Der Option-Schock – und die länger kreisenden Erregungen

Big Data ist eine mittelständische Tugend

| Autor / Redakteur: Heinz Paul Bonn / Ulrike Ostler

Jeder öffentliche Einschlag hat einen Nachall im Web. Der lässt sich nutzen
Jeder öffentliche Einschlag hat einen Nachall im Web. Der lässt sich nutzen (Bild: Keo/Fotolia.com)

Keine Angst vor Big Data! Der Mittelstand muss seine Geschäftsprozesse neu aufstellen, so dass er große und bislang völlig ungenutzte Datenquellen in seine Entscheidungsfindung mit einbeziehen kann. Big Data Analytics – also die Fähigkeit zur Analyse großer Datenmengen – ist ein Vehikel dazu – und unverzichtbar.

Ob nach „Wetten, dass…?“ mit Markus Lanz, nach der Verurteilung von Uli Hoeneß in der Steueraffäre, dem nächsten Ausraster von Jürgen Klopp, ob nach dem nächsten Lebensmittelskandal oder nach dem zu erwartenden nächsten Streit zwischen Oliver Pocher und Boris Becker – immer bebt das Web noch eine ganze Weile nach: Blogs werden gepostet, Tweets retweetet, Posts weitergeleitet, Chats eröffnet.

Heinz Paul Bonn gehört zu den bekanntesten und engagiertesten Persönlichkeiten in der deutschen IT-Branche.
Heinz Paul Bonn gehört zu den bekanntesten und engagiertesten Persönlichkeiten in der deutschen IT-Branche. (Bild: GUS)

Die Gesellschaft sucht und findet in Internetforen das Ventil für Erregung, Empörung und Emphase. Demokratischer, sollte man meinen, ist es nie zugegangen in der Welt. Jeder hat eine Stimme, die er beliebig oft erheben kann.

Dieses Phänomen der „länger kreisenden Erregungen“ brachte uns 2010 der Systemanalytiker Peter Kruse ins Bewusstsein, als er vor der Internet-Enquete im Deutschen Bundestag seine Thesen zur Internet-Gesellschaft formulierte: Aus, so lautet seine zentrale These, „enormer Vernetzungsdichte“, verbunden mit „hoher Spontanaktivität der Nutzer“ entwickeln sich schließlich Lawinen-Effekte im Netz, die zu jenen „länger kreisenden Erregungen“ führen.

Das klingt ein bisschen wie Soziologen-Gewäsch, beschreibt aber durchaus prophetisch, was heute im World Wide Web gang und gäbe ist. Verlaufen diese Erregungen negativ, nennt man es Shit-Storm, sind sie positiv, sagen wir: es ist die Macht des viralen Marketings.

Das kann jedem passieren

Warum ist das interessant? Weil es jedem passieren kann. Und mehr noch: Weil dieses Phänomen der lange kreisenden Erregung jeder für sich nutzen kann. Im digitalen Leben gibt es keine technische, jedenfalls keine systemtechnische Hürde mehr, berühmt zu werden. Die Grenzen werden allenfalls durch mangelnde Kreativität und Originalität gesetzt. Auf den Mittelstand gemünzt, lautet die Schlussfolgerung: Aufmerksamkeitsdefizite sind keine direkte Funktion mehr von Größe oder gar Marktmacht.

Die Digitalisierung auf allen Ebenen unseres gesellschaftlichen Lebens ist eine gigantische Chance für kleine und mittelständische Unternehmen, für Start-ups ebenso wie für spontane oder etablierte Interessensgruppen. Sie sind in der Lage, innerhalb kürzester Zeit Aufmerksamkeit zu erringen.

Ergänzendes zum Thema
 
Über den Autor:

Es ist an der Zeit, dass die rund Tausend Hidden Champions im deutschen Mittelstand aus dem Schatten treten. Und die Option ist gegeben, dass kleine, aber agile mittelständische Unternehmen in die öffentliche Wahrnehmbarkeit folgen.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42706027 / Data)