Bye, bye Mainframe!

Barmenia verabschiedet sich vom Großrechner

19.10.2011 | Redakteur: Ulrike Ostler

Cobol war einmal als „Spaghetti-Code“ verschrien, verwunden zu monolithischen Anwendungen, unzertennbar mit den Mainframe-Schicksal verknüpft. Doch die Programmiersprache erweist sich vor allem als flexibel und haltbar. Bild: kitty@net/Pixelio

Die Versicherungsgruppe Barmenia sagt dem Großrechner Lebewohl, doch nicht den darauf installierten Cobol-Anwendungen. Denn die Versicherung hat mit Hilfe von Migrationswerkzeuge des Combol-Compiler-Anbieters Micro Focus eine Reihe Kernanwendungen vom Mainframe auf Unix-Plattformen verlagert. Das Unternehmen konnte dadurch Einsparungen in nennenswertem Umfang erzielen.

Die Barmenia in Wuppertal ist eine der großen unabhängigen Versicherungsgruppen in Deutschland und einer der Marktführer bei Krankenversicherungen. Die Barmenia verlagerte einen Teil ihrer unter Cobol erstellten Kernanwendungen von einer Großrechnerplattform auf eine andere.

Es zeigte sich jedoch, dass die Betriebskosten der neuen Lösung zu hoch waren. Auf Grund wachsender Leistungsanforderungen musste mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Betriebskosten gerechnet werden.

Die Barmenia portiert ihre Anwendungen daher erneut vom Mainframe auf das Unix-Derivat AIX von IBM, das in diesem Fall auf einer Bull-Rechner läuft. Betroffen waren davon das Bestands- und Schadenssystem für die Unfallversicherung, ein Teil der Leistungsabrechnung der Krankenversicherung, jeweils mit dem relationalen Datenbanksystem, sowie das Management des Druck-Outputs. Die umfangreiche Portierung konnte innerhalb eines halben Jahres erfolgreich abgeschlossen werden.

Besser geht es mit Portierungs-Tools und -Diensten

Für diesen Plattformwechsel griff die Barmenia auf Werkzeuge und Dienstleistungen zur Modernisierung und Portierung von Micro Focus zurück. Damit ließen sich Eingriffe in Anwendungen und Business-Prozesse auf ein Minimum beschränken. Denn die wesentlichen Business-Prozesse konnten weiterverwendet werden.

Auf der neuen Plattform arbeiten die Applikationen unter dem Applikations-Server „Micro Focus Server Enterprise Edition“, der die Infrastruktur des Großrechners ersetzt und unter Unix weitestgehend die für den produktiven Betrieb notwendigen Funktionen zur Verfügung stellt.

Die Portierung nahm der Dortmunder IT-Dienstleister Adesso vor, der bereits eine Reihe von IT-Projekten bei der Barmenia realisiert hat und der als Partner von Micro Focus mit den Migrationswerkzeugen vertraut ist.

Cobol und AIX - ein Herz und eine Seele

Die Barmenia konnte den Großrechner mittlerweile außer Betrieb stellen; weitere Anwendungsteile, die noch auf dem Alt-System laufen, werden noch in diesem Jahr auf AIX übernommen. Damit werden die Bestandsverwaltung und Leistungsabwicklung der Krankenversicherung weiterhin auf Cobol-Basis arbeiten, und zwar vollständig in einer Unix-Umgebung.

„Wir haben unser Ziel, die hohen Kosten des Großrechners zu reduzieren, trotz eines sehr anspruchsvollen Zeitrahmens in vollem Umfang erreicht“, erklärt Lutz Subel, Projektleiter im Bereich IT-Servicemanagement bei der Barmenia. „Wir können damit jährliche Einsparungen in einem nennenswert hohen Bereich erzielen, so dass sich das Projekt in weniger als einem Jahr amortisiert.“

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