Maschinen managen Maschinen

Datacenter-Automatisierung effektiviert die digitalen Firmen

| Autor / Redakteur: Jörn Kellermann* / Ulrike Ostler

Die Automatisierung in Rechenzentren führt zu fast menschenleeren IT-Betrieben, doch nur fast: Der Mensch wird als „Herrscher“ über die Automatisierung gebraucht.
Die Automatisierung in Rechenzentren führt zu fast menschenleeren IT-Betrieben, doch nur fast: Der Mensch wird als „Herrscher“ über die Automatisierung gebraucht. (Bild: Konstantin Hermann/ Fotolia.com)

Der Gedanke an immer stärkere Automatisierung jagt dem einen oder anderen Angst um den eigenen Arbeitsplatz ein. Andererseits klingt es verlockend, lästige Aufgaben wie Dokumentationen an Automaten abzugeben und so die eigene Arbeitslast zu reduzieren. Also: Was nun?

Sich wiederholende Aufgaben werden von der IT mittels Algorithmen selbständig erledigt und alles, was sich automatisieren lässt, wird automatisiert. Bis hin zur Vision „Zero Touch“: Rechenzentren, die sich weitgehend selbst verwalten, ohne dass manuelle Eingriffe nötig sind. Immerhin: Der Mensch wird als „Herrscher“ über die Automatisierung weiter gebraucht.

Auf Unternehmen wirken heute drei übergreifende Trends ein: die Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Produkten (Industrie 4.0), die Vernetzung von Objekten (Internet of Things) und ein stetiger Kostendruck. Diese Trends haben erhebliche Auswirkungen auf die IT-Landschaft; denn sie machen die Cloud erforderlich. Ohne die Geschwindigkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit der Cloud sind die anstehenden Herausforderungen kaum zu bewältigen.

Und um in dieser Phase der digitalen Transformation einen effizienten IT-Betrieb sicherzustellen, braucht es Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung. Standardisierung senkt die Komplexität und das notwendige vorzuhaltende Know-how im Betrieb von IT-Plattformen und Konsolidierung senkt Kosten und sorgt für mehr Flexibilität. Beide Maßnahmen bereiten den Weg für den notwendigen nächsten Schritt im Cloud- Zeitalter: die Automatisierung.

Automation ist Kernbestandteil und Ursprungsgedanke der IT

Es geht darum, dass die IT durch Algorithmen Aufgaben wiederholt – also automatisiert – um Menschen die Arbeit zu erleichtern. Automatisierung lohnt sich vor allem da, wo Aufgaben immer wieder in gleicher oder ähnlicher Form anfallen oder die schnelle Bereitstellung von Leistungen gefragt ist.

Das Buch zum Thema: Wie Unternehmen mit Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung ihre IT auf Vordermann bringen, erläutern Branchenexperten praxisnah und verständlich im neuen Fachbuch „Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann. Springer-Gabler, ISBN 978-3- 658-10643-0
Das Buch zum Thema: Wie Unternehmen mit Standardisierung, Konsolidierung und Automatisierung ihre IT auf Vordermann bringen, erläutern Branchenexperten praxisnah und verständlich im neuen Fachbuch „Effizienz durch Automatisierung – Das ‚Zero-Touch-Prinzip‘ im IT-Betrieb“, herausgegeben von Dr. Ferri Abolhassan und Jörn Kellermann. Springer-Gabler, ISBN 978-3- 658-10643-0 (Bild: T-Systems)

Auch wenn sich Fehler in bestimmten Bereichen häufen, kann Automatisierung hilfreich sein. Auf der Ebene von Rechenzentren und Infrastruktur-Pools geht es um die Steuerung und Überwachung von IT-Systemen in einem Rechenzentrum. Große Rechenzentren wie zum Beispiel der Datacenter Campus von T-Systems in Biere unterhalten Tausende kleiner und großer Automaten, die Verfahren anhand von Skripten abarbeiten, sobald bestimmte Bedingungen eintreten.

So übernehmen Automaten beispielsweise die Durchführung von System-Updates: Einige Automaten rollen die gewünschten Software-Upgrades auf den entsprechenden Komponenten aus und andere überprüfen anschließend, ob die Systeme funktionstüchtig sind und der Roll-Out erfolgreich war. Anschließend dokumentieren sie den Änderungsablauf und die Ergebnisse.

Automaten in wiederkehrenden Aufgaben

So wird eine wiederkehrende Aufgabe, die kein besonderes Experten-Know-how während des Prozesses erfordert, innerhalb kurzer Zeit automatisch erledigt. Die Fehleranfälligkeit ist aufgrund der integrierten Prüfung und der Dokumentation extrem gering. Und Administratoren, die sich sonst um die Updates hätten kümmern müssen, haben mehr Zeit für anspruchsvollere Aufgaben.

