Analysten kritisieren verheerende Kommunikationspolitik bei Betreiber der Elastic Compute Cloud (EC2)

Amazon kann Kundendaten nach Cloud-Ausfall nicht rekonstruieren

29.04.2011 | Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

AWS: Bunte Statusmeldungen statt transparenter Informationen.

Bei den Ausfällen von Amazons Web Services (AWS) sind offenbar auch Kundendaten unwiederbringlich gelöscht worden. Amazon übt sich derweil in Schweigen und wird von Analysten für eine katastrophale Informationspolitik gescholten. Cloud-Experten raten Kunden zu zuverlässigen Sicherheitsstrategien.

Neues Ungemach für Nutzer der Amazon Web Services: Nachdem am Osterwochenende Teile des Dienstes ausgefallen waren, zitiert das Portal Business Insider jetzt eine E-Mail, in der Amazon seinen Kunden einen Datenverlust eingestehen muss.

Dem Wortlaut des Schreibens nach, sei die Hardware in einer solchen Art und Weise ausgefallen, dass Amazon auch manuell und mit forensischen Methoden keine brauchbaren Informationen mehr retten konnte. Betroffene Nutzer des Amazon Elastic Block Storage (EBS) könnten dennoch einen Snapshot anfordern, auch wenn der von wenig Nutzen sein dürfte.

Was genau bei Amazons Web Services schief gelaufen ist, bleibt indes weiter unklar. Laut Amazons eigener Status History gab es zwischen 22. und 25. April Probleme mit Amazon EC2 (N. Virginia) , Amazon RDS (N. Virginia) und AWS Elastic Beanstalk. Medienberichten zufolge kam es dadurch auch zu Ausfällen bei Internetdiensten, wie Foursquare, Quora und Reddit.

Mauernde Kommunikationspolitik

DataCenter-Insider hat sich mehrfach bei Amazon um Auskunft bemüht, bislang aber ebensowenig klare Antworten erhalten, wie Kunden. Diese mauernde Informationspolitik kritisieren mittlerweile auch Analysten.

Steve Janata, Senior Advisor bei der Experton Group, hält Vertrauen und Transparenz für essentielle Voraussetzungen des Cloud Computing. Dass derlei Ausfälle irgendwann passieren sei vorherzusehen und nie auszuschließen. Wirklich verheerend allerdings sei, dass Amazon den nun eingetretenen Cloud-Unfall nicht offen genug kommuniziere. So hätte man Kunden bereits beim Ausfall der ersten Systeme warnen müssen.

Sicherheitstipps für Cloud-Kunden

Für eine Sicherung umfangreicher Datenbanken wäre es dann vermutlich dennoch schon zu spät gewesen. Darum rät Cloud-Experte Steve Janata Kunden, künftig nicht allein auf Cloud-Dienste zu vertrauen. Für ernsthafte Projekte sollte es grundsätzlich eigene Backups geben.

Beim jetzt eingetretenen Fall hätte es bereits gereicht, verschiedene „Availability Zones“ von Amazon zu nutzen - da EC2 nur teilweise ausgefallen sei. Für kritischere Anwendungen kann es zudem sinnvoll sein, mehrere Cloud-Anbieter parallel zu nutzen. Wie wirtschaftlich das ist, müsse jedoch von Fall zu Fall entschieden werden.

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