Microsoft wird Naples-Kunde

AMD bringt im Sommer starke Server-CPU auf den Markt

| Redakteur: Ulrike Ostler

Auf dem Open Compute Summit gab AMD Details zum Server-Prozessor "Naples" bekannt. Dazu gehört eine bislang unschlagbare Performance.
Auf dem Open Compute Summit gab AMD Details zum Server-Prozessor "Naples" bekannt. Dazu gehört eine bislang unschlagbare Performance. (Bild: AMD)

Den Server-Prozessor mit dem Codenamen „Naples” will AMD im zweiten Quartal 2017, ungefähr zeitgleich mit dem Intel-Konkurrenzprodukt „Skylake-EP“ beziehungsweise „Xeon E5-2600 V5“ auf den Markt bringen. Allerdings rechnet die AMD-CPU aktuell schneller.

Derzeit findet in Santa Clara, Kalifornien, der „Open Compute Summit“ statt. AMD wählte das Forum, um Naples mitsamt erster Benchmarks vorzustellen. Die Zen-basierte x86-Server-CPU mit 32 Kernen und acht Speicherkanälen soll in Zwei-Sockel-Plattformen Systemen zunächst gegen „Xeon E5 v4“ (Broadwell-EP) und später gegen die Xeon E5 v5 antreten.

Im Benchmark konnte ein Zwei-Prozessor-System bestückt mit AMD Naples, 64 physische Kerne, ein System mit Intel Xeon E5-2699A v4, 44 physische Kerne um das 2,5fache überholen.
Im Benchmark konnte ein Zwei-Prozessor-System bestückt mit AMD Naples, 64 physische Kerne, ein System mit Intel Xeon E5-2699A v4, 44 physische Kerne um das 2,5fache überholen. (Bild: AMD)

Der gewählte Leistungstest besteht aus einem Szenario der Seismologie und hat wie der entsprechende HPCG-Benchmark für das High Performance Computing vornehmlich Sparse-Matrix-Operationen mit riesigen Matrizen und Gittern mit 1 Milliarde Punkten. Zumindest hier erweist sich der AMD-Prozessor als schnell:

Für den Benchmark hat ein Zwei-Prozessor-System mit AMD Naples zur Verfügung gestanden, die mit insgesamt 64 physischen Kernen bestückt gewesen sind. Das System hat das System mit Xeon E5-2699A V4 und 44 physischen Kernen abgehängt und war um den Faktor 2,5 schneller. Auch bei einer Reduktion auf 44 Kerne war das Naples-System noch doppelt so schnell.

Doppelte Geschwindigkeit

Damit will AMD nun tatsächlich gegen die Intel-Übermacht antreten. Wie CTO Mark Papermaster ausführt, soll die Naples-CPU spätestens ab dem kommenden Jahr für einen zweistelligen Marktanteil sorgen. Allerdings dürfte der Weg steinig sein; denn derzeit spielt AMD mit einem Marktanteil von rund 1 Prozent keine Rolle. Auch will AMD den Markt mit 4- und 8-Sockel-Plattformen (noch) nicht bedienen, in denen „IBM Power9“ und auch Xeon E7 v4 ebenfalls zu finden sind.

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Die CPUs basieren auf der „Zen“-Mikroarchitektur, die auch die Grundlage für die erst kürzlich vorgestellten „Ryzen“-Chips bildet, die in Desktops zum Einsatz kommen. Allerdings haben die Server-CPUs bis zu 32 statt 8 Kerne.

Noch unbestätigt, aber zu vermuten ist, dass Naples aus vier Dies besteht: So war in der Präsentation auf dem Summit von 8 x 16 PCIe-Lanes bei einem 2-Sockel-System die Rede. Die Chips sind per „Infinity Fabric“ auf einem Träger verbunden.

Funktionen wie Speicherverschlüsselung (SME, Secure Memory Encryption) und Secure Encrypted Virtualization (SVE) sind berücksichtigt und entsprechen der „Secure Guard Extensions“ (SGX) von Intel. Mit den acht Speicherkanälen pro Prozessor und 128 PCIe-3.0-Lanes pro System kann AMD mit Naples zahlreiche Server-Anwendungen adressieren, bei denen Speicher-Performance und I/O im Vordergrund stehen.

Kooperation mit Microsoft

Ebenfalls auf dem OCP Summit hat Microsoft den Einsatz des AMD-Prozessors Naples in Server des „Project Olympus" für „Azure“-Rechenzentren angekündigt. Dahinter steckt das kommende Hardware-Design, das tauglich sein soll für Hyperscale-Clouds und das auch dem Open-Source-Gedanken der OCP-Communitity entspricht. Insbesondere will Microsoft die Kosten und den Energiebedarf für Azure senken.

Doch die Project-Olympus-Spezifikationen gibt Microsoft im Rahmen des Open Compute Project (OCP) frei. Zugleich flossen sie in das Design des Naples-Prozessors ein und umgekehrt. Das ist nach AMD-Angaben umso wichtiger, als dass Naples auch für Enterprise-Rechenzentren tauglich sein soll.

Kushagra Vaid, General Manager und Distinguished Engineer, zuständig für die Azure Cloud Hardware Infrastruktur bei Microsoft sagt: “Die Zusammenarbeit durch die Open-Source-Community hat eine zentrale Bedeutung für Innovation und die schnelle Entwicklung für das dynamische Ökosystem rund um das Project Olympus.“

Bisher war nur Beschreibungen eines Olympus-Server mit Skylake-EP-Xeons und mit dem „ARM-SoC Qualcomm Centriq 2400“veröffentlicht. Doch mit der Bekanntgabe der Partnerschaft kann AMD seinen ersten bedeutenden Kunden für Naples nennen und darf auf weitere hoffen. Denn Unternehmen wie Facebook (ARM-Server) und Google (Open Power, ARM) suchen offenbar nach Alternativen für Intel-CPUs.

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