Durch den sehr hohen Automatisierungsgrad des Datacenters Biere etwa sind die Server-Räume nahezu „personenfrei“. Der gesamte Campus wird durch zehn Personen für die IT plus zehn weitere für die Gebäudetechnik betrieben.

Aber wo genau beginnt denn eigentlich Automatisierung? Je nachdem, welchen Experten man dazu befragt, fallen die Antworten unterschiedlich aus. Während der eine Automatisierung schon dort sieht, wo ein IT-Administrator sich kurze Skripte schreibt, die ihm die tägliche Arbeit erleichtern, liegt der Beginn für andere bei der vom Hersteller angebotenen hardwarenahen Automatisierung.

Wo beginnt die Automatisierung?

In jedem Fall gibt es unterschiedliche Reifestufen je nachdem, welche Tools in welcher Intensität eingesetzt werden. Klassischerweise beginnt die Automatisierung mit Einzelbausteinen, die auf ganz bestimmte Komponenten (wie beispielsweise eine spezielle Datenbank oder Hardware) zugeschnitten sind. Solche Einzelbausteine sind nützlich und befreien den Anwender zunächst von lästigen Standardaufgaben.

Vorbild für die Automatisierung des IT-Betriebs beziehungsweise des Rechenzentrums ist in vielerlei Hinsicht der hohe Automatisierungsgrad in der Automobilindustrie.
Vorbild für die Automatisierung des IT-Betriebs beziehungsweise des Rechenzentrums ist in vielerlei Hinsicht der hohe Automatisierungsgrad in der Automobilindustrie. (Bild: © Nataliya Hora - Fotolia)

Entstehen jedoch zu viele solcher einzelnen Tools, die nicht miteinander interagieren, kann dies im Laufe der Zeit aufwendig und kostenintensiv werden. Es muss also im zweiten Schritt eine Orchestrierung der einzelnen Bausteine erfolgen, effektiv zu lösen über Management-Tools.

Um Einzelprozesse durch Automatisierung zu unterstützen, müssen die Tools mit den IT-Abläufen synchronisiert werden. Und treibt man die Integration noch weiter voran, können ganze Prozessketten automatisiert werden. Noch einen Schritt weiter – bei der Unterstützung ganzer Prozesslandschaften oder gar der Einbindung externer Abläufe – braucht es darüber hinaus Monitoring- und Ticketing-Systeme, um den Überblick über das Gesamtkonstrukt zu behalten und im Störungsfall Reparaturanfragen automatisch auszulösen.

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Automation bekommt so verschiedene Management-Ebenen: Maschinen managen Maschinen, die Maschinen managen. Und die Menschen, die mit diesen Maschinen arbeiten, müssen sich an die neuen Gegebenheiten anpassen und ihre Prozesse an den eingesetzten Tools orientieren. Nur so ist der sinnvolle Einsatz von Automatisierung möglich.

Schritt für Schritt zur Automatisierung

Doch wie gelingt die Umsetzung von Automatisierung im Unternehmen? Wie in jedem Projekt steht vor dem Start idealerweise eine Kosten-Nutzen-Betrachtung: Welcher Aufwand kommt auf das Unternehmen zu und welcher Mehrwert wird erwartet? Oder ganz konkret: Wie lange dauert die Einführung einer Automation und wie viel Zeit kann im Anschluss – durch höhere Geschwindigkeiten im Prozess sowie geringere Fehleranfälligkeit – eingespart werden? Dabei dürfen natürlich laufende Investitionen nicht außer Acht gelassen werden. Schließlich müssen einmal installierte Automatisierungstools regelmäßig angepasst werden und die Entwicklung der Tools sollte dokumentiert sein, um Transparenz zu schaffen und nicht den Überblick zu verlieren.

Nachdem diese vorbereitenden Fragen geklärt sind, wird ein Set an Tool-Herstellern festgelegt und auf Basis der Automationsplattform entschieden, wo die Automations- Software betrieben wird. Darauf folgt die Integration passender Ticketing- und Monitoring-Systeme, bevor die Kernkomponenten der Software installiert werden. Im Rollout wird dann die eigentliche Automatisierung aktiviert und im nächsten Schritt die entsprechenden Systeme angebunden. Nach der Programmierung und dem Test der Automaten wird dann Stück für Stück der Produktionsbetrieb aufgenommen.

