Die Zukunft liegt in Storage- und Compute-Knoten

Comeback: Die kommenden 25 Jahre plant Netapp auch als Software-Company

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Rainer Graefen

In Talinn feierte NetApp seinen 25. Geburtstag mit dem besten CIO der Welt.
In Talinn feierte NetApp seinen 25. Geburtstag mit dem besten CIO der Welt. (Bild: Kriemhilde Klippstätter)

Netapp gibt sich nach Jahren der relativen Stagnation zuversichtlich, den Turnaround innerhalb von drei Jahren geschafft zu haben. Zum 25. Geburtstag ist sich die Company sicher, dass man mit Hardware und Systemen auch weiterhin Blumentöpfe gewinnen könnte, um die Gewinne allerdings wieder auf den Wachstumspfad zu bringen, setze man aber lieber und vor allem auf das Daten-Management.

Für das diesjährige Partnertreffen suchte sich Netapp Estlands Hautstadt Tallinn als Tagungsort aus. Die Wahl erfolgte nicht ohne Grund, hat sich die Hafenstadt nach Beendigung der russischen Okkupation doch drastisch auf die Digitalisierung konzentriert und mittlerweile einen Platz unter den zehn besten digital Cities in Europa erreicht.

Umsatz und Marktanteile weiter steigern

Alexander Wallner, seit einem Jahr Senior Vice President bei Netapp und als General Manager für das europäische Geschäft (EMEA) zuständig, betonte in seiner Keynote die Gesundung der Company, die vor fünf Jahren mit großen Problemen zu kämpfen hatte: „The Mojo is back“.

Er lässt die Finanzzahlen für seine Einschätzung sprechen. Der Umsatz von Netapp im abgelaufenen Fiskaljahr (Ende 31. März 2017) beträgt 5,52 Milliarden Dollar (netto). Im vierten Quartal – also Januar bis März 2017 – habe man im Vergleich zum Vorjahresquartal um sieben Prozent mehr verkauft.

Allein der Absatz von Flash-Speichern schaufelte 1,72 Milliarden Dollar (netto) in die Kassen. Damit stehe Netapp weltweit auf Platz zwei der Anbieter von Flash-Arrays, in seiner Region EMEA mit einem Marktanteil von mehr als 20 Prozent sogar auf Platz eins. Der Gewinn in Höhe von 509 Millionen Dollar liegt um mehr als 122 Prozent über dem des Vorjahres.

Das Ziel

Für das laufende Jahr hat Wallner für sich und seine Kollegen ehrgeizige Ziele gesteckt. Für seine Region peilt er in jedem Land einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent bei Flash-Speichern an. Die Übernahme vom Flash-Spezialisten Solidfire Ende 2015 soll Netapp zum führenden Anbieter von Flash- und HCI-Produkten machen.

Als neue Umsatzquelle identifiziert er Netapps neueste Innovationen für Cloud-Computing und die von IDC definierte „Third Platform“, also alles rund um Cloud, Mobile, Internet of Things und Analytics. Nach Aussagen des Europachefs von Netapp ist das Ziel „die führende Kraft beim Daten-Management für die hybride Cloud“ zu werden.

CIOs stehen unter Druck

Heutzutage müssen die CIOs einerseits die Kosten reduzieren und die IT modernisieren, andererseits aber auch das Business im Unternehmen beraten und – dank IT - für neue Einnahmequellen sorgen. Dazu kommt, dass sie eine IT-Infrastruktur entwickeln müssen ohne zu wissen, was in Zukunft gebraucht wird.

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„Als Lösung für die modernen Anforderungen hat sich die Cloud für alle Unternehmensgrößen etabliert. Sie macht Vieles einfacher, sorgt für mehr Kreativität und verlangt kaum Investitionen“, fasst Joel Reich, Executive Vice-President Products and Operations bei Netapp die Vorteile für die Unternehmen zusammen.

Aber auch dort tauchen viele strategische Fragen auf, etwa bei kleinen und jungen Firmen, die fast alle auf Cloud-Computing setzen: Was ist, wenn ich wachse? Bleibe ich in der Cloud oder hole ich die IT ins Unternehmen? Große Unternehmen überlegen, was mit all dem IT-Equipment passieren soll, das bereits gekauft und noch nicht abgeschrieben ist. „Diese Firmen müssen abwägen, wie sie ihr Geld einsetzen“, für Reich ist das die wichtigste Strategiefrage.

Als sicher gilt, dass sich die Prioritäten im Rechenzentrum verschoben haben. Zu Mainframe-Zeiten stand die Hardware im Blickpunkt vor Software und Datenbestand. Später rückte die Software in den Mittelpunkt vor Hardware und Daten, jetzt konzentriert man sich auf die gespeicherten Daten, Software wird weniger wichtig, die Hardware zum Gebrauchsartikel.

Dabei haben sich die Daten auch noch verändert. „Sie sind distribuiert, dynamisch und unterschiedlich“, sagt Europachef Wallner und verweist darauf, dass sie „nicht länger hinter der Firewall schlummern“. Wie also die Daten sinnvoll und möglichst effizient nutzen?

