„Big Data ist heute noch kein Thema für jeden“

Cisco-Manager Patrick Schmidt zu UCS – jetzt und in der Zukunft

| Redakteur: Ulrike Ostler

Patrick Schmidt ist seit August 2009 Leiter Data Center und Virtualisierung Cisco DACH. Sein Verantwortungsbereich umfasst sämtliche Cisco-Infrastrukturlösungen für das virtualisierte Rechenzentrum der Zukunft wie SAN, DC-Switching und Application Networking Services (ANS). Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Markteinführung der neuen und einheitlichen Data-Center-Architektur Cisco Unified Computing (UCS).
Patrick Schmidt ist seit August 2009 Leiter Data Center und Virtualisierung Cisco DACH. Sein Verantwortungsbereich umfasst sämtliche Cisco-Infrastrukturlösungen für das virtualisierte Rechenzentrum der Zukunft wie SAN, DC-Switching und Application Networking Services (ANS). Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Markteinführung der neuen und einheitlichen Data-Center-Architektur Cisco Unified Computing (UCS). (Bild: Cisco)

Das Unified Computing System (UCS) von Cisco sorgt für Reibung: Entweder Analysten, Anwender und Partner zeigen sich angetan von der Einheit aus Netzwerk-, Computing- und Management-Power oder man hält das System für zu teuer und die Partnerschaften mit VMware, EMC und Netapp für eine Komplikation. Cisco-Manager Patrick Schmidt nimmt Stellung.

Nach der Marktuntersuchung „Cisco Global Cloud Index 2010 – 2015“ steigt der weltweite Datenverkehr über Rechenzentren um das Vierfache auf 4,8 Zetabyte im Jahr 2015. Die am schnellsten wachsende Komponente ist Cloud-Traffic. Er steigt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 66 Prozent auf das Zwölffache, von 130 Exabyte im Jahr 2010 auf 1,6 Zetabyte 2015.

In vier Jahren werden 76 Prozent des Traffic innerhalb der Datacenter ablaufen, da Workloads automatisch über verschiedene virtuelle Maschinen verteilt werden. Weitere 7 Prozent kommen durch den Verkehr zwischen Rechenzentren zustande, durch Aktivitäten wie Datenreplikation und Updates.

Mit „Cloud Verse“ bietet Cisco seit Dezember 2011 eine Referenzarchitektur an, mit deren Hilfe große Unternehmen, Service-Provider und Behörden verknüpfte Public, Private oder Hybrid Cloud Modelle leichter und schneller aufbauen und installieren können. Es geht um ein „einheitliches Rechenzentrum, intelligente Netzwerke sowie Cloud-basierte Geschäftsanwendungen und –dienste“.

Cloud bremst UCS-Höhenflug

Ergänzt wird die Lösung durch Services von Cisco und seinen Partnern, zum Beispiel „Flexpod“ mit Netapp, „Vblock“ mit EMC und Virtualisierung mit VMware. Eine der Hauptkomponenten ist das Unified Computing System (UCS). Die ersten Anwender, die schon bald nach dem Markteintritt von Cisco in den Server-Markt, die Technik adaptierten, waren Service Provider.

Doch der DataCenter-Insider-Artikel „Cloud bremst UCS-Höhenflug, Service-Provider tauschen Cisco UCS gegen Billig-Lösungen“ beschreibt, dass erste Anwender aus dieser Klientel dem Hersteller den Rücken kehren – ausgerechnet; denn nicht nur Patrick Schmidt, Leiter Data Center und Virtualisierung bei Cisco und zuständig für die Regionen Deutschland, Ötserreich und Schweiz, hofft auf das Geschäft mit den Cloud-Providern. Er sagt: „Die Cloud ist der nächste Schritt in der Evolution des Internets“.

Sie haben sich über den DataCenter-Insider-Artikel geärgert?

Stimmt die Aussage, dass Service-Provider sich von vergleichsweise teuren Systemen wie UCS abwenden nicht? Stimmt die Aussage für Cisco oder bezogen auf die Service Provider nicht oder dass diese sich Massenware entwerfen und in Billiglohnländern eigens anfertigen lassen?

Patrick Schmidt: Die Grundlage für den Artikel bildet eine Übersetzung aus den USA. Ich fand diese unfair, da nur ein Provider zitiert wird und dieser auch noch anonym geblieben ist. Wir können hingegen zahlreiche Provider-Referenzen nennen: CSC, Orange, Accenture, Kamp Netzwerkdienste und Computacenter beispielsweise.

Klar gibt es auch hierzulande Provider, die sich ihre Rechner nach eigenen Vorgaben bauen lassen: 1&1. Doch das sind Ausnahmen.

Wie begegnen Sie der Aussage, Cisco UCS sei relativ teuer?

Patrick Schmidt: Cloud Computing ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Das schreit nach Referenzarchitekturen. Wir bieten solche an – wir selber mit Cloud Verse und zusammen mit und über Partner: VBlock mit VMware und EMC, Flexpod zusammen mit Netapp. Das macht einen großen Teil des UCS-Erfolgs aus.

