaaS bildet lediglich das Trägersystem.

Das Problem besteht aber darin, dass es kaum Cloud-taugliche Anwendungen gibt. Ich sehe zwei Baustellen: kleine Apps und große Anwendungen. Das Schöne an den Apps besteht darin: Sie sind nicht so teuer. Allerdings sind sie in ihrem Funktionsumfang und (bis jetzt) in der Unternehmenstauglichkeit eingeschränkt.

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Zur Person Joseph Reger

Die großen Anwendungen hingegen haben eine vergleichsweise große Bedeutung für die Unternehmen. Denn die gibt es bereits und sie sind in den Unternehmen verankert. Aber: Die Anwendungssysteme stammen aus einer anderen Zeit und sind Cloud-untauglich. Da klafft eine große Lücke. Soll sich Cloud-Computing weiter entwickeln, braucht es Apps und Anwendungen. Softwawe as a Service () muss existieren.

Derzeit sind Anwendungen für und aus der Wolke ein knappes Gut. Es kommt also für die Hersteller darauf an, möglichst viele Entwickler zu mobilisieren, um diese Lücke schnell schließen zu können.

IT-Standardisierung im Rechenzentrum gilt als unabdingbare Voraussetzung für das Cloud Computing.

In den ganz großen Rechenzentren, zum Beispiel von Google, haben die Rechner eigentlich triviale Aufgaben zu erledigen. Hier macht die Standardisierung der Hardware Sinn. Tatsächlich lässt sich das Gros der IT-Aufgaben auf eine homogenen Rechner-Infrastruktur abbilden. Doch der Unternehmens-IT ist inhärent, dass es immer Randgebiete geben wird, um einzelnen Anwendern und Anwendergruppen ganz exotische Dinge anzubieten.

Mit IT als Dienst aus der Wolke geht der Wunsch auf Dynamik einher: Anwendungen wandern von einer Cloud zur anderen. Kommt das?

Joseph Reger: Das setzte Unabhängigkeit von und Betriebssystemen voraus. Als Gedanke ist Hypervisor-Ungabhängigkeit durch Kapselung toll. Ließe sich der komplette Stack verpacken, läge darunter die nackte Hardware und die Hoheit der Software wäre gewährleistet. Auch andere Probleme ließen sich leichter lösen, etwa Sicherheitsfragen. Doch praktisch ist das bisher unlösbar. Zum Beispiel gibt es noch keine entsprechenden Verwaltungs-Tools.

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