Data Fabric als Grundlage für das „universelle“ Daten-Management

Im Zentrum für Netapps Lösungen zum Daten-Management steht die Data Fabric. Das Konzept, das vor Jahren entwickelt wurde, „dient dem problemlosen Datenaustausch zwischen Netapp-Produkten, die über diese Software verbunden werden“, erklärt Peter Wüst, Senior Director Emerging Solutions & Innovation im EMEA-Gebiet. Damit das funktioniert, wurden alle hauseigenen Storage- und Daten-Management-Layer für die Cloud verfügbar gemacht.

„Ontap Cloud“ beispielsweise kann man bei Microsoft „Azure“ oder Amazon Web Services (AWS) kostengünstig nutzen. Zu einem Preis ab 0,75 Dollar pro Stunde ist die Software zu haben, mit der sich eine Umgebung in der Cloud aufbauen lässt, die auf dem Speicherbetriebssystem Ontap beruht.

Denkbar ist die Verbindung eines File-Servers im eigenen Rechenzentrum mit einem Ontap-Speicher in der Public Cloud. Der Vorteil: Statt zweier unabhängiger Datensilos ergibt sich über die Data Fabric eine Lösung, mit der sich Daten vom Rechenzentrum in die Cloud replizieren und dort etwa für Test- oder Entwicklungssysteme nutzen lassen.

Visuell könnte alles beim Alten bleiben

Cloud-Dienste wie „Office 365“ können in Microsofts „Azure“-Cloud so gestaltet werden, dass die Umgebung wie früher im hauseigenen Rechenzentrum aussieht, mit Dataprotection, gesetzlichen Vorschriften etc. Für die MS-Cloud stellt Netapp eine Reihe von Programmen zur Verfügung: „Ontap Cloud for Azure”, „On Command Cloud Manager” oder „Alta Vault” für schnellen und sicheren Backup in die „Azure“ -Cloud.

Mit diesen Produkten will die Company sicherstellen, dass man den Backup auch in der Cloud kontrollieren kann, denn „Die IT-Delivery kann in die Cloud verlagert werden, aber die Verantwortung für den Backup bleibt beim Anwender“, mahnt Wüst.

Die Datenkommunikation à la Netapp funktioniert aber auch mit anderen Plattformen. So lassen sich Daten von Ontap-Speichern für Backup und Archivierung über die Data Fabric an ein Objektspeichersystem übertragen. „Ein Solidfre-System (ohne Ontap) kommuniziert mit unserem Objektspeicher Storage Grid Webscale“, beschreibt Wüst weitere Möglichkeiten.

„Die Data Fabric funktioniert im Prinzip wie „Apple iTune“, wo verschiedene Geräte miteinander sprechen und sich synchronisieren können.” Das erklärt laut Wüst, warum sich Netapp als führender unabhängiger Anbieter von Data-Management-Produkten bezeichnet.

Schon jetzt und in der Zukunft verfügbar

Derzeit in aller Munde sind Objektspeicher, die sich vor allem für die Speicherung unstrukturierter großer Datenberge – Stichwort Bereich Big Data - eignen. Netapp hat dafür „Storage Grid Webscale“ entwickelt, das jetzt in der Version 10.4 vorliegt und auch auf Bare-Metal-Server installiert werden kann, neben virtuellen Maschinen oder Netapp-Appliances.

Als Protokolle werden „Amazon S3“, SWIFT API und NFS/CIFS unterstützt. In den USA verlangt Netapp für die Lösung, die ganz ohne Netapp-Hardware auskommt sich aber in die Data Fabric einklinken lässt, 1,49 Dollar in der Stunde. Sie soll sich innerhalb von 30 Minuten installieren lassen.

Für ein anderes heißes Thema, Hyper Converged Infrastructure (HCI), hat Netapp ebenfalls ein Produkt („Netapp HCI“) im Labor, das im Herbst angeboten werden soll. „Unsere Appliance ist im Prinzip ein Server, der über Flash-Laufwerke verfügt und dessen Knoten als Compute- oder Storage-Knoten genutzt werden können“, beschreibt Netapp-Manager Wüst das neue Gerät. Auch diese Produktgattung lässt sich in die Data Fabric einbinden.

Derzeit kursieren Spekulationen, ob die erste HCI-Appliance aus dem Hause Netapp bereits die neue Technik von Plexistor enthalten wird. In diesen Tagen soll die komplette Übernahme der israelischen Company, der geschätzte Übernahmepreis liegt bei 20 Millionen Dollar, unter Dach und Fach sein.

Plexistor sorgte Ende 2015 für Aufsehen mit „Software Defined Memory“ (SDM). Die Software erlaubt es, non-volatile Memory als primären Datenspeicher zu nutzen. Laut Joel Reich, Netapps Verantwortlichen für Produkte und Operations, hat die Plexistor-Software insbesondere die neuen Hochleistungsprozessoren von Intel und AMD im Visier, die sich damit in die Data Fabric einbinden lassen sollen.

Fazit

Netapp ist auf dem Weg sich vom Lieferanten von Speicherhardware und –Systemen zum Allround-Anbieter von Daten-Management-Lösungen speziell für hybrides Cloud-Computing zu mausern. Durch geschickte Übernahmen etwa von Solidfire und jetzt Plexistor kommt zukunftsträchtige Technik ins Haus, die der Company helfen wird, den Turnaround zu schaffen.

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