Keine Automatisierung ohne die richtigen Tools

Jede Automatisierung benötigt Tools, die die eigentliche Arbeit übernehmen. Diese Tools (oder Automaten) gibt es in unterschiedlichsten Komplexitätsstufen und je nach Anforderung können verschiedene Arten eingesetzt werden. Passive Automaten holen Daten von IT-Systemen ein. Sie prüfen beispielsweise den Status und die Auslastung von CPUs und melden Störungen. Aktive Automaten hingegen reagieren auf Informationen und weisen IT-Systeme dazu an, bestimmte Workflows auszuführen. So stoßen sie beispielsweise das Kopieren und Löschen von Daten oder das Ein- und Ausschalten von Hardwareressourcen an.

Auf unterschiedlichen Ebenen werden verschiedene Tools eingesetzt, um automatisierte Prozesse zu ermöglichen. Die niedrigste Ebene besetzen die Basiskomponenten. Sie managen Hardware, Storage und Netz und stammen meist von den jeweiligen Herstellern. Komponentenunabhängige Tools sind schon wesentlich komplexer und man sollte ihre Mechanismen kennen, um sie entsprechend der anstehenden Herausforderungen richtig auszuwählen. Da sie eine gewisse Arbeitsweise haben, richtet man die Automationsprozesse idealerweise an ihnen aus und nicht umgekehrt.

Hochentwickelte Automations-Tools hingegen lassen sich flexibel anpassen, so dass manuelle Workflows mit ihrer Hilfe elektronisch abgebildet werden können. Sie bringen komplexe Funktionalitäten mit und verfügen über leistungsfähige Module. Bei der Auswahl geeigneter Tools für die Automatisierung sollten verschiedene Aspekte beachtet werden: Neben Passgenauigkeit spielen auch Funktionalität, Kosten und Fortbildungsaufwände bei der Einführung des jeweiligen Tools eine wesentliche Rolle.

Automatisierung ist der notwendige nächste Schritt

Die Vorteile von Automatisierung lassen sich auf den ersten Blick erkennen: Sie birgt erhebliche Einsparungspotenziale durch Effizienzgewinne – bis zu 50 Prozent sind hier möglich. So kann mehr Arbeitslast mit identischer Personalstärke bewältigt werden. Das spart Kosten ein und schafft Raum für neue Business-Möglichkeiten durch die höhere Reaktionsgeschwindigkeit. Manuelle Schnittstellen werden reduziert, was die Anfälligkeit für Fehler minimiert und so die Qualität erheblich steigert. Betriebsabläufe werden beschleunigt und teilweise durch Automatisierung überhaupt erst möglich.

Der Autor des Beitrags ist Jörn Kellermann. Er verantwortet als Senior Vice President Global IT Operations die Cloud- und Rechenzentrumsleistungen weltweit für alle Kunden der T-Systems International GmbH.
Der Autor des Beitrags ist Jörn Kellermann. Er verantwortet als Senior Vice President Global IT Operations die Cloud- und Rechenzentrumsleistungen weltweit für alle Kunden der T-Systems International GmbH. (Bild: Benjamin Schenk, Foto Studio Hirch D- 64283 Darmstadt)

Konkretes Beispiel: T-Systems bietet seinen Kunden inzwischen dank mehr als 46.000 virtuellen Servern Netzwerk- und Speicherressourcen aus der Cloud. So werden Jahr für Jahr rund 100.000 Arbeitsstunden eingespart, die ohne automatisierte Prozesse in Form von manuellen Installationen und Konfigurationen anfallen würden.

Zudem ist die Automatisierung bei T-Systems Grundlage für ein flexibles und hochwertiges Produktportfolio: Wenn früher ein Sales Manager einen Service verkauft hat, wurde dieser anschließend manuell oder teilautomatisiert vorbereitet und zur Verfügung gestellt. Heute kann sich der Kunde dank Automatisierung sein System selbst definieren. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der längst etablierten Auto-Konfiguration.

Und dank konsequenter Standardisierung und Automatisierung der Dynamic Cloud Plattform von T-Systems können ganze IT-Landschaften nun mit minimalem Betriebsaufwand migriert werden. Auf Basis von automatisierten Prozessen werden innerhalb weniger Stunden bzw. Tage Use Cases komplett neu aufgesetzt.

Auch wenn Automatisierung ein technisches Thema ist, steht eines fest: Automaten „leben“. Sie müssen auf Änderungen der gemanagten Systeme – beispielsweise Updates – reagieren und neue Releases der Automationssoftware reflektieren. Daher ist die Pflege und Weiterentwicklung der Automaten ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher und zukunftsfähiger Automatisierung. Und für diese wichtige Aufgabe braucht es Menschen. So ist der Faktor Mensch nicht mehr Abarbeiter von Standardaufgaben, sondern die Instanz, die die Entwicklung der Automatisierung aktiv gestaltet.

* Jörn Kellermann verantwortet als Senior Vice President Global IT Operations die Cloud- und Rechenzentrumsleistungen weltweit für alle Kunden der T-Systems International GmbH.

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