Studie zum deutschen Rechenzententrumsmarkt

Co-Location und Housing boomt – wie lange noch?

| Redakteur: Ulrike Ostler

Gemessen an der Produktivität führenderAnbieter arbeiten rund 9.000 Beschäftigte im Segment Co-Location & Housing. Das sind rund 3,7 Prozent der Beschäftigten der deutschen Internetwirtschaft.
Gemessen an der Produktivität führenderAnbieter arbeiten rund 9.000 Beschäftigte im Segment Co-Location & Housing. Das sind rund 3,7 Prozent der Beschäftigten der deutschen Internetwirtschaft. (Bild: Eco/ Arthur D. Little)

Gemäß einer aktuellen Studie vom Eco Verband der Internetwirtschaft e. V. und Arthur D. Little zum deutschen Rechenzentrumsmarkt weisen Co-Location- und Housing-Anbieter derzeit (und im Schnitt auch bis 2019) Rekordwachstumsraten von jährlich 17 Prozent auf . Damit wächst das Segment 17-mal schneller als die Automobilindustrie.

Colocation- und Housing-Anbieter befinden sich derzeit in einem Aufwind, wie man ihn nur von den größten Boom-Zeiten der Wirtschaftsgeschichte kennt. So weist die Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019“ von Eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und Arthur D. Little nicht nur nach, dass das Geschäft stark wächst, sondern sich auch lohnt: Führende Co-Location-Anbieter weisen eine EBITDA-Marge von bis zu 60 Prozent auf.

Doch Ausruhen ist nicht angesagt. Die internationale Top-Position des Standorts Deutschland und der Region Frankfurt ist allerdings in Gefahr: Führende Datacenter-Hubs aus dem Ausland locken mit besseren Rahmenbedingungen.

Das rasante Wachstum im Segment Co-Location und Housing ist getrieben durch den stetig voranschreitenden IT-Outsourcing-Trend vieler Unternehmen, erläutert Lars Riegel, Principal bei Arthur D. Little: „Cloud- und Managed-Services sowie die damit einhergehende Auslagerung des Rechenzentrums sind ein Megatrend. Unternehmen aller Wirtschaftszweige wollen auf diese Weise gebundenes Kapital und laufende Kosten reduzieren.“

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25.02.16 - Krise bei zweistelligem Wachstum? Ja und nein. Tatsache ist, dass Konsolidierung im Rechenzentrumsmarkt stattfindet, nationale Egoismen vorherrschen und dass der Strom hierzulande teuer ist. Mehr als wahrscheinlich ist aber auch, dass sich die RZ-Fläche bis 2020 nahezu verdoppeln wird. lesen

Zudem steige der Bedarf an Daten- und Rechenkapazitäten vieler Großkunden. Ihnen komme die Skalierbarkeit der Leistungen von Co-Location-Anbietern entgegen.

Während der sich konsolidierende deutsche Markt sehr wettbewerbsintensiv ist, weisen führende Co-Location-Anbieter eine attraktive EBITDA-Marge von bis zu 60 Prozent auf. Die hohe Marge wird dabei durch die Kapitalintensität des Geschäftsmodells gerechtfertigt.

Frankfurt ist unter den Top 5

Datacenter gelten als wesentliches Element der digitalen Infrastruktur der Zukunft und bilden eine Basisinfrastruktur für fast jede wirtschaftliche Aktivität. Ihre Bedeutung wird im Zuge der Industrie 4.0 und den damit einhergehenden Veränderungen noch drastisch zunehmen.

Rangliste der Co-Location- und Rechenzentrumsstandorte weltweit
Rangliste der Co-Location- und Rechenzentrumsstandorte weltweit (Bild: www.datacentermap.com 09.02.2016)

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Ihre enorme volkswirtschaftliche Bedeutung in Deutschland lässt sich insbesondere am Standort Frankfurt am Main sehen. Er zählt zu den internationalen Top-Standorten, was vor allem daran liegt, dass hier der Internet-Knoten De-CIX beheimatet ist und dass eine direkte und damit schnelle Anbindung an diesen Internet-Knoten den Rechenzentrumsbetreibern Vorteile bringt. Gemessen an ihrer Anzahl ist Frankfurt noch immer einer der internationalen Top-Spots und rangiert auf Platz 5 vor internationalen Metropolen wie beispielsweise New York oder Paris.

Eco-Geschäftsführer Harald A. Summa sagt: „Bereits etwa 20 Prozent der deutschen Datacenter-Flächen sind für Outsourcing, Co-Location oder Server-Housing belegt.“ Er prognostiziert, dass die nachgefragte Co-Location-Fläche bis 2019 um rund 15 Prozent pro Jahr steigen wird und dass die Preise pro Quadratmeter leicht zulegen werden.

Gemessen an der Produktivität führenderAnbieter arbeiten rund 9.000 Beschäftigte im Segment Co-Location & Housing. Das sind rund 3,7 Prozent der Beschäftigten der deutschen Internetwirtschaft.
Gemessen an der Produktivität führenderAnbieter arbeiten rund 9.000 Beschäftigte im Segment Co-Location & Housing. Das sind rund 3,7 Prozent der Beschäftigten der deutschen Internetwirtschaft. (Bild: Eco/ Arthur D. Little)

Deutsche Datacenterbetreiber unter Druck

Dennoch: Im internationalen Vergleich sind die Datacenter-Betreiber in Deutschland mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert. Sowohl hohe Energiepreise als auch die Umwidmung von geeigneten Flächen, welche für die Expansion von Datacentern vorgesehen waren, in Wohnungsbauprojekte reduzieren die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Anbieter gegenüber der internationalen Konkurrenz, die häufig von massiven Subventionen profitiert. „Langfristig kann dieser Wettbewerbsnachteil dazu führen, dass diese Schlüsselindustrie abwandert“, resümiert Summa.

Er ruft die Politik dazu auf, gegenzusteuern. „Sie muss mehr Anreize und bessere Rahmenbedingungen schaffen, dann bleiben uns die Anbieter dieser wichtigen Basisinfrastruktur erhalten.“

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