OpenStack Summit 2017 in Boston

Der Open-Cloud-Boom hält unverändert an

| Autor: Ludger Schmitz

Das offizielle Logo des OpenStack Summit in Boston 2017
Das offizielle Logo des OpenStack Summit in Boston 2017 (Bild: OpenStack Foundation)

Das Interesse an OpenStack lässt nicht nach – im Gegenteil. Der diesjährige Frühjahrs-Summit in Boston entwickelte sich zu einer Großveranstaltung, und IT-Anbieter überboten sich bei dieser Gelegenheit mit Meldungen über Neuheiten.

Wenn ein OpenStack Summit angesagt ist, kann man sich auf einen größeren Auflauf einstellen: Mehr als 5000 registrierte Teilnehmer aus 63 Ländern kamen zum Frühjahr-Event der Initiative nach Boston, davon zwei Drittel aus Nordamerika. 41 Prozent waren zum ersten Mal dabei. 152 Journalisten und Analysten sowie sage und schreibe 104 Sponsorenfirmen. Allerdings: Zum letzten Herbst-Summit in Barcelona waren noch mehr Teilnehmer erschienen, nämlich 5600. Dies könnte nicht nur der ausländerfeindlichen Haltung der US-Regierung geschuldet sein. Vielmehr treffen Private Clouds in Europa auf deutlich mehr Interesse als Public Clouds.

"USA 1st" beschleunigt Private Cloud Computing

Die Politik hat dem Erfolg der weltgrößten Open-Source-Initiative jedenfalls keinen Abbruch getan. "USA 1st" hilft eher, Spionageverdacht und lockerer Umgang mit Datenschutz schrecken vor Public Clouds ab. Die Hälfte der Fortune-100-Companies sind inzwischen OpenStack-Anwender. In OpenStack-basierenden Cloud-Umgebungen laufen weltweit fünf Millionen CPU-Cores. Die Foundation führt es auch auf ihre Aktivitäten und die ihrer mehr als 70.000 Entwickler zurück, dass nicht etwa das Public-Cloud-Welt dominiert, sondern jeweils ziemlich genau ein Drittel der Cloud auf Public, Private und Hosted Private Clouds entfallen.

Die Anwender würden heutzutage deutlich besser die Vorteile von OpenStack verstehen, so Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation, in seiner Eröffnungsrede. Das seien „three C‘s: Capabilities, Compliance and Cost“. Dem komme die unverändert starke technische Weiterentwicklung von OpenStack entgegen: ausgereifte Kernmodule und ein wachsenden Angebot variantenreicher Erweiterungen.

Von der ersten zur zweiten Cloud-Generation

Laut Bryce waren die letzten zwölf Monaten von einem Generationswechsel in Sachen Private Clouds geprägt. Technologisch war die erste Generation von Virtualisierung und Produkten von VMware, Eucalyptus, CloudStack und OpenStack geprägt. In der zweiten Generation sind nun virtualisierte Netzwerke und Storage sowie Container und Bare Metal auf der Basis von OpenStack, Cloud Foundry, Kubernetes und Mesos angesagt.

Bei der Verbreitung verlangten in der ersten Generation unausgereifte Technologien signifikante technische Ressourcen, weswegen Private Clouds vor allem bei Technologiefirmen wie den Telecoms zum Einsatz kamen. Die zweite Generation ermöglicht es laut Bryce jetzt, mit kleinen Teams Clouds einzurichten und zu managen. Dadurch wird es auch kleineren Unternehmen möglich, Kostenvorteile aus Private Clouds zu ziehen.

Private Cloud-as-a-Service

Die OpenStack Foundation richtet sich künftig nicht nur technisch, sondern mit einem Serviceangebot direkter als bisher an interessierte Anwender. Sie hat einen Marktplatz „Private Cloud-as-a-Service (PCaaS) eingerichtet. Hier können Anbieter ihre OpenStack-basierenden Lösungen vorstellen. Der Marktplatz erlaubt es, die Angebot nach Kriterien wie Interoperabilitätstests, API-Versionen, regionaler Verfügbarkeit und Hardware-Anforderungen zu vergleichen. Bisher sind hier mit Managed Private Clouds vertreten: Aptira Managed Cloud, Canonical BootStack, Cisco Metacloud, EasyStack ESCaaS, IBM Bluemix Private Cloud Local, Mirantis Managed OpenStack, Platform9 Managed OpenStack, Rackspace OpenStack Private Cloud und UnitedStack UOS.

Einen künftigen Schwerpunkt und ein Wachstumsfeld sieht die OpenStack Foundation im Edge Computing. Dafür hatten sich zuerst die Telecoms interessiert, inzwischen gibt es, so OpenStack-Chef Bryce, auch großes Interesse von Anwendern in der Industrie, im Handel und in der Forschung. Mit Millarden verteilter Devices, zum Beispiel Sensoren im Internet of Things, ist eine zentralisierte Echtzeit-Datenverarbeitung weder technisch noch finanziell machbar. Sie erfordert Datenaufbereitung nahe an den Devices. Beim Zusammenschluss der Compute-, Storage- und Netzwerk-Ressourcen tut sich ein weites Feld auf für offene Infrastruktur-Technologie, für OpenStack.

Noch dominieren "Big Names" die Anbieterszene

Die verbesserten Möglichkeiten, Private Clouds mit OpenStack mit weniger Aufwand auch in kleineren Umgebungen zu betreiben, hatten sich in Boston noch nicht in den anderen Keynote-Reden niedergeschlagen. Hier dominierten die „Big Names“, was auch damit zu tun hat, dass damit Sponsoren belohnt werden. Ein paar Namen aus vielen: GE, Verizon, AT&T, Ebay, Mirantis, Red Hat, Deutsche Telekom, Google, Intel, IBM. Die OpenStack Foundation stellt sämtliche Vorträge online zur Verfügung.

Prominentester Redner auf dem Boston-Summit aber war Edward Snowden, aus Russland zugeschaltet. Mit dieser Schaltung bekräftigte die OpenStack Foundation ihre anhaltende Kritik an der Politik der Trump-Regierung. Die Foundation hatte sich scharf gegen Reisebeschränkungen ausgesprochen. Darüber hinaus hat sie angekündigt, dass aus diesem Grund der nächste Frühjahrs-Summit entgegen bisherigen Gepflogenheiten nicht in den USA stattfinden wird.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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