Denn letztlich entsteht hier das beste Kosten-Performance-Angebot im Markt. Das ist so erfolgreich, dass Cisco sich in einer Vorreiterrolle sieht. Schauen Sie sich HP mit der „Matrix“ und „IBM Pure System“ an. Mit unseren Referenz-Architekturen braucht kein Anwender mehr einen Host-Bus bauen, wir nehmen ihm solche Arbeiten ab.

So amortisiert sich die Anschaffung eines UCS schnell. Als Kundenbeispiel möchte ich eine Vblock-Implementierung bei der Datev e. G. nennen. Die Organisation kann dank Vblock [oder HP Matrix, Anm. der Redaktion] Dienste 40 bis 80 mal schneller anbieten als vorher.

Was kann der UCS Manager?

Patrick Schmidt: Mit dem „UCS Manager“ lässt sich das System als Ganzes verwalten, oder Einzelpersonen bekommen als Server-, Storage- oder Netzwerk-Hardware-Managern spezifische Management-Funktionen übertragen. Das Tool kann nicht nur physische Ressourcen von Servern verwalten, sondern lässt sich in das Management von virtuellen VMware-Netzwerkverbindungen integrieren.

Es werden dabei alle Komponenten identifiziert, die auf dem System zur Verfügung stehen, und untersucht, welche Komponenten spezifischen Anwendungen zugewiesen sind. Dazu dient ein Service-Profil. Der „Element Manager“ kostet übrigens nichts extra.

Bis jetzt kann der UCS Manager Server-Cluster an einem Standort verwalten. In Zukunft funktioniert das auch standortübergreifend. Dazu sind einige Herausforderungen an die Qualität insbesondere an Latenz- und Zugriffszeiten zu bewältigen. Das kann außer Cisco keiner so schnell.

Außerdem wird der Switch "Nexus 1000v" neben VMware auch weitere Hypervisoren unterstützen.

Als UCS auf den Markt kam, hat Cisco zugleich seine Partnerschaft mit BMC intensiviert. Müssen UCS-Anwender die BMC-Tools zusätzlich lizenzieren?

Patrick Schmidt: Hierbei geht es im Wesentlichen um das Automatisierungs-Tool von BMC. Doch mittlerweile bieten wir mit „Cisco Intelligent Automation for Cloud“ (CIAC) ein eigenes Werkzeug an. Das funktioniert übrigens nicht nur für UCS, sondern herstellerübreifend und bietet einen Self Service Store für IT. Damit können sich Anwender zum Beispiel selbst ihre virtuelle Maschine bereitstellen.

Die Kombination aus der Einfachheit eines Online-Katalogs und dem Provisioning bringt einen signifikanten Mehrwert – rund 30 Prozent der Kosten lassen sich einsparen. Sie brauchen sich nur vorstellen, dass praktisch doppelt so viel IT verwaltet werden kann als zuvor; denn es ist kein manueller Eingriff durch einen Admin mehr notwendig. Das Tool wird nach Anzahl der Blades lizenziert; doch Anwender brauchen nicht alle enthaltenen Module nehmen.

CIAC ist allerdings kein vollwertiger Ersatz für ein Konfigurations-Tool.

Patrick Schmidt: CIAC lässt sich über die Produktblöcke in Orchestrierungs-Tools von anderen Herstellern integrieren, etwa „Tivoli“ von IBM oder in die Produktfamilie des ehemaligen „HP Openview“.

Es gibt aber kein keine Entwicklungswerkzeug, mit dem sich die Anwender selbst einen Adapter bauen könnten, wenn es den entsprechenden nicht gibt.

Patrick Schmidt: Nein. Aber wir haben noch keinen Fall gehabt, in dem wir uns nicht integrieren konnten.

Gleichartige Aufgaben auf identisch konfigurierten Maschinen mündet in gleichförmiger Hardware, auf der Profile sich leicht kopieren und vervielfältigen lassen. So sehen die Anforderungen an Provider- beziehungsweise Cloud-Rechenzentren aus. Sehen Sie die Zukunft von UCS in diesem Umfeld?

Patrick Schmidt: Die Standardisierung der Hardware nimmt zu. Doch die Kunden gehen auf Use-Cases, also Storage-Computing und Netzwerkeinheiten für bestimmte Aufgaben, etwa die Virtualisierung. Das aber können wir mit unsren Partnern abbilden. Die Kunden bekommen ein best-of-breed- und doch eine integriertes System.

… auch für Big Data?

Patrick Schmidt: Unser Partner EMC hat mit „Greenplum“ bereits eine Modular Data Computing Appliance (DCA) vorgestellt, eine komplette Big Data Analytics-Plattform, die die Technik des akquirierten Pivotal Labs integriert.

Doch heute braucht noch nicht jeder Big Data. Wir haben gerade unserer HANA-Plattform zertifiziert und werden uns in auch weiterhin stark auf solche In-Memory-Technik konzentrieren – auf "Middle Data" quasi.

Außerdem sehen wir uns als Vorreiter in Sachen Fabric Computing. Im Spätsommer stehen dazu große Ankündigungen